Christian Daniel Rauch

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Der aus Arolsen stammende Bildhauer Christian Daniel Rauch

Christan Daniel Rauch stammt aus Arolsen und ist einer der bedeutensten Künstler des Klassizismus und der klassizistischen Bildhauerkunst.

Nach ihm wurde in Arolsen das Christian Daniel Rauch - Museum benannt.

Erhalten geblieben ist auch das Geburtshaus, ein Fachwerkhaus, in dem Christian Daniel Rauch als fünftes von sechs Kindern geboren wurde.

Leben und Werk werden in den nachfolgenden Portraits nachgezeichnet:

Leben und Werk

Den König zu Tränen gerührt

Über den Bildhauer Christian Daniel Rauch, den großen Sohn der Stadt Bad Arolsen

Er war einer der größten Bildhauer seiner Zeit, ein Hauptvertreter des Berliner Klassizismus. Und er ist der wohl berühmteste Sohn der Stadt Bad Arolsen: Christian Daniel Rauch (1777 - 1857).

Unter der Linden in Berlin steht sein bekanntestes Werk: das monumentale Reiterstandbild Friedrichs des Großen.

In seiner Geburtsstadt Bad Arolsen, die ihn bereits zu Lebzeiten - im Jahr 1844 - zum Ehrenbürger ernannte, ist immerhin ein Gipsabguss eines seiner weiteren Hauptwerke zu sehen: die Grabstatue der Königin Luise, die Rauch mit übereinander geschlagenen Beinen wie eine Schlafende darstellte. Es ist das bekannteste Werk des Rauch-Museums, das mit Dauer-Leihgaben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz im Jahr 2002 im ehemaligen fürstlichen Marstall eröffnet wurde.

Das Grabmonument brachte Rauch den künstlerischen Durchbruch. Als die preußische Königin Luise 1810 starb, trug sein Protegee Wilhelm von Humboldt dazu bei, dass Rauch den Auftrag für die Grabstatue erhielt. König Friedrich III. hatte präzise Vorstellungen: Liegend und lebensgroß sollte die Königin gezeigt werden. In ein Gewand eingehüllt, "das aber so leicht und feyn sein muß, daß die Formen des Körpers durchscheinen".

Bereits das Tonmodell geriet so realistisch, dass den König - als er das Modell sah -"im Nu die Thränen zwangen, davon zu gehen", wie Rauch in einem Brief berichtete.

Als Kammerdiener war Christian Daniel Rauch 1797 in die Dienste Friedrich Wilhelms II. getreten. Nach dessen Tod setzte er seine Tätigkeit am Hof Königin Luises fort. Nebenbei besuchte er künstlerische Vorlesungen.Werke Christian Daniel Rauchs waren 1800 erstmals in einer Akademieausstellung zu sehen. Johann Gottfried Schadow wurde dadurch auf ihn aufmerksam und nahm ihn in seine Werkstatt auf. Vier Jahre später wurde das Talent des jungen Künstlers mit einem Stipendium für einen sechsjährigen Rom-Aufenthalt gefördert.

Auf die Grabstatue der Königin Luise folgten weitere Aufträge, die Christian Daniel Rauch zu einem berühmten und anerkannten Künstler machten. Beispiele sind die Standbilder der Generäle Schamhorst und Bülow.

Das monumentale Reiterstandbild Friedrichs des Großen wurde 1851 in Berlin enthüllt. Der Grundstein war am l. Juni 1840, dem 100. Jahrestag der Thronbesteigung Friedrichs, gelegt worden.

1819 hatte sich Christian Daniel Rauch dauerhaft in Berlin niedergelassen. Er avancierte zu einem der meistbeschäftigten Bildhauer in ganz Europa. Er starb am 3. Dezember 1857 in Dresden.

In der Barockstadt lebt Christian Daniel Rauch weiter. Und das nicht erst seit Eröffnung des Museums. Rauchs Elternhaus erinnert an sein Leben und Wirken. Und nicht zuletzt wurde das Bad Arolser Gymnasium nach dem großen Sohn der Stadt "Christian-Rauch-Schule" benannt.

