Mordserie an Türken und Griechen in Deutschland von 2000 bis 2006

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Nach dem Mord an Halit Yozgat untersuchte die Spurensicherung der Kripo den Tatort in dem Internetcafé an der Holländischen Straße.

Von 2000 bis 2006 gab es eine bundesweite Mordserie an Türken und Griechen, die unter dem Begriff "Döner-Morde" Schlagzeilen machte. Sie wurde auch als Mordserie Bosporus[1] bezeichnet. Ein griechischer und acht türkische Unternehmer wurden zwischen Herbst 2000 und Frühjahr 2006 bei Attentaten von Neonazis ermordet.

Opfer aus Kassel

Der damals 21-jährige Halit Yozgat wurde am 6. April 2006 in seinem Internetcafé an der Holländischen Straße in Kassel erschossen. Er war das letzte Opfer der Mordserie.[2]

Bennung eines Platzes nach Halit Yozgat

Der Vater des ermordeten Halit Yozgat hat während einer Gedenkfeier in Berlin am 23. Februar 2012 für die Opfer der Neonazi-Mordserie erstmals den Wunsch geäußert, dass die Holländische Straße nach seinem Sohn benannt wird.[3] Am 3. April 2012 gibt Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen bekannt, dass der Platz an der Holländischen Straße/Mombachstraße gegenüber dem Philipp-Scheidemann-Haus nach Halit Yozgat benannt werden soll. Der Platz vor dem Hauptfriedhof liegt in unmittelbarer Nähe zum Tatort (Holländische Straße 82), wo Yozgat ermordet wurde.[4]

Der Platz an der Holländischen Straße/Ecke Mombachstraße wurde am 1. Oktober 2012 nach dem im April 2006 ermordeten Halit Yozgat benannt und eingeweiht. Sowohl das Schild Halitplatz als auch ein Gedenkstein für die zehn Opfer der Mordserie der rechtsterroristischen Gruppe NSU wurden öffentlich enthüllt. Vor 250 Menschen sagte Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn, diese Entscheidung sei richtig gewesen.[5]

Ablauf der Tat in Kassel

Gegen 17 Uhr betrat der Täter das Internetcafé von Halit Yozgat in der Holländischen Straße 82. Die Waffe des Mörders: eine Ceska vom Typ 83, Kaliber 7,65, bestückt mit einem Schalldämpfer. Die Pistole steckte in einer Plastiktüte. Der Täter zielte auf Halit Yozgat und schoss ihm in den Kopf. Dann flüchtete er unerkannt. Wie in allen anderen Fällen der Mordserie auch. Gefunden wurde Halit Yozgat kurz darauf von seinem Vater. Der Notarzt kann dem jungen Mann nicht mehr helfen. In den Hinterräumen des Cafés saßen zu dieser Zeit drei Männer, die im Internet surften. Einer gab bei der Polizei an einen dumpfen Schuss gehört zu haben. Wegen des Straßenlärms hatte er dem aber keine Bedeutung beigemessen. Auch die beiden anderen Männer konnten der Polizei keinen Hinweis geben. Alle drei wurden wenige Tage nach der Tat vom Verdacht enthoben.[6]

Verfassungsschützer Andreas T.

Am 21. April 2006, gut zwei Wochen nach dem Mord in Kassel, geriet ein Mitarbeiter des Hessischen Verfassungsschutzes, Andreas T., ins Visier der Polizei. Der Mann aus Hofgeismar war kurz vor der Tat noch im Internetcafé von Mordopfer Halit Yozgat. Privat, wie er der Polizei damals sagte, er hatte sich aber nicht als Zeuge gemeldet. Er konnte erst nach einigen Tagen ermittelt werden, weil er sich auf einer Flirt-Website eingeloggt hatte. Später wurde er dann vom Dienst suspendiert und saß unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Er habe aus der Zeitung von dem Mord erfahren, sagte der damalige Außenstellen-Leiter Frank-Ulrich F. vor Gericht. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass er nur zufällig in der Nähe war, als die mutmaßlichen NSU-Terroristen Yozgat ermordeten.

2014 haben Nebenklage-Anwälte jedoch neue Zweifel an der Rolle eines ehemaligen des Verfassungsschützers. Die Anwälte von Yozgats Eltern stellten vor dem Münchner Oberlandesgericht mehrere Beweisanträge. Damit wollen sie nach eigener Aussage aufzeigen, das Andreas T. über exklusives Täter- oder Tatwissen verfügt haben. T. habe die Information, dass es sich bei dem Mord um das Werk von Serientätern handle, damals schon zu einem Zeitpunkt weitergegeben, als diese noch gar nicht über Medien öffentlich verbreitet war.

Opfer der Mordserie im Überblick

Der Begriff Döner-Morde in der Kritik

Kritik am Begriff "Döner-Morde" wurde von vielen Seiten geäußert. Auch der Türkisch-Islamische Kulturverein in Borken findet den Begriff falsch. Die Neonazi-Mordserie hatte auch bei den Türken im Schwalm-Eder-Kreis für Unsicherheit gesorgt.[8]

Tibor Pézsa, Leiter des Nachrichten-Ressorts der HNA, entschuldigte sich am 18. November 2011 für die Verwendung des Begriffes: "Hinterher ist man immer klüger, auch wenn man es schon vorher hätte sein können und müssen: Die bis vor kurzem gängige Bezeichnung 'Döner-Morde' für die Mordserie der Neonazis ist schon rein sprachlich unsinnig. Aber sie ist auch verwerflich: Es waren Menschen, die ermordet wurden, keine Döner. Unsere Redaktion will künftig auf diese Bezeichnung verzichten, außer im kritischen Sinne."

Im Jahr 2012 wurde der Begriff zum Unwort des Jahres 2011 gewählt.[9]

Auf Wikipedia - Mordserie Bosporus

Mordserie Bosporus

siehe auch

Weblinks und Quellen

  1. Wikipedia-Artikel zu Mordserie Bosporus
  2. Aus HNA.de vom 13. November 2011: "Dönermorde": Türken in Kassel haben Zweifel an Ermittlern
  3. Aus HNA.de vom 23. Februar 2012: Vater von Nazi-Opfer: Holländische Straße nach ermordetem Sohn benennen
  4. Aus HNA.de vom 3. April 2012: Neonazi-Opfer: Platz vor Hauptfriedhof wird nach Halit Yozgat benannt
  5. Aus HNA.de vom 1. Oktober 2012: Halitplatz eingeweiht - Minister Hahn entschuldigt sich
  6. Aus HNA.de vom 16. November 2011: "Döner-Morde": Verfassungsschützer war regelmäßig im Internetcafé
  7. Übersichtskarte auf Stern.de: Die Spur des rechten Terrors
  8. Aus HNA.de vom 17. November 2011: Sorge der Muslime wächst
  9. Aus spiegel.de: Sprachkritik: "Döner-Morde" ist Unwort des Jahres