Das Gänseliesel

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Göttingens Wahrzeichen: "Das Gänseliesel"
(Foto Olaf Weiss)

Das Gänseliesel vor dem alten Rathaus in Göttingen ist als Brunnenfigur seit 1901 das Wahrzeichen der Universitätsstadt. Seit 1990 handelt es sich hierbei um eine Kopie, während sich die Originalfigur im Städtischen Museum befindet.

Entstehungsgeschichte

Die Bronzefigur des Brunnens wurde vom Bildhauer Paul Nisse nach einem Entwurf des Architekten Heinrich Stöckhardt geschaffen. Sie stellt ein junges Mädchen umgeben von mehreren Gänsen dar. Zur Neugestaltung des Marktbrunnen hatte der Magistrat der Stadt Göttingen bereits 1898 einen Wettbewerb ausgeschrieben, in dem die Jury dem Entwurf „Gänsemädel“ den zweiten Preis zuerkannte. Den ersten Preis erhielt der Entwurf „Im Geiste der Alten/Tugendbrunnen“ von K. Mehs und H. Jehs. Nach der Preisverleihung hatte die Göttinger Bevölkerung die Gelegenheit, ihr Urteil abzugeben. Schließlich wurde, nach langer Debatte in der Bürgerschaft, am 8. Juni 1901 die Figur des Gänsemädels aufgestellt. Eine offizielle Einweihung fand nie statt.

Brauchtum und Kussverbot

Teile der Studentenschaft bezogen die Brunnenanlage bald in ihr Brauchtum ein. Nach ihrer Immatrikulation bestiegen die Studenten den Brunnen, um die Brunnenfigur zu küssen. Da dieses häufig im Rahmen lautstarker Feiern geschah, wurde am 31. März 1926 eine Verordnung erlassen, die das Erklettern des Marktbrunnens und ein Küssen des Gänseliesels unter Strafe stellte. Weil sich die Studenten nicht daran hielten, führte dieses 1926 zu einem „Kuss-Prozess“. Nachdem im Sommersemester der cand. jur. Graf Henckel von Donnersmarck auf frischer Tat ertappt wurde, musste er eine Geldstrafe von zehn Reichsmark zahlen.[1] Der Jurastudent focht zwar die Ordnungsstrafe an und forderte vom Gericht „Kussfreiheit“ und „doch den Bann von den bronzenen Lippen zu lösen“, aber er hatte weder vor dem Göttinger Amtsgericht noch vor dem Berliner Kammergericht damit Erfolg. Das Kussverbot galt offiziell weiterhin, aber wurde kaum beachtet. Deswegen gilt das Gänseliesel den Göttingern als das meistgeküsste Mädchen der Welt.

Allerdings waren es in den letzten Jahrzehnten nicht mehr die Neuimmatrikulierten, die das Gänseliesel küssten, sondern Doktoranden nach ihrer erfolgreichen Prüfung. Dabei wird dem Gänseliesel ein Blumenstrauß überreicht. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Gänseliesels hob der Rat der Stadt das Kussverbot für diesen einen Tag offiziell auf.[2][3]

Wahl zum Gänseliesel

Seit 1995 wird einmal jährlich von einem Regionalwirtschaftsverband ausgehend in einem Wahlverfahren eine junge Frau zum „Gänseliesel“ gewählt. Sie übernimmt repräsentative Aufgaben (vor allem in der Regionalwirtschaftsförderung).

siehe auch

Weblinks