Denis Papin

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Denis Papin

Denis Papin, (* 1647 in Blois ; † 1712 in London), gilt als Wegbereiter der Dampfmaschine.

Er war ein Zeitgenosse Landgraf Karls, ist aber weit weniger bekannt als sein fürstlicher Förderer. Dabei hätte der Wissenschaftler hugenottischer Abstammung, der seiner Zeit weit voraus war, etwas mehr Berühmtheit durchaus verdient.

Von der Kraft des Dampfes

Denis Papin verstand sich auf die Kunst, Wasser durch Feuer zu heben. Er entwickelte vor etwa 300 Jahren in Kassel die erste Hochdruck-Dampfpumpe. Und er schuf mit seinen erfolgreichen Experimenten zur Nutzung des Wasserdampfes die Grundlagen für die industrielle Revolution, die durch die Entwicklung der Dampfmaschine ausgelöst wurde.

Papin wurde 1647 als Sohn einer wohlhabenden calvinistischen Familie nahe Blois an der Loire geboren und erhielt seine Ausbildung in jener protestantischen Akademie in Saumur, wo auch der spätere Landgraf Karl von Hessen ausgebildet wurde. Nach dem Studium an der Universität Angers promovierte der junge Papin 1669 zum Doktor der Medizin. Die ärztliche Kunst sollte ihn aber fortan nicht mehr weiter interessieren. Fasziniert wandte er sich an der Akademie der Wissenschaften in Paris und ab 1675 an der Royal Society in London der Mathematik und Technik zu.

Dass Landgraf Karl ihn im Jahre 1688 als Professor für Mathematik an die Universität Marburg berief, kam dem Universalgenie nicht ungelegen. Papin musste sein französisches Vaterland wegen der Verfolgung der Hugenotten verlassen. In Marburg lehrte er auch Fächer wie Astronomie, Hydraulik und Sonnenuhrkunde. Und er baute 1690 die erste atmosphärische Versuchsdampfmaschine. Zu jener Zeit hatte er längst den Dampfkochtopf mit Sicherheitsventil erfunden, der bis heute für kürzere Garzeiten in der Küche sorgt. 1695 rief der Landgraf den Erfinder und Forscher an den Hof nach Kassel. Der Fürst war speziell an der Konstruktion einer wirkungsvollen Wasserpumpe interessiert. Die benötigte der Landesherr zur Trockenlegung des neu angelegten Lustgartens in der Karlsaue und zur Entwässerung der Stollen in den hessischen Bergwerken.

Nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit baute Papin eine Hochdruck-Dampfpumpe, die Wasser 24 Meter hoch fördern konnte. Die Konstruktion wurde Landgraf Karl im Jahre 1706 vor dem Ottoneum vorgeführt - dort, wo heute der Papin-Brunnen an den genialen Physiker erinnert. Die Metallverarbeitung konnte zu jener Zeit aber noch nicht der anspruchsvollen Technik genügen: Das Wasser spritzte aus den undichten Verbindungsstellen der Metallrohre.

Nach zwölf Jahren in Kassel verließ Papin die Stadt, um 1707 nach London zurückzukehren. Dazu startete die Familie mit einem Schiff auf der Fulda. Dass es sich bei dem Boot um ein Dampfschiff gehandelt haben soll, ist aber ein Märchen. Papin hatte in früheren Jahren zwar ein funktionsfähiges Tauchboot konstruiert, verfügte aber noch längst nicht über die Möglichkeiten, ein dampfgetriebenes Schiff zu bauen. Mit dem handbetriebenen Ruderrad-Schiff gelangte die Familie nur bis Hannoversch Münden. Dort wurde das Boot von Mündener Schiffern angegriffen und zerstört.

Die Familie kehrte nach Kassel zurück, Papin ging allein nach London. Dort gelang es ihm aber nicht mehr, Fuß zu fassen. Der Erfinder und Erbauer der ersten Dampfmaschine, die später von dem Engländer James Watt zur gebrauchsfähigen Kraftmaschine entwickelt wurde, starb - vergessen und in tiefer Armut - vermutlich im Jahre 1712 in London. Wann und wie, ist nicht bekannt.

Literatur

  • Karl Brethauer, Denis Papin, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 19809, S. 47 ff.

siehe auch

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