Deisel

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Deisel - evangelische Kirche

Deisel ist ein Stadtteil der Stadt Trendelburg.

Der Ort liegt im Landkreis Kassel in Nordhessen und hat etwa 1.200 Einwohner.

Geografie

Deisel liegt auf etwa 140 m Höhe westlich der Diemel und wenige Kilometer südlich der Weser.

Durch den Ort verläuft die Bundesstrasse B 83.

Südöstlich liegt Trendelburg, nordwestlich das Nachbardorf Langenthal.

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Bodenfunde belegen, dass die Gegend um Deisel schon in frühgeschichtlicher Zeit besiedelt wurde.

Erste Hinweise auf die Besiedelung Deisels gibt es bereits durch Funde aus der Bronzezeit (700 vor Chr.), Schutzwälle aus späterer Zeit an Burgberg und Hölleberg deuten auf die Auseinandersetzungen zwischen Franken und Sachsen im Weser - Diemelraum im 8. Jahrhundert hin. Auch Reste einer Wallburg befinden sich westlich des Ortes auf dem 249 m hohen Burgberg.

Urkundlich wird der Ort Deisel erstmals 1005/ 1006 erwähnt, der im 12. und 13. Jahrhundert zum Kloster Helmarshausen gehörte, ab 1455 dann zum Amt Trendelburg.

Die Kirche in Deisel wurde in den Jahren 1512 - 16 errichtet; erst im Jahre 1736 erhielt die Kirche ihre heutige barocke Form und wurde mit einem Westturm versehen.

Während des Dreißigjährigen Kriegs hat auch Deisel bei feindlichen Einfällen sehr gelitten.

Ortsansicht

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden in Deisel eine ganze Reihe großer und schöner Bauernhäuser, wie etwa Haus Temme in der Bremer Straße. Anders als 39 andere Häuser am Ort fiel es nicht dem großen Brand im Jahre 1714 zum Opfer und ist heute das Domizil des Heimatvereins.

Im 19. Jahrhundert (1830-er bis 1860-er Jahre) wanderten überdurchschnittlich viele Bewohner aus Deisel in die USA aus.

In einem Artikel in HNA-online vom 4.4.2012 heißt es dazu: "... Die Einwohnerzahl hatte sich damals in weniger als 100 Jahren auf 1400 Menschen verdoppelt. Waren die Dorfbewohner früher überwiegend Landwirte, reichte dieser Erwerb durch die Erbteilung und die dadurch zunehmende Zersplitterung des Landes nicht mehr aus. Zusätzliche Einkünfte erzielten die Menschen durch ein Handwerk, vor allem aber durch die Leinweberei oder mit Frachtfahrten zwischen der Residenzstadt Kassel und Karlshafen. Mit der wachsenden Bevölkerung, Missernten und der Industrialisierung (zwischen Kassel und Karlshafen wurde in dieser Zeit der Warenverkehr auf die neue Eisenbahn verlagert), geriet dieses Gefüge in ein Ungleichgewicht. Es gab zu wenig Arbeit für zu viele Menschen und das bei stark steigenden Preisen. Zwischen 1833 bis 1866 können 249 Deiseler Auswanderer nachgewiesen werden - überwiegend junge Handwerkergesellen sowie Heimgewerbetreibende und Tagelöhner sahen in der Heimat keine Perspektive mehr. Die Zahl der illegalen Auswanderer könnte noch einmal so hoch gewesen sein. Neben den wirtschaftlichen Problemen in der Heimat lockten außerdem die Aussichten in den USA die Menschen auf die Schiffe: kein Untertanendasein, keine Abgaben, kein Militärzwang, das Recht auf freie politische Meinungsäußerung und im Schnitt höhere Löhne." (aus: HNA-online vom 4.4.2012 - zlö)

Im Zuge der hessischen Gebietsreform zu Beginn der 1970-er Jahre wurde die ehemals selbständige Landgemeinde im Kreis Hofgeismar ein Stadtteil von Trendelburg.

Im Jahre 2005 feierten die Dorfbewohner das 1000-jährige Bestehen des Orts.

Die Carlsbahn

Der etwa 260 m lange "Deiseler Tunnel" der ehem. Carlsbahn

In der Nähe von Deisel verlief die Strecke der ehemalige Carlsbahn, eine im Jahre 1848 eröffnete Eisenbahnlinie. Diese Eisenbahnstrecke wurde bereits im Jahre 1966 für den Personenverkehr stillgelegt, später auch für den Güterverkehr. An sie erinnern aber bis heute einige Bauwerke im Streckenverlauf.

Nachdem sich der von Landgraf Karl von Hessen-Kassel geplante Bau einer Wasserstraße von Kassel nach Karlshafen (Landgraf-Carl-Kanal) nicht realisieren ließ, wurde gut ein Jahrhundert später eine Güterverbindung von Kassel nach Karlshafen auf dem Lande geschaffen.