Quelle:

  • Artikel aus der HNA - Waldeckische Allgemeine, März 2004,
    aus der Serie: Die besten Waldecker

Vom Lakaien zur Heldengestalt

Zum 150. Todestag im Jahre 2007

Rauchs edle Heldengestalt wird allen denen unvergesslich bleiben, die ihn persönlich gekannt”, so erinnerte sich der Freund Gustav Parthey an den klassizistischen Bildhauer. Heute vor 230 Jahren, am 2. Januar 1777, ist Christian Daniel Rauch in Arolsen geboren worden. 2007 jährt sich auch sein Todestag - zum 150. Mal.

Grabmal der Königin Luise von Preußen, das der Arolser Bildhauer Christian Daniel Rauch erschaffen hat.

Parthey weiter: „Durch eigene Kraft und unermüdlichen Fleiß schwang er sich aus den dürftigsten Umständen, vom Lehrling eines armen Steinmetzen in Arolsen zum berühmtesten Bildhauer Deutschlands auf.” Rauch habe kein Geheimnis daraus gemacht, dass er in Berlin als Lakai am Wagen der Königin Luise gestanden und ihr beim Aussteigen vor der Werkstatt Johann Gottfried Schadows den Tritt herunter geklappt habe. Von den späteren Ehren an den Höfen von München oder Petersburg habe er bescheiden geschwiegen.

Tatsächlich war Rauch, der 1796 nach dem Tod seines in Sanssouci tätigen Bruders Friedrich ebenfalls in die Entourage des preußischen Königspaares aufgenommen wurde, später Schüler und Konkurrent Schadows. Und das Grabmal für die 1810 gestorbene Königin Luise sollte seinen Durchbruch als Bildhauer bedeuten. Immer wieder überzeugten sich Besucher „durch leises Berühren” des Sarkophags, „es sey wirklich von Stein”.

Die Grabstätte, die die Erscheinung der Königin im zeitlos schönen Material überhöht und verewigt, brachte Rauch bleibenden Ruhm wie eine Reihe Folgeaufträge: vor allem Denkmäler für den Berliner Hof, aber auch für die spätere Walhalla. So viele Büsten hatte Rauch zu tun, dass er Sehnsucht bekam, „statt der Nasen nun auch einmal Beine und Gelenke machen zu lernen”. Das schwierige, komplexe Reiterstandbild Friedrichs II. mit seinem szenenreichen Sockel, 1851 Unter den Linden enthüllt, zeigt Rauch jedoch als überragenden Repräsentanten der Skulptur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Als „ganz nobler Künstler” (Moritz von Schwind) wurden Rauch allerhöchste Ehren zuteil, ob in der Gründung einer Bildhauerschule, mit Akademiemitgliedschaften und Orden. Für den Menschen Rauch fällt das Urteil nicht ganz so leicht. „Er hat unendlich viel Scharfsinn, er hat auch Gemüt und Liebe in sich”, so charakterisierte ihn Caroline von Humboldt, „ich weiß nicht recht, woran es liegt, dass man doch nicht das Tiefste von ihm aufdecken kann”. Von einem „innersten Gefühl so großer Lebensentbehrungen” sprach Rauch selbst einmal für ein Defizit, dem die Kunst allein nicht abhelfen konnte.

Wilhelmine Schulze, die Frau, mit der er zwei Töchter hatte, hat Rauch nie geheiratet. Die ältere, bevorzugte Agnes wurde zu seiner engsten Vertrauten - was ihrer eigenen Ehe nicht gut tat. Aus der „Einsicht daß Thätigkeit nur Leben ist” schreibt Rauch einmal an die geliebte Tochter, er sehne sich nach Italien, um dort „neues Leben für den letzten arbeitsreichen Lebensrest” zu holen, denn Arbeit - „kein anderes Ziel ist mir beschieden”. Dieser Mangel an Leidenschaft und Temperament entspricht den Grundsätzen seiner Kunst: vernunftgeleitet, gefasst, nicht affektiv, geschweige denn revolutionär, sowohl dem aufklärerischen Erbe als auch den konservativen Auftraggebern verpflichtet.

