Das Haus der Gebrüder Grimm

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Die Brüder Grimm lebten zeitweise in Kassel. Unter anderem besuchten sie in Kassel die Schule.

Das nördliche Torhaus der Torwache (im Bild rechts) war von 1814 bis 1822 Wohnhaus der Brüder Grimm

Das Grimmsche Märchenhaus

Das Haus der Brüder Grimm in Kassel lag in der Wildemannsgasse 24/ Ecke Marktgasse. 1805 war die Witwe Grimm mit ihren jüngeren Kindern hierher gezogen, nachdem sie nach dem Tode des Vaters aus dem Amtshaus in Steinau an der Straße im Kinzigtal hatten ausziehen müssen. (Tipp: Dort ist jetzt ein wunderhübsches Grimm-Museum entstanden, das - neben dem Klassiker in Kassel - zu besuchen sich stets lohnt.)

Der Blick durch die Marktgasse fällt direkt auf das Grimmsche Märchenhaus: In dem weit vorspringenden Eckhaus Wildemannsgasse 24 lebte die Familie Grimm in den Jahren 1805-14. Hier arbeiteten die Brüder Jacob und Wilhelm an den beiden ersten Bänden der Kinder- und Hausmärchen, hier waren Bettina und Clemens Brentano, Friedrich Carl von Savigny, Werner Henschel und viele andere bekannte Persönlichkeiten zu Gast. Nur zwei Häuser weiter, in dem viergeschossigen Fachwerkbau Marktgasse 23 (viertes Haus von links), betrieb die Familie Wild, die mit den Grimms befreundet war, die traditionsreiche Sonnenapotheke; auch Wilds steuerten zahlreiche Märchen bei, und 1825 heiratete Wilhelm Grimm die Apothekertochter Dorothea Wild. Besonders markant ist die fast 23m hohe Steinfassade von Marktgasse 19 (zweites Haus von links). Der 1675 errichtete Barockbau war lange Zeit das teuerste Privathaus Kassels: mit 4– 5m hohen Räumen, prächtigen Stuckdecken und aufwändig geschnitzten Türen. Bauherr war der Kaufmann Hieronymus Schönauer (16401680), der – aus Basel stammend – 1663 das Kasseler Bürgerrecht erworben hatte.

Der Vorsprung von Marktgasse 17 bezeichnet die Grenze zwischen Altstadt und Freiheit; dort hatte bei Gründung der Freiheit 1330 ein Stadttor gestanden. Auch der folgende Abschnitt der Marktgasse war bereits das Ergebnis einer Stadterweiterung, wohl aus dem frühen 13. Jh.; an die ältere Stadtmauer aus der Mitte des 12. Jh. erinnerte ein ähnlicher Absatz auf halber Höhe zwischen Wildemannsgasse und Altmarkt.

Dagegen hatte der weite Vorsprung des Grimmhauses rein gestalterische Gründe: Er bildete hinter dem früheren Stadttor einen Blickfang, und im engeren, unteren Straßenabschnitt schob sich die besonnte Nordseite der Gasse ins Bild. Damit wirkte man dem starken Gefälle der Straße entgegen und verhinderte, dass sich der Blick in der Tiefe verlor.

Wohnorte in Kassel

Blick durch die Marktgasse aus Richtung Graben, 1910. Im Hintergrund erkennt man die Kreuzung mit der Wildemannsgasse, links im Vordergrund das Haus Marktgasse 17.

Die älteren Brüder Jacob (1785 - 1863) und Wilhelm (1786 - 1859) waren schon 1796, nach des Vaters Tod, nach Kassel gezogen; dort wohnten sie bei einem herrschaftlichen Mundkoch, umsorgt von einer Tante, und gingen aufs Lyceum Fridericianum. Später studierten sie in Marburg Jura, ehe sie zu Mutter und Geschwistern in die Wildemannsgasse in Kassel zogen.

