Das Steinkreuz von Dorla

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In seinem Buch „Steinkreuze in Hessen „ beschreibt Heinrich Riebeling das Dorlaer Kreuz wie folgt: „ Das schriftlose Kreuz hat einen breiten Schaft, an dem kurze gerundete Armstummel sitzen“! Leider gibt es wie bei fast allen Steinkreuzen auch hier keine konkreten Angaben über den Anlass und das Jahr seiner Errichtung. Aufgrund seiner Form und an seiner Lage an einer wichtigen Straße gehört das Denkmal aber mit großer Wahrscheinlichkeit zu den nur im 14. bis 16.Jahrhundert errichteten Sühnekreuzen und „Mordsteinen“. Sie waren Bestandteil von Sühneverträgen und sollten die übliche lange Blutrache verfeindeter Adelsfamilien untereinander verhindern.


Der Anlass für die Errichtung des Dorlaer Sühnekreuzes könnte der bekannte blutige Ritterkampf gewesen sein, der im Herbst des Jahres 1454 während der so genannten Bundesherrenfehde vor Dorla stattfand. Der Vorfall veranlasste den damaligen Landgrafen Ludwig I. dazu noch im Jahr 1454 endlich die schon lange andauernde Bundesherrenfehde durch harte Sühneverträge mit seinen untereinander verfeindeten Adelsparteien zu beenden. Bei den Sühneverträgen wurde auch die Errichtung von Sühnekreuzen gefordert, wenn es bei „ungleichen Kämpfen“ zwischen gerüsteten und ungerüsteten Rittern zum Totschlag kam, dass galt dann als feige Untat und Mord.

Die Kreuze mussten an wichtigen Straßen gut sichtbar aufgestellt werden. Der folgende Text ist auf der Infotafel zu lesen und historisch belegt:

Im Frühjahr 1454 überfiel der Ritter Meisenbug aus Züschen das dem verfeindeten Ritter von Elben gehörende Dorf Obervorschütz und brannte es nieder. Im Herbst wollten die Bundesherren diese und andere Übeltaten des Meisenbug rächen. Dazu sammelten sie sich im Hohenberg nahe Züschen und rasteten dort. Dass bemerkte ein Bürger des Ortes, der seinem Herrn davon Kunde brachte. Sofort überfiel der Ritter mit seinen Mannen die ungerüstet im Wald lagernden Bundesherren die sogleich die Flucht ergriffen. Sie wurden aber bei Dorla gestellt. In dem ungleichen Kampf verloren die Ritter Schenk zu Schweinsberg und Hans von Born, sowie etliche Knechte ihr Leben.

Seit Menschengedenken stand das Kreuz aus rotem Sandstein am südlichen Ortsausgang an der schon damals wichtigen Straße Kassel…Marburg. Die Unbilden des Wetters konnten ihm nicht viel anhaben. Es war zwar im Laufe der Zeit etwas eingesunken, doch immer noch gut sichtbar, denn früher wurden die Straßen - und Wegeränder von den Kleinbauern zweimal im Jahr für das Vieh gemäht. Diese sinnvolle Pflegemaßnahme gibt es leider schon lange nicht mehr. Dazu kam die „Abriegelung“ der Straße in Richtung Werkel durch den Bau der Autobahn A 49, sodass sich die Natur das gesamte Straßenstück als Biotop zurückholen konnte. Auch unser Denkmal verschwand unter dem sich vermehrenden kräftigen Dornengestrüpp.

Auf Initiative des Heimat- und Geschichtsvereins Dorla stimmte der Magistrat der Stadt Gudensberg In 2010 einer Restaurierung des Steinkreuzes zu. Der städtische Bauhof sorgte für die Entfernung des Wildwuchses, für die fachgerechte Ausgrabung und die Neuaufstellung einschließlich der Umpflasterung des Steinkreuzes. Mit der renovierten alten Ruhebank und der aufgestellten Infotafel ist aus einer wilden Dornenhecke ein würdiger Platz für das historische Kreuz geworden. (von Franz Lämmer, Heimat- und Geschichtsverein Dorla)

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