Chinesisches Dorf

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Pagode
Im Kasseler Stadtteil Bad Wilhelmshöhe im vorderen Bereich des Schlossparks befindet sich das chinesische Dorf Mou-lang.

Lage

Am südlichen Rande des Bergparks Kassel-Wilhelmshöhe, am Übergang zur heutigen Kasseler Villenkolonie Mulang, befindet sich auf dem Hang oberhalb des Schlossteiches ein Kleinod: das gut erhaltene Chinesische Dorf Mulang, das bis heute kaum Gebäude eingebüßt hat.

Geschichte

Pagode im chinesischen Dorf Mulang

Erbaut wurde es von 1782 bis 1785 unter Landgraf Friedrich II. von Simon Louis du Ry, erneuert und weiterentwickelt unter Wilhelm IX..

Friedrich hatte zum Ende seiner Regentschaft den Bergpark durch das Parkdorf um eine exotische Inszenierung ergänzt - vom Schloss aus sollte das idyllische Landleben bestaunt werden. Obwohl es auch eine Mühle, einen Schafsstall, ein Küchen-, ein Hirten- und ein Milchhäuschen gab, wurde echte Landwirtschaft dort nie betrieben. Es wurden zwar wenige Tiere gehalten, die Gebäude waren aber mehr Spielerei.

Mit den chinesisch anmutenden Gebäuden wollte der Adelige seine Weltoffenheit zeigen. Deshalb ließ er unter anderem eine Pagode bauen. Im Innern schmückte er sie mit chinesischen Elementen. Dazu gehörte eine Buddha-Figur. 1933 wurden die letzten Arbeiten an der Figur dokumentiert. Irgendwann danach verlor die Figur den Kopf. Am 1. Juni 2015 kehrte der gereinigte und sanierte Körper in die chinesische Pagode im Bergpark zurück. Der Verein Bürger für das Welterbe ermöglichte dies mit einer Spende. Zur Pagode gehören die sogenannten Wächterfiguren in den seitlichen Nischen sowie eine Scheinbibliothek aus Holz.

Das Dorf Mulang empfing die von Süden, aus Hanau und Frankfurt, über die Fürstenallee (heute Heinrich-Schütz-Allee) kommenden Besucher des Fürsten.

Namensgebung

Zur Herkunft des Namens „Mulang“ (ursprünglich „Mou-lang“) gibt es mehrere Theorien:

  • Es könnte sich um eine Umformung des französischen Wortes für Mühle (Moulin) handeln - eine solche war ebenfalls Bestandteil des Dorfes.
  • Die zweite Erklärung geht zurück auf den Kaiser von China, der seinerzeit in einem Gebiet Jagden abhielt, das „Mulan“ hieß. Auch in Europa wurden diese Zeremonialjagden des Kaiser bekannt. Für diese Theorie spricht, dass durch den Kasseler Mulang ein Fluss führte, der „Kiang“ hieß, ein chinesisches Wort für Fluss. Dies lässt darauf schließen, dass auch bei der Namenswahl für das Dorf ein direkter Bezug zur chinesischen Kultur gewählt wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert war Europa von der China-Begeisterung ergriffen.

siehe auch

Weblinks und Quellen