Deutsche Märchenstraße

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Die Deutsche Märchenstraße reiht die Lebensstationen der Brüder Grimm aneinander, ebenso die Orte und Landschaften, in denen ihre Märchen beheimatet sind.

Märchenstraßen-Verlauf

Die Route führt von Hanau über 600 Kilometer bis nach Norddeutschland zu den Bremer Stadtmusikanten.

Zu den wichtigen Stationen in Nordhessen gehören etwa Kassel mit dem Brüder Grimm - Museum, Bad Wildungen-Bergfreiheit mit dem Schneewittchenmuseum, Baunatal-Rengershausen als Ort der Märchenerzählerin Dorothea Viehmann, der Hohe Meißner als Hausberg von Frau Holle oder der Reinhardswald mit dem Dornröschenschloss Sababurg bei Hofgeismar.

600 Kilometer Fantasie

Dornröschen - Briefmarke der Deutschen Bundespost vom 8. Oktober 1964

Die Deutsche Märchenstraße führt von Hanau nach Bremen - Sitz des Vereins ist Kassel

Wollte man alle Stationen besuchen, alle Landstriche kennen lernen, man wäre Wochen, wenn nicht gar Monate unterwegs. Auf der Spur von Märchen, Sagen, Fabeln und Legenden schlängelt sich die Deutsche Märchenstraße auf über 600 Kilometern durch fünf Bundesländer - von Hanau im Süden, dem Geburtsort der Brüder Grimm, bis nach Bremen, wohin es Esel, Hund, Katze und Hahn einst als Stadtmusikanten zog.

Auf halbem Weg schlägt das Herz der Deutschen Märchenstraße: Der Landstrich zwischen der Schwalm und der Sababurg im Reinhardswald gilt als das Märchenland der Brüder Grimm; Kassel, wo die Gelehrten die Kinder- und Hausmärchen aufzeichneten, als seine Hauptstadt.

Nirgendwo, sieht man einmal von Bremen mit seinen Stadtmusikanten und Hameln mit seinem Rattenfänger ab, lassen sich die Schauplätze der fantastischen Geschichten besser lokalisieren als hier. Rotkäppchen und der böse Wolf, sie begegneten sich nach übereinstimmender Vorstellung in der Schwalm, Frau Holle schüttelte ihre Betten auf dem Hohen Meißner aus, und Dornröschen verschlief 100 Jahre auf der Sababurg nahe der Stadt Hofgeismar.

Diese und die vielen anderen Schauplätze miteinander zu verbinden, ist das Ziel der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Märchenstraße, die vor 30 Jahren in Steinau gegründet wurde. Die Straße ist ein Kind der mobilen Gesellschaft. Mit dem Siegeszug des Autos entstehen hierzulande diverse Ferien- und Themenrouten: die Deutsche Ferienstraße und die Deutsche Weinstraße sind die bekanntesten.

Die Tourismusmanager setzen auf den Ehrgeiz der Besucher, möglichst viel zu sehen. Im Falle der Japaner wird diese Hoffnung nur selten enttäuscht. Darüber wird leicht vergessen, dass die Deutsche Märchenstraße, wie alle Erlebnisrouten, im Wesentlichen im Kopf entsteht. Per Marketingkonzept wird auch das zusammengeführt, was nicht zwangsläufig zusammengehört. Freilichtaufführungen, Puppenspieltage, Märchenmenüs in alten Gemäuern, Fürstenbankette, Scheunenfeste - vieles läuft unter dem Logo mit der Fee. Schilder mit der Zaubergestalt und der verschnörkelten Schrift darauf stehen überall entlang der Route. Millionen Autofahrer kennen sie. Gemessen an dem bisschen Geld, das der Arbeitsgemeinschaft für ihr Werbematerial, den Internetauftritt und die Präsenz auf ein paar Messen zur Verfügung steht, ist der Bekanntheitsgrad der Marke Märchenstraße erstaunlich hoch.

