Deiseler Tunnel

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Etwa 260 m lang ist der "Deiseler Tunnel" der ehemaligen Carlsbahn.

Nach dem Abzweig von der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn in Hümme führte die ehemalige Eisenbahnstrecke der Carlsbahn in nordöstlicher Richtung nach Stammen und weiter zum Bahnhof Trendelburg (1912 erbaut).

Hinter Trendelburg wurde der Tunnel durch den Kesselberg, der "Deiseler-Tunnel" erreicht, wenig später die dreibogige Sandsteinbrücke über die Holzape.

Der leicht ostwärts gebogenene Tunnel durch den Kesselberg gilt als der älteste Eisenbahntunnel Hessens und wurde durch die Kasseler Baufirma Conrad Siebrecht (Erbauer der Carlsbahn) errichtet. Nach dem Baubeginn am 23. April 1846 konnte ab August 1846 das Gewölbe ausgemauert werden, bevor der Tunnel am 1. Juni 1847 vollendet war.

Über seine Länge gibt es unterschiedlich Angaben. Zum Teil ist von 264 m Länge die Rede, auf www.eisenbahn-tunnelportale.de heißt es dagegen, der Tunnel habe eine Länge von 202 m. Er wurde für ein eingleisiges Profil hergestellt, mit einer Lichtweite von 4,6 Meter und einer lichten Höhe von 6,05 Metern.

Aus Richtung Hümme folgte hinter dem Tunnel der Haltepunkt Wülmersen, danach der Bahnhof in Helmarshausen und schließlich der Bahnhof in Karlshafen am linken Ufer (zur Unterscheidung vom Bahnhof am rechten Weserufer), der nach der Steckenstillegung bereits Anfang der 1970er Jahre abgerissen wurde.

Ein Graf als Brettspiel

Uni-Studie über die touristischen Nutzungsmöglichkeiten von Carlsbahn und -kanal

Auszug aus dem Artikel von Markus Löschner in der HNA vom 15. August 2007

"Bad Karlshafen. Sieben angehende Landschafts- und Stadtplaner der Uni Kassel haben sich mit den beiden historischen Verkehrsverbindungen Carlsbahn und Carlskanal beschäftigt. Sie wollten wissen, ob sich die Anlagen touristisch nutzen lassen. Unter dem Motto "Wandeln auf historischen Pfaden" recherchierten sie zwischen Hümme und Bad Karlshafen. Die Ergebnisse wurden jetzt im Bad Karlshafener Rathaus präsentiert.

Die Kasseler Studenten haben unter der Leitung von Professor Diedrich Bruns und Dr. Klaus Horn zunächst die Überreste der historischen Verkehrswege mithilfe von Ortskundigen, alten Karten und der Suche im Gelände aufgespürt, kartiert und in einem digitalen Archiv erfasst.

Im zweiten Schritt ihrer Arbeit hat sich die Gruppe mit der Frage beschäftigt, wie die Geschichte von Carlskanal und Carlsbahn touristisch genutzt werden könnte. Eine "Carlsroute" wurde erarbeitet, die zwar ähnlich verläuft wie der heutige Radweg, jedoch die Überreste der Bahntrasse besser erschließt und den Kanal stärker einbezieht.

"Warum wird so etwas denn nicht zugänglich gemacht?" Die Frage stellte sich eine Familie, die mit dem Rad zwischen Trendelburg und Wülmersen unterwegs war und in der Nähe von Deisel an der Informationstafel des Eco-Pfades Diemel anhielt und dem kleinen Pfad zum alten Deiseler Tunnel gefolgt war.

Ein mächtiger Anblick

Wer sich diese Mühe macht, wird mit dem Anblick des mächtigen Tunnelportals mitten im Wald belohnt. Der 202 Meter lange Tunnel ist sicherlich das spektakulärste Relikt der 1848 in Betrieb genommenen 16,5 Kilometer langen Carlsbahn zwischen Hümme und Karlshafen.

Eine Streckenführung durch den Deiseler Tunnel wäre für die Studenten das Idealziel. Im Tonstudio wurde auch ein Audioführer produziert, der den Reisenden an wichtigen Punkten der Strecke per MP3-Player mit Informationen versorgt. Ein handlicher Kulturlandschaftsführer mit Texten, Bildern, ausklappbaren Karten und touristischen Informationen liegt bereits als produktionsreifer Prototyp vor. ..."

