Chatten

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Als Chattengau wird gemeinhin die Region zwischen Kassel, dem Fluss Eder und Fritzlar bezeichnet. Der germanische Volksstamm der Chatten war hier in der großen Völkerwanderung sesshaft geblieben. Die Bezeichnung Hessen in späterer Zeit ist eine Abwandlung des Stammesnamens der Chatten.

Chatten

Die Chạtten sind ein germanischer Volksstamm, der seit dem 1. Jahrhundert in Nordhessen im Bereich von Eder, Fulda und Lahn ansässig war. Ab dem 5. Jahrhundert stand das Gebiet unter fränkischer Herrschaft.

Neuere Erkenntnisse und Deutungen lassen keinen Zweifel daran, dass die Chatten zu den "Gründungsmitgliedern" der Franken gehörten, also keineswegs erobert werden mussten. Eine "Eroberung" des Chattengebietes wird deshalb in der ansonsten umfangreichen fränkischen Geschichtsschreibung folgerichtig auch gar nicht erwähnt.

Um 455 taucht der Name der Chatten noch auf, danach als Stammesname ausschließlich der Name „Franci“. Erst um 719 wird dann auch der Name „Hassen“ bzw. „Hessen“ als Bezeichnung der im alten Chattengau lebenden Menschen genutzt.

Die Chatten glaubten in ihrer Naturverbundenheit an Götter, die sie an geheimnisvollen Stätten in der Natur verehrten. Und sie glaubten an das Walten guter und böser Geister. Elfen und Kobolde in Wald und Feld, Hollen und Wichtel in heiligen Hainen sowie Nixen im Wasser, wirkten nach ihrer Vorstellung im Naturgeschehen und sie wirkten auch auf das menschliche Leben ein. Im Rauschen des Windes, im Flug der Vögel, besonders der Raben, vermeinten sie, den Willen der Götter zu ergründen.

Erste christliche Gemeinschaften wurden für das 3./ 4. Jahrhundert am Limes, also an der Nordgrenze des Römischen Weltreiches, bei Bad Homburg v. d. Höhe an der Saalburg nachgewiesen. Zwischen 600 und 700 sind es dann Mönche aus Irland und Schottland, die sich persönlich berufen fühlen, die christliche Heilsbotschaft auf dem Kontinent weiterzugeben. Nach ihren Missionserfolgen bauen sie vereinzelt Kirchen, so z. B. auf der fränkischen Grenzfeste Büraberg bei Fritzlar.

Missionierung

Eine planmäßige und gut organisierte Missionstätigkeit beginnt aber erst mit dem Apostel der Deutschen, mit Bonifatius (zu deutsch „Bekenner des Guten“), der von 672 bis 754 lebte. Aus England kommend, reiste er noch unter seinem früheren Namen Winfried 722 nach Rom, wird vom Papst zum Bischof berufen, mit der Missionierung vor allem der Chatten betraut und schließlich mit einem Schutzbrief des Frankenherrschers Karl Martell ausgestattet. Im Jahre 723 wirkt Bonifatius im Bereich der Kirche am Büraberg.

Der Naturglaube der Chatten ist längst nicht mehr unerschüttert. Bonifatius kann es wagen, die Donareiche an heiliger Stätte zu fällen und die Chatten zum Empfang der Taufe zu bewegen. Laut päpstlicher Weisung erfolgt mit dem Bau der Peterskirche 723 und eines Klosters 724 die Gründung eines wichtigen missionarischen Stützpunktes in Fritzlar. Dieser Stützpunkt gewinnt später an Bedeutung, als das zwischenzeitlich errichtete Bistum Büraberg aufgelöst und an seine Stelle das Archidiakonat Fritzlar mit einem Probst als Vertreter des Bischofs von Mainz eingerichtet wird.

Literatur

  • Dr. Udo Schlitzberger, Plädoyer für eine nachhaltige Chatten-Offensive, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2008, S. 58 ff.

siehe auch