Vertikaler Erdkilometer

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Der Vertikale Erdkilometer ist ein documenta-Kunstwerk, dass sich in Kassel befindet. Der Künstler Walter De Maria hat zur documenta 6 im Jahr 1977 ein ein Kilometer tiefes Loch in die Kasseler Innenstadt gebohrt, und anschließend lange massive Messingstäbe von fünf Zentimetern Durchmesser zu einem Kilometer ineinandergesteckt in die Erde eingelassen.

Probleme mit der Akzeptanz des Kunstwerks

Der Vertikale Erdkilometer galt damals als das umstrittenste Kunstwerk der documenta. Wochenlang wurde im Frühsommer 1977 das Kunstprojekt öffentlich befehdet.

Drei Dinge kamen zusammen: Die Öffentlichkeit war auf ein Kunstwerk solchen Ausmaßes, das sich zwischen Konzept- und Land-Art bewegt, nicht vorbereitet. Der Bohrturm und der ihn umgebende Bauzaun, die zu Einbringung des 1000 Meter langen Messingstabes notwendig waren, war in der Tat alles andere als schön. Außerdem verursachte die Bohrung auch Lärm. Und schließlich galt bis dahin der Rasen auf dem Friedrichsplatz, der durch die Bohrung zur Wüste wurde, vorher wie Kassels gute Stube behandelt worden. Verschärft wurde der Konflikt dadurch, dass an anderer Stelle auf dem Friedrichsplatz aus rostendem Stahl Richard Serras "Terminal" errichtet wurde. Durch die Aufstellung wurde der Rasen weiter zerstört. Die Skulptur wurde als Kunstklo diffamiert.

Das Projekt

Walter De Maria hatte mit seinem 750.000 Mark teuren Projekt (Finanzierung DIA-Foundation/Heiner Friedrich) Bezug darauf nehmen wollen, dass das Fridericianum als Haus der Aufklärung auch die historischen Instrumente zur Vermessung der Welt barg. Der Messingstab mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern wurde in der Achse Portikus (Fridericianum) - Denkmal Friedrichs II. versenkt.

Nach der Fertigstellung wurde aus dem größten und lautesten Kunstwerk das stillste und unauffälligste: Auf dem Friedrichsplatz sieht man nur eine kleine Messingscheibe (als Endstück) in einer Sandsteinplatte. Das Werk, das die Kasseler am wenigsten gewollt hatten, ist somit am innigsten mit der Stadt verbunden.

Waldforfschüler hatten zur Popularisierung des Kunstwerks beigetragen, indem sie in Gläschen Bohrlocherde für einen guten Zweck verkauften. Eine gute Ventilfunktion hatte eine Aktion, bei der die Besucher ihre Meinung zu dem Projekt auf einem Großbild des Bohrturms niederschreiben konnten. Dank der Bohrung konnte der Aufbau der Erdschichten unter dem Friedrichsplatz dokumentiert werden. Der Schichtenaufbau ist im Naturkundemuseum (Ottoneum) zu studieren.

siehe auch

Weblinks und Quellen