Der Drache im Tunnel

Die erste einheimische Lokomotive auf der Carlsbahn: Der "Drache" der Fa. Henschel

Artikel in HNA-online vom 6.4.2011 [1]

Deisel. Ankommen, reingehen und den Drachen sehen ist eine Vision, die Denkmalpfleger Ulrich Köster (Denkmalschutzbehörde des Landkreises Kassel) von der touristischen Zukunft des historischen Eisenbahntunnels bei Deisel hat. Das denkmalgeschützte Relikt der 1848 in Betrieb genommenen und 1966 stillgelegten Kurfürst-Wilhelm-Nordbahn wird seit Mitte des vergangenen Jahres teilweise instandgesetzt.

Die Arbeiten am Nordportal sind nahezu abgeschlossen. Die Substanz war durch Feuchtigkeit und Frost stark angegriffen. Jetzt steht die Sanierung des Südportals und des Tunnelinneren an. Jetzt machte sich Landeskonservator Professor Dr. Gerd Weiß ein Bild vom Stand der Arbeiten an Hessens ältestem Eisenbahn-Tunnel. „Es gibt kaum Vergleichbares. Schön, dass wir etwas dazu beitragen können“, sagte Weiß, der einen Förderbescheid der Landesdenkmapflege über 70 000 Euro mitgebracht.

Rund die Hälfte dieser Summe wurde bereits in die Restaurierung des Nordportals investiert. Das Landesamt für Denkmalpflege, die Untere Denkmalbehörde Hofgeismar und Hessen-Forst als Eigentümer trugen zu gleichen Teilen die Kosten für den Abbau instabiler Mauerbereiche, das Neuverfugen der Steine und die Reparatur der Wasserführung über dem Portal.

Jetzt stehen ähnlich geartete Arbeiten an dem repräsentativeren, weil aufwändig gestalteten Südportal an. Es ist viertelkreisförmig gekrümmt und im Stil der Neo-Romanik gehalten. „Die Schmuckelemente sind sehr brüchig. Wir wissen noch nicht, ob wir sie erhalten können oder ersetzen müssen“, erklärte Bauleiter Peter Reuting. Der Architekt führt sämtliche Arbeiten mit Unterstützung von Mitarbeitern des Eigenbetriebes Jugend- und Freizeit im Wasserschloss Wülmersen aus.

Bereicherung für Tourismus

„Das Bauwerk ist einer der ältesten Eisenbahntunnel in ganz Deutschland“, stellte Landrat Uwe Schmidt fest. Schmidt sieht die geplante Nutzung des Tunnels nahe Diemelradweg und Eco-Pfad Diemel als Bereicherung für den Tourismus. Der nördlich gelegene Tunnelteil soll auf rund 25 Meter zugänglich gemacht werden und zum Beispiel als Rastplatz für Fahrradfahrer dienen. Der Rest des mehr als 200 Meter langen Bauwerks bleibt gesperrt. Hinter dem Südportal liegt ein FFH-Gebiet und im Tunnel haben geschützte Fledermäuse ihr Quartier.

Foto von der Maschine

Der „Drache“ war die erste Dampflokomotive, die 1848 in den Henschel-Werken in Kassel produziert wurde und die erste, die auf der Strecke zwischen Grebenstein, Hümme und Karlshafen durch den Tunnel stampfte. Ein auf Leinwand gezogenes großes Foto der Maschine soll nach den Vorstellungen von Ulrich Köster hinter dem zugänglichen Teilabschnitt zu sehen sein. „Wenn dann noch, ausgelöst durch einen Bewegungsmelder, das Geräusch der fahrenden Lokomotive zu hören ist, dann ist die Touristenattraktion perfekt“, so der Denkmalpfleger. Die Sanierungsarbeiten sollen Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. (ziv)

Neue Wege zum Carlsbahntunnel

Seit Anfang September 2013 bringt ein neuer Pfad Radfahrer und Fußgänger zum Carlsbahntunnel bei Trendelburg-Deisel. Am Mittwoch, dem 4.9.2013 wurde der neuer Weg zum Südportal des Carlsbahntunnels eröffnet. [2]

Ein Jahr später - Ende August 2014 - wird der für 320.000 Euro sanierte Carlsbahntunnel als Wander- und Radwanderweg freigegeben, ein Höhepunkt des Hessischen Radfernweges R4 und des Diemelradwegs. Die Tunnelwände wurden dafür Stück für Stück von losem Mörtel und Steinen befreit und mit Wasserdruck gereinigt, wobei der historische Ruß der Dampflokomotiven erhalten blieb. [3]

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA vom 6.4.2011: Der Drache im Tunnel
  2. HNA vom 5.9.2013: Neuer Pfad bringt Radfahrer und Fußgänger zum Carlsbahntunnel
  3. HNA-online vom 24.5.2014: Bahntunnel bei Trendelburg wird für Radfahrer geöffnet

Weblinks