Chasalla

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Die Geschichtsforschung geht davon aus, dass Kassel zunächst ein Königshof an der Fulda war, aus dem heraus dann später die Stadt entstand. Seine genaue Lage und seine Größe sind bis heute nicht bekannt.

König Konrad I. hielt sich am 18. Februar 913 in dem befestigten Königshof "Chassella" an der Fulda auf und unterzeichnet zwei Urkunden, die als die ältesten bekannten schriftlichen Dokumente zur Geschichte der Stadt Kassel gelten.

Aus den Urkunden geht der Ort ihrer Ausstellung, Chassalla (auch: Chassella), hervor. Beide Schriftstücke, die Kassel zwar nicht unmittelbar betreffen, aber auf Kassel als Ort ihrer Ausstellung hinweisen, sind damit die ersten, die die Existenz der späteren Stadt belegen.

Inhaltsverzeichnis

Glanz und Gloria Chasalla zu Ehren

In Kassel gab es 1913 ein alles überstrahlendes Ereignis: Die Stadt feierte im September ihr 1000jähriges Bestehen. Kassel war ein einziger, herausgeputzter Festplatz.

Das Plakat zur 1000-Jahr-Feier von Ferdinand Gild

In Kassel herrscht 1913 ein Fieber: das Chasalla-Fieber. Was die Schlagerdiva Zarah Leander in den 30er Jahren so kess besingt: "Ich nenne alles Waldemar, das Auto und den Hund sogar", geschieht in Kassel bereits 20 Jahre zuvor. Nur daß die Verehrung Chasalla gilt. Seit der Antike ist es üblich, daß Städte eine weibliche Verkörperung entsprechend ihres lateinischen Namens haben. In Kassel ist das Chasalla.

Stolz darauf, eine 1000jährige Geschichte zu besitzen, benennen die Kasseler voller Lokalpatriotismus - und nebenbei auch ganz werbewirksam - alles nur Erdenkliche nach der Allegorie ihrer Stadt: Das "beste Andenken an Cassel" wirbt da ein Schuhgeschäft, sei "Chasalla, der einzige fertige Stiefel nach Maß". Es gibt Pasten und Pastillen, Gasthäuser und Gerichte, die den Namen "Chasalla" tragen. Der Chasalla-Kult gipfelt zur Tausendjahrfeier, als der Kasseler Volksdichter Valentin Traudt aus gegebenem Anlaß zu der Melodie von Johann Lewalter ein "Chasalla-Weihelied" reimt: "Hier winkt mein Vaterhaus, wo ich sprang ein und aus. Ein blonder Hessenkopf, Chasalla-Kind".

Am Festwochenende im September wurde an dem für die Feier errichteten Chasalla-Standbild auf dem Friedrichsplatz ein "Huldigungsfest" mit "Chasalla-Lichtspielen" gefeiert. Selbstverständlich ziert Chasalla auch eine Seite der massiven Jubiläumsmedaille. Dieses "Meisterwerk neuzeitlicher deutscher Prägekunst" mit Schleifen in den Farben der Stadt an der Brust zu tragen, war allen Männern und Knaben empfohlen. "Unsere Frauen und Töchter soll die Medaille als Halsschmuck an Kettchen zieren", richten sich die Stadtväter an die weibliche Bevölkerung

Ein dreiviertel Jahr lang putzt sich die Stadt für die 1000-Jahr-Feier heraus. Nahezu alle bildenden Künstler der Stadt sind an der Ausgestaltung des historischen Festzugs, dem Höhepunkt der Jubelfestlichkeiten am letzten September-Wochenende beteiligt.

Am Vortag der Festlichkeiten ziehen Fotografen durch die Stadt, die herausgeputzt und mit Girlanden geschmückt ist wie die Gute Stube am Weihnachtsmorgen, und lichten Kassel in ganzer Pracht ab.