Der größte Publikumserfolg liegt schon einige Zeit zurück: ein Film des japanischen Fernsehens über die Märchenstraße, den 20 Millionen Menschen sahen. Bei den 87 Mitgliedern des Vereins, darunter 63 Städte und Gemeinden sowie sechs Landkreise entlang der Route, hat sich inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Märchenstraße nicht länger auf Sparflamme laufen kann.

Eine interne Arbeitsgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, Strategien für eine bessere Vermarktung zu entwickeln. Im Blickpunkt dabei: die bessere Zusammenarbeit mit privaten Einrichtungen wie der Baunataler Hütt-Brauerei und der Gastronomie auf der Sababurg. Erste Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr vorgelegt werden. Eine Grundlage für die Beratungen gibt es. Das Münchner Unternehmen Futour hat längst ein Konzept für eine bessere Vermarktung und Finanzierung vorgelegt.

Auch Knut Seidel, Chef der Tourismusgesellschaft Kassel Tourist, bei der die Märchenstraße quasi Untermieterin ist, sagt es deutlich: „Wenn die Deutsche Märchenstraße eine Zukunft haben will, dann muss sie sich andere Ziele stecken und neue Produkte entwickeln.“ Dringend notwendig, weil stark nachgefragt: eine Tour für ausländische Touristen entlang der Märchenstraße, mit Stadtführungen und attraktivem Beiprogramm.

Einer, der die Märchenstraße mit auf den Weg brachte, schaltete sich im Sommer in die Diskussion um ihre Zukunft ein. Dr. Herbert Günther, früherer hessischer Justiz- und Innenminister, schrieb den Verantwortlichen des Vereins zum 30-jährigen Bestehen seine Forderungen ins Stammbuch. „Es muss einen mentalen und finanziellen Schub geben, vor allem mit Blick auf die großen Chancen, die das Thema Märchen auf dem asiatischen Tourismusmarkt und dort besonders in China bietet.“ Und er bekannte sich zu einem Projekt, über das vor allem im Raum Kassel seit Jahren diskutiert wird. „Ich sage ein klares Ja zu einem Märchen-Freizeitpark.“ Der Verein, das ist klar, wird ihn nicht finanzieren können. Das ist auch nicht seine Aufgabe. Aber er könnte potenzielle Investoren beraten. Was allerdings nur geht, wenn man qualifiziertes Personal hat. Und das kostet Geld. Damit schließt sich der Kreis.

Allen Unzulänglichkeiten zum Trotz kann man aber auch mit der bunten Karte auf Entdeckungsreise gehen. Die Märchenstraße, sie ist auch eine Einladung an die Menschen in der Region, ihre Heimat besser kennen zu lernen. Alsfeld mit seinem berühmten Rathaus, Marburg, Fritzlar, Kassel mit dem Brüder-Grimm-Museum, die Burg Hanstein hoch über der Werra, das Heilbad Heiligenstadt im Eichsfeld, Hofgeismar, Hann. Münden, Bad Karlshafen, all diese Orte liegen an der fantastischen Route. Nicht zu vergessen natürlich Göttingen, wo Jacob und Wilhelm Grimm als Professoren wirkten. Dass die Schauplätze der Märchen und mit ihnen die Deutsche Märchenstraße eine Perspektive haben, davon ist Initiator Herbert Günther überzeugt: „Eine kalte und feindselige Umwelt führt die Menschen zur Suche nach einer heilen Welt. Das Märchenland der Brüder Grimm ist weltweit ein einmaliger Schatz und Ausdruck für Authentizität.“

Weitere Informationen bei der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Märchenstraße, Obere Königsstraße 15, 34117 Kassel, Tel. 0561/7077-07, Fax: 0561/7077-168, E-Mail: tourist@kassel-tourist.de

Literatur

siehe auch

Datei:Grimm1959.jpg
Jacob Ludwig Carl und Wilhelm Carl Grimm - Postwertzeichen vom 1.10.1959

Weblinks