Die Wildemannsgasse existiert, verändert, noch heute; sie führt nahe der Kleinmarkthalle von der Tränkepforte zur Freiheit und noch ein Stückchen darüber hinaus.[1]

Am Bistro Stradivari vorbei geht man ein kurzes Stück weiter nach Norden, bis am jenseitigen Ende des sich dort öffnenden Innenhofs die Rückseite von Häusern den Weg versperrt. Dort, am Haus Kurt-Schumacher-Straße 36, sind Mietwohnungen entstanden. Auf der Rückseite belegt im Rahmen des Projekts Historischer Rundgang eine Informationstafel, dass hier einst das Grimm-Haus stand - auch Märchenhaus der Brüder Grimm genannt.

Noch schöner als die Annäherung über die heutige Wildemannsgasse ist es, vom Graben her durch das kurz vor der Einmündung in die Kurt-Schumacher-Straße gelegene alte Barockportal durch den Hinterhof bis zur Grimm-Tafel zu gehen. Genau dort nämlich verlief die Marktgasse, die Ludwig Emil Grimm 1842 malte - ein bekanntes, anrührendes Bild aus alter Zeit. Die Marktgasse indes verschwand als Straßenzug beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn man heute den Kirchturm sehen will, den der Maler-Bruder der Grimms hinter der Marktgasse hervorlugen ließ, muss man schon um die Ecke gehen. Bis man einen der heute spitzen Türme der Martinskirche sieht.

In der Wildemannsgasse 24 /Ecke Marktgasse lebte die Familie von 1805 bis zum Jahr 1814 (die Mutter starb 1808). Zitat von der Tafel: "Hier sammelten die Germanistenbrüder Jacob und Wilhelm Grimm die Kinder- und Hausmärchen, hier zeichnete der Maler Ludwig Emil Grimm..." Die Brüder begannen 1806 mit dem Sammeln von Märchen und Sagen. 1811 erschienen die ersten wissenschaftlichen Bücher: Jacob schrieb unter anderem über den altdeutschen Meistergesang, Wilhelm übersetzte altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen. Ein Jahr später erschienen erstmals die Kinder- und Hausmärchen, die den Ruf der Grimms über die Wissenschaft hinaus in alle Welt trugen - bis heute. [2]

Die Wohnung Wildemannsgasse 24 war abgesehen von der Schüler-Unterkunft beim Hofkoch am Steinweg - nicht die einzige der Grimms in Kassel.

Sie residierten zeitweise in der Bellevue (Schöne Aussicht), im Eckhaus Fünffensterstraße/ Garde-du-Corps-Platz (siehe auch Garde-du-Corps-Straße), außerdem in der Torwache am heutigen Brüder-Grimm-Platz zu Beginn der Wilhelmshöher Allee. Dort, vor dem Gebäude, steht heute ein Denkmal von Jacob und Wilhelm Grimm. Des 21-jährigen Polizeiwachtmeisters Willi Kuhlmann, der bei Unruhen und Straßenkämpfen am 10. Juni 1931 gegen 23 Uhr erschossen worden war, kann allenfalls abstrakt gedacht werden. Die tödliche Kugel traf ihn vor dem Haus Wildemannsgasse 24/Ecke Marktgasse, dem Grimm-Haus.

siehe auch

Aquarell von Ludwig Emil Grimm: An der Ecke Oberste Gasse/Hedwigstraße in Kassel, mit Blick auf Martinskirche und Tuchhaus im Jahre 1820.

Verlorene Stadt

Ausstellung: Verlorene Stadt

Rundgang 4: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Martinsplatz | Station 2: Martinsplatz nach dem Abbruch des Tuchhauses | Station 3: Das Säulenportal am Martinsplatz | Station 4: Mittelgasse | Station 5: Das Grimmsche Märchenhaus | Station 6: Barockhaus von Oberst Georg du Mont | Station 7: Der Freiheiter Durchbruch | Station 8: Laubengänge am Freiheiter Durchbruch | Station 9: Kassels erste Fußgängerzone | Station 10: Der untere Abschnitt der Marktgasse

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Wikipdia-Artikel
  2. Zur Geschichte der Grimms

Weblinks