Alles ist bis ins Detail vorbereitet. Und sogar das Wetter spielt am Samstag, den 27. September, mit. Der Berichterstatter der Casseler Neuesten Nachrichten überschlägt sich fast, um seiner feierlichen Stimmung den treffenden Ausdruck zu verleihen: "Lichter Herbstsonnenglanz strahlt über der September-Erde; vom wolkenlos-stahlblauen Himmel grüßt die Unendlichkeit nieder auf die tausendjährige Stadt. Ein einziger Tempel weihevoll-glücklicher Freude, ein weiter Dom feierlicher Gegenwarts-Andacht vor der Ehrwürdigkeit tausendjähriger Vergangenheit: Das ist heut’ Cassel, die Stadt deren Schicksal zehn Jahrhunderte in Freud und Leid an sich vorüberrauschen sah."

Zum Festzug am Sonntag ist die Ehrentribüne mit Tannenzweigen und blauweißen Fähnchen geschmückt. Die Fußgruppen und Wagen ziehen hier unter den Blicken erlauchter Augen vorbei: Prinz August Wilhelm von Preußen als Vertreter des Kaisers, Prinz Friedrich Karl von Hessen als Nachkomme der einstigen Landesherren sowie das Waldeckische Fürstenpaar geben Kassel an diesem Tag die Ehre. Menschentrauben - geschätzt sind 150000 Zuschauer - säumen die Straßen der Altstadt. Viele hatten sich schon in den frühen Morgenstunden, ausgerüstet mit Verpflegung, einen guten Standort gesichert, damit sie zum Start um 11 Uhr auch eine gute Sicht haben.

Der thematische Bogen, den die 20 historischen Gruppen schlagen, beginnt bei König Konrad I. und endet bei den siegreichen Regimentern des Deutsch-Französischen Kriegs von 1871.

Eine stadtbekannte Persönlichkeit, Akademieprofessor Knackfuß, einer der maßgeblichen Köpfe bei den Fest-Vorbereitungen, ist von dem Ergebnis der monatelangen Vorbereitungen angetan. Bewegt kommentiert er die Gruppe des Festzugs, die den deutschen König Konrad I. als Herrn des Gutshofes Cassel im Jahr 913 zum Thema hat: "Vor 1000 Jahren haben auf dem Gutshof Chasalla Leute gesessen, die das Land bestellten und Wald- und Weidewirtschaft trieben für ihren Gutsherren, den deutschen König Konrad, einen Sohn hessischer Erde." In einem an Pathos kaum noch zu übertreffenden Ton schreibt er in den "Casseler Neuesten Nachrichten" am 28. September, dem "Jubelfest hessischer Treue, hessischer Heimatliebe und hessischer Volkskraft" eine Hymne: "Der Hauch der Vergangenheit umfächelt die Flaggen- und Girlandenzier."

Allein die neue Stadthalle ist noch nicht ganz fertiggestellt. Beim Jubiläums-Festspiel mit dem Titel "1385" war noch "alles roter Backstein und nur wenig verdeckte die Dekoration das Halbfertige", so schreibt ein Redakteur der Casseler Neuesten Nachrichten. Sein Kollege von der Casseler Allgemeinen Zeitung reiht sich in die Begeisterung ein: "Chasalla kann jetzt wirklich stolze Feste feiern: Sie hat die lang ersehnte Stadthalle, die - wenn auch noch nicht vollendet - für solche Zwecke die Probe bestanden hat."

Der Glanz der Feier fällt auch auf Oberbürgermeister Dr. Ernst Scholz. Der Wiesbadener war in Düsseldorf Beigeordneter, ehe er im Juli 1912 Kassels Stadtoberhaupt wurde. Er gibt nur eine kurze Gastrolle. Zwei Monate nach dem Fest verläßt er die Fulda-Stadt in Richtung Charlottenburg. In die Kassel-Annalen ist er für immer eingegangen: als Stadtoberhaupt der 1000jährigen Stadt.

Unbelastetes Fest

"Und wenn die Tage der Feier verrauscht sind", heißt es im Festprogramm, dann werde die Jubiläumsmedaille "seinem Besitzer, dessen Kindern und Kindeskindern eine eherne unvergängliche Erinnerung bleiben an den Stolz und die Freude, mit denen wir die 1000. Wiederkehr unserer geliebten Vaterstadt gefeiert haben."

