Der Schwarze Ritter

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Die Legende um den schwarzen Ritter

Es war an Fürsten- und Königshöfen im Mittelalter üblich, dass der gestorbene Regent zu seiner letzten Ruhestätte mit großem Trauergefolge geleitet wurde. Diese letzte Ruhestätte war meist ein Dom, zumindest aber eine bedeutende Kirche. Bevor der Leichenzug in Richtung Kirche begann, wurde ein Bote zu dieser Kirche gesandt ein Ritter in schwarzer Rüstung. Dieser ritt zur Kirche und pochte an der verschlossenen Türe. Dahinter war das Domkapitel versammelt.

Der Bote, nach seinem Begehr gefragt, antwortete: "Der König, Herrscher von ..." - und jetzt wurde seine ganze, meist sehr lange offizielle Titulatur genannt, die gedruckt beim Kurfürsten viele Zeilen einnimmt "begehrt Einlass". Hinter der verschlossenen Türe hörte er die Antwort: "Kennen wir nicht." Der Bote kehrte unverrichteter Sache zu den Wartenden zurück. Diese schickten ihn nochmals mit dem dringenden Begehren los, für den Fürsten Aufnahme zu begehren.

Wieder ritt der Bote los, kam vor die verschlossene Kirchentüre, gleiches Procedere wie zuvor, und wieder erhielt er die Antwort "Kennen wir nicht." Der Bote ritt erfolglos zurück. Die Wartenden berieten erneut und sandten den schwarzen Boten ein drittes Mal zur Kirche. Diesmal antwortete der Bote auf die Frage nach seinem Begehr: "Ein armer Sünder begehrt Einlass." Darauf öffnete sich die Türe und das Domkapitel verkündete, dass es den Toten erwarte. Dieser Brauch verband sich mit der Legende, dass der Schwarze Ritter, also der Bote, der nächste Tote unter dem Trauergefolge sein würde.

Der verstorbene Kurfürst Wilhelm I., Erbauer von Schloss Wilhelmshöhe und der Löwenburg, wollte dort auch begraben sein. Er hatte sich ein mittelalterlich geprägtes Begräbnis gewünscht mit dem Schwarzen Ritter. Niemand aus dem Gefolge des Kurfürsten wollte diese Rolle übernehmen, bis sich der junge, L. F. Christian von Eschwege, ein Draufgänger, der ob seines fröhlichen und unbekümmerten Wesens allseits beliebt war, hierfür erbot.

Der Schwarze Ritter erschien drei Mal vor der Kapelle der Löwenburg, der Trauerzug erfolgte nach strengem mittelalterlichem Brauch. Zum Entsetzen der Bevölkerung starb der junge Christian von Eschwege noch im selben Jahr. Man vermutet, dass er sich bei den dreimaligen Ritten in der schwarzen Rüstung erhitzt und anschließend verkühlt habe, er starb an einer Lungenentzündung. Sein Original-Grabstein befindet sich im Sepulkral-Museum, ein originalgetreuer Abguss ist auf dem alten Hauptfriedhof aufgestellt, wo er auch begraben worden ist. Die schwarze Rüstung ist noch erhalten und in der Löwenburg zu besichtigen.

von Dieter Arnold aus Kassel