„Dem Himmel laut gedankt”

Museumsgebäude in Bad Arolsen
Skulpturen von Christian Daniel Rauch in der Arolser Stadtkirche

Rauch und Arolsen: Lehre beim Hofbildhauer, Schenkungen und Ehrenbürgerschaft

Christian Daniel Rauch hat seine Berufung zum Künstler selbst nach Art eines Erweckungsmythos ins Arolser Schloss verlegt. Danach durfte er als Junge mithelfen, als im Treppenhaus eine Goethe-Büste aufgestellt wurde, die der kunstsinnige Prinz Christian - er trug von 1776 bis zu seinem Tod 1798 eine umfangreiche Antikensammlung zusammen -, in Rom bestellt hatte. „Dieses Werk entflammte ihn”, schreibt der Staatsrat Schultz 1819 an Goethe, „und als den Gipfel seines Glückes hoffte er, dereinst würdig zu sein, Ihr Bildnis selbst darzustellen”.

Rauch sollte tatsächlich, und zwar 1820 im Wettstreit mit dem Bildhauerkollegen Tieck, die als am authentischsten geltende Büste Goethes schaffen und mit dem Dichter eine fast freundschaftliche Beziehung pflegen.

Solchen Ruhm hätte sich in der kleinen Residenz der Fürsten von Waldeck und Pyrmont wohl niemand für den Säugling ausmalen können, der Anfang 1777 in einem Lakaienhaus mitten in den fürstlichen Hopfengärten zur Welt kam. Viel Zeit verbrachte Christian Daniel beim Hofglaser und mit den Söhnen anderer Bediensteter, so lernte er die höfische Etikette gut kennen. Beim Hofbildhauer Johann Friedrich Valentin, der, durch ein fürstliches Stipendium gefördert, immerhin England bereist hatte, ging Rauch in die Lehre. Dann wurde er an der Kunstakademie in Kassel und in der Werkstatt Johann Christian Ruhls ausgebildet, bis er 1796 nach dem plötzlichen Tod des Bruders die Versorgung der Familie übernehmen musste.

Auch als berühmter Bildhauer hielt Rauch Kontakt zur Geburtsstadt. Der Stadtkirche schenkte er die Figuren Glaube, Liebe und Hoffnung. 1844 wurde er Ehrenbürger. Rauch schrieb danach tief bewegt an einen Jugendfreund: „Es scheint mir alles erschöpft, was die Liebe nur gewähren konnte: ich habe an diesem Abend dem Himmel laut gedankt.” Die Gipsabgüsse der vier Kardinaltugenden vom Friedrich-Denkmal wies das Arolser Kirchenregiment jedoch ab - wegen der freizügigen Gewandung und des „unpassenden” Themas. Rauch schenkte sie 1856 dem Fürstenhaus.

Das Geburtshaus ist von April bis Oktober, Mi, Sa, So 14.30 bis 17 Uhr, zu besichtigen.

Quelle:

  • Artikel von Mark-Christian von Busse
    in der HNA - Waldeckische Allgemeine vom 2. Januar 2007


Lebensdaten

2. Januar 1777 Geburt als Sohn eines Kammerdieners am waldeckischen Hof.

1782-1786 Schulzeit, dann Unterricht bei Hofangestellten.

1790-1794 Lehre beim Hofbildhauer Valentin.

1795 Ausbildung in Kassel.

1797 Kammerdiener am preußischen Hof, Reisen nach Schlesien, Polen, Ostpreußen; Abendstudium.

1803 Gehilfe von Schadow, der in der Akademie auf Rauch aufmerksam wird. 1804 Entlassung aus dem Dienst, Geburt der Tochter Agnes.

1805-1811 Aufenthalt als königlicher Stipendiat in Italien, Aufnahme im Kreis um Wilhelm von Humboldt. Modell zum Luisensarkophag (1815 vollendet).

1812 Geburt der Tochter Doris;

bis 1815 in Italien, danach Wohnung im königlichen Schloss in Berlin, Beginn der Karriere, Bülow- und Scharnhorst-Denkmäler.

1816-18 dritte (1830 vierte, 1855 letzte) Italienreise.

1819 Bezug von Atelier und Wohnung im Lagerhaus Klosterstraße, Professur, reger Werkstattbetrieb, große Aufträge; Reisen bis Petersburg, Kopenhagen, Belgien, England, Schweiz. Mehrere Kuren.

1839 Auftrag zum Friedrich-Denkmal (1851 enthüllt),

1857 Blasenleiden, Behandlung in Dresden, Tod am 3. Dezember, Beisetzung in Berlin.

siehe auch

Weblinks