Noch heute leben in Kassel Menschen, die das Ereignis mit seinem euphorisch stimmenden Festzug vor Augen haben. Sie waren damals kleine Kinder. Die Erinnerung an die Tausendjahrfeier behalten sie in ihren Herzen wie die an eine versunkene Welt. Ein Jahr später brach der erste von zwei zerstörerischen Kriegen aus. 1913 haben die Kasseler zum letzten mal unbelastet einem Massenaufzug durch die Straßen der Stadt zugejubelt.

Feiern wie die Ahnen

Das Fest zum 1000-jährigen Bestehen setzte Maßstäbe - Vorbild für 2013

In einigen Kasseler Familien, die schon sehr lange hier verwurzelt sind, wird die Erinnerung bis heute weitergetragen. Von dem Uropa, der als kleiner Junge staunend und begeistert den Festzug verfolgt hat. Mitten drin zwischen 150 000 Zuschauern, die damals die Straßen säumten.

Im Jahre 1913 war das. Damals schrieb sich Kassel noch mit C und die Begeisterung bei Kaiserwetter kannte kaum noch Grenzen. „Vom wolkenlos-stahlblauen Himmel grüßt die Unendlichkeit nieder auf die tausendjährige Stadt“, schrieb ein Kommentator.

Mittlerweile bereitet sich Kassel auf die 1100-Jahr-Feier 2013 vor und die Ideen sprudeln bereits. Ein Drehbuchpreis für einen Kassel-Film in Höhe von 5000 Euro wurde am Wochenende ausgelobt. Die Bürger sollen sich ähnlich wie bei der Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt wieder mit vielen guten Ideen beteiligen. Da lohnt vielleicht ein Blick in die Vergangenheit, um sich noch einige Anregungen zu holen.

Damals gab es einen großen kulturhistorischen Festzug, bei dessen Gestaltung Kasseler Maler und Bildhauer beteiligt waren. Sie unterstützten die Vereine, Verbände und Berufsgruppen, die verschiedene Stationen aus der Geschichte der Stadt präsentierten. Jede Straße, durch die der Festzug führte, war mit Blumen, Girlanden und Fahnen geschmückt - Kassel zeigte sich fast auf den Tag genau vor 93 Jahren von seiner schönsten Seite. Und alle machten mit. Ob im Festzug oder als Zuschauer - nahezu die ganze Stadt war auf den Beinen.

Am Freitag, 26. September, begannen die Feierlichkeiten mit dem preisgekrönten Festspiel „1385“ in der Stadthalle, die erst ein Jahr später offiziell eingeweiht wurde. Am Samstag stiegen die Choralbläser auf die Türme des Rathauses, der Martinskirche und der Adventskirche. Um 11 Uhr fand der Festakt im Rathaus statt. Vor der Orangerie traten Schüler mit Musik- und Spielvorführungen auf, es gab Promenadenkonzerte an mehreren Innenstadtplätzen, einen Radfahrerreigen auf dem Friedrichsplatz, im Königlichen Hoftheater wurde das Schauspiel Chasalla von Emil Jacobi aufgeführt.

Am Sonntagmorgen ging es erneut mit den Turmbläsern weiter, die Turner trafen sich zu Wettkämpfen, in der Aue und allen Kirchen der Stadt fanden Festgottesdienste statt.

Und dann begann er endlich, der große Festzug. Der startete in der Kaiserstraße, die heute Goethestraße heißt, und führte durch die Innenstadt. Vorbei an 150000 Menschen.

kassel 1100

kassel 1100

Ihr 1100-jähriges Jubiläum feierte die Stadt Kassel im Jahr 2013 mit dem "Stadtjubiläum Kassel 1100" als Fest der Bürger für die Bürger.

Höhepunkt war der wohl größte Festzug in der Geschichte der Stadt mit annähernd 6000 Teilnehmern am Sonntag, dem 15.9.2013.

Die Partizipation der Kasseler Bürgerschaft war das wichtigste Merkmal dieses Jubiläums. Im Vordergrund stand, das Miteinander und den gegenseitigen Austausch in der Stadtgesellschaft zu stärken. Zudem sollten die Bürgerinnen und Bürger Stolz für ihre Stadt entwickeln und sie als lebendige, bunte, weltoffene und liebenswürdige Metropole wahrnehmen.

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