Der Untergang von Kossmansdorf im Westerhöfer Wald

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Mitten im Westerhöfer Wald, an der Straße von Marke nach Westerhof lag auf einem ziemlich hohen Bergrücken das Dörfchen Kossmannsdorf mit seiner kleinen schmucken Kirche. Es soll während der spätmittelalterlichen Bauernkriege gewesen sein, als Kossmannsdorf unterging. Die Bürger hatten schon von weitem gesehen, dass sich eine Horde wilder Reiter und Landsknechte dem Dorf näherten. Die ganze Dorfbe-völkerung flüchtete sich in die Kirche, wo sie zusammen mit ihrem Pfarrer einen letzten Gottesdienst abhielten.

Männer, Weiber und Kinder, Bauern, Knechte und Mägde knieten einträchtig nieder und beteten gemeinsam den 130. Psalm: „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir, Herr Gott, erhör mein Rufen...“, als plötzlich draussen lauter Kriegslärm erschall. Die wilde Horde versuchte in die Kirche einzudringen und die massive, von innen verrie-gelte, Kirchentür aufzubrechen. Angst und Entsetzen spiegelte sich auf den Gesichtern der Knieenden wieder als die Kirchentür unter den heftigen Schlägen der raubenden Meute wankte. Der Geruch von brennenden Häusern stieg in ihre Nasen und das Gebrüll ihres Viehzeugs in Todesangst drang an ihre Ohren. Von draussen vor der Kirche erschall der Ruf: „Starben sallt jei alle.“

Die Leute beteten noch inbrünstiger und der Pfarrer reckte seine Hände zum Himmel empor und rief: „Herr Gott, es ist höchste Zeit, errette uns aus den Fängen der blutgierigen Horde!“. Just in dem Moment, als gerade die Kirchentür mit lautem Krachen zerbrach und die wilden Krieger in die Kirche eindrangen, fing das Kirchlein an zu beben und versank lautlos, mit all den Menschen darinnen, in der Tiefe. Das Glöcklein auf seinem Turm schlug gerade zur Mittagsstunde.

Jedes Jahr am Jahrestag dieses Überfalls soll die Kirche, mit allen Einwohnern, die ihren Gottesdienst feiern, für genau eine Stunde wieder auftauchen um mit dem letzten Schlag vom Mittagsgeläut der kleinen Glocke wieder zu versinken. Da aber durch den Lauf der Jahrhunderte niemand mehr weiss, wann dieser Jahrestag genau ist, kann man auch nicht einfach hingehen, um mit den Kossmannsdorfern ihren Gottesdienst zu feiern; das Glöcklein wollen aber schon Viele gehört haben.

siehe auch