Die im Jahre 1848 eröffnete Friedrich-Wilhelms-Nordbahn führte von Kassel bis zum Hofgeismarer Stadtteil Hümme. Von dort verlief eine weitere Teilstrecke, die Carlsbahn bis nach Karlshafen, wobei der Streckenverlauf der Carlsbahn fast genau dem Verlauf des Landgraf-Carl-Kanals folgte.

Auf der Strecke von Hümme nach Karlshafen wurde hinter Trendelburg der 264 m lange Tunnel durch den Kesselberg („Deiseler Tunnel“) erreicht, wenig später die dreibogige Sandsteinbrücke über die Holzape.

Haus Temme

Zu den wohl prächtigsten diemelsächsischen Bauernhäusern in Deisel gehört das "Haus Temme" aus dem Jahre 1713. Errichtet wurde es einst im Auftrag von Maria Ronstorff, die nach dem frühen Tod ihres Mannes das offenbar florierende Familienunternehmen im Garn- und Leinenhandel weiterbetrieb. Bereits 1681 hatte ein Konsortium der Familien Ronstorff und Teschenmacher von Landgraf Karl das „Privileg des Garnkaufens und Bleichens“ erhalten. Von der Erbauerin des schmucken Bauernhauses kündet bis heute die Inschrift über dem Türbalken.

Die letzte Bewohnerin des Hauses, Maria Temme, übertrug 1979 der Stadt Trendelburg das Haus gegen ein Wohnrecht. Nach ihrem Tod im Jahre 1982 wurde das Haus als Außenstelle des Bürgermeisteramtes und als Wahllokal genutzt, bevor es im Jahr 2000 aufwändig hergerichtet wurde. Seit 2008 ist der Deiseler Heimatverein Mieter des Hauses [1].

Kirche

Die Dorfkirche von Deisel wurde in den Jahren 1512 - 16 als einfacher Rechteckbau errichtet; Mitte der 1950-er Jahre wurden zahlreiche Wandmalereien entdeckt, die offenbar schon 1560 entstanden sind.

Die Kirche erhielt 1736 ihre heutige barocke Form und wurde mit einem Westturm versehen.

Die Fenster der Kirche aus dem Jahre 1953 sind frühe Werke des Künstlers Hans-Gottfried von Stockhausen.

Kunst und Kultur

  • In Deisel ist der Bildhauer Rolf Steiner in seiner Bildhauerwerkstatt tätig. Von ihm stammen etwa die Skulptur der Riesin Trendula in Trendelburg oder der Brunnen auf dem Töpfermarkt in Hofgeismar.
  • Auch der Künstler Albert Völkl ist in Deisel ansässig. Seit 1986 leitet er ein eigenes mobiles Figuren- und Schattentheater. Er illustriert aber auch Bücher, zeichnet Comics und Theaterplakate oder gestaltet Strassenlaternen mit Scherenschnitten (auch in Diemelstadt oder Trendelburg).
  • Annemarie Feuring (Malerei, Collagen), Benno Köhler (Drucktechnik, Zeichnungen) und Jasmin Köster (Malerei) sind ortsansässige Künstlerinnen und Künstler, die sich im Jahr 2012 an einer Gemeinschaftsausstellung im "Haus Temme" (Historisches Fachwerkhaus an der Bremer Straße in Deisel) beteiligen. Unter dem Mottto "Kunst säen und sehen" hat sich in Trendelburg eine Gruppe von Künstlern und Kunstinteressierten unter dem Dach der evangelischen Kirche zusammengefunden um Kunstaktionen unter auf die Beine zu stellen.

Literatur

  • Martina Lüdicke (Hrsg.), „Dorfleben - Ein Blick in die Geschichte von Deisel“, herausgegeben i. A. des Deiseler Heimatvereins e. V. - Verlag des Antiquariats Schäfer, Bad Karlshafen 2005

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

Auf dem Burgberg von Deisel findet im Juni das traditionelle Feuer zur Sonnenwende statt.

Auf dem Hölleberg - bei Deisel und Langenthal - befindet sich ein Fluggelände für Segel- und Motorflugzeuge sowie ein Motocross-Gelände. Hier am "Stahlberg und Hölleberg" befindet sich aber auch das grösste zusammenhängende Kalkmagerrasenvorkommen in Hessen, das durch großen Reichtum an Blütenpflanzen gekennzeichnet ist.

In der näheren Umgebung des Orts liegen mehrere sehenswerte Burgen, die Sababurg im Reinhardswald, die Burg Trendelburg und die Krukenburg oberhalb von Helmarshausen.

Weitere attraktive Ausflugsmöglichkeiten in der näheren Umgebung bestehen zur wenige Kilometer entfernten Weser und der Weserstadt Bad Karlshafen, zur Wallfahrtskirche Gottsbüren, zur Burg Trendelburg, zum Wasserschloss in Wülmersen, zum Naturschutzgebiet Holzapetal oder zu den Wolkenbrüchen bei Trendelburg.

siehe auch

Flugplatz Hölleberg

Vereine

Wandern und Radwandern

Radwandern

Wandern

Weblinks

Quellen

  1. HNA vom 8.5.2013: Haus Temme wird 300 Jahre

Weblinks



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