Carlsdorf

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Carlsdorf
Carlsdorf-Hugenottenkirche.jpg
Die Hugenottenkirche in Carlsdorf

Carlsdorf ist ein Stadtteil von Hofgeismar.

Der Ort liegt im Landkreis Kassel in Nordhessen und hat etwa 500 Einwohner.

Im Jahr 2011 feierte der Ort sein 325-jähriges Bestehen.

Geografie

Das Dorf liegt im Lempetal am westlichen Rand des Reinhardswaldes.

Im Südwesten von Carlsdorf liegt der 217 m hohe Offenberg.

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Das kreuzförmig angelegte Dorf entstand im Bereich einer Wüstung. Dieses ursprüngliche Dorf wird mit den Namen Gotresdeshusun oder Gothardessen (später auch Gauze) schon im Jahre 965 erwähnt und wurde bereits vor dem Jahr 1430 von seinen Bewohnern aufgegeben.

Neues Leben zog 250 Jahre später ein: Landgraf Carl von Hessen siedelte zwölf Familien an, die insgesamt 120 Hektar Land erhielten. Die Siedler waren hugenottische Flüchtlinge.

Das heutige Dorf geht damit auf die erste Ackerkolonie in Hessen für Glaubensflüchtlinge aus Frankreich im Jahre 1686 zurück.

Ein Großteil der Erstsiedler stammte aus der Hugenottengemeinde Abriès im Queyrastal. Landgraf Carl von Hessen siedelte im 17. Jahrhundert auch in der Umgebung der Stadt Hofgeismar zahlreiche Hugenottenfamilien an, die nach dem Edikt von Fontainebleau und der Aufhebung der Religionsfreiheit in Frankreich im Jahre 1685 ihre Heimat verloren hatten.

Carlsdorf wurde nach Landgraf Carl, das benachbarte Mariendorf nach dessen Gattin Maria Amelia benannt.

Carlsdorf - Eingang zur Kirche

In Carlsdorf - im Lempetal zwischen dem Dorf Hombressen im Reinhardswald und Hofgeismar gelegen - entstanden zunächst 12 strohgedeckte Häuser.

Während das untere Stockwerk aus Steinen bestand, wurde für das obere Stockwerk eine Fachwerkkonstruktion gewählt. Links im Haus lagen die Wohnräume und rechts die Viehställe.

Insgesamt 500 hessische Acker (119,35 ha) standen in Carlsdorf für die Neuansiedler zur Verfügung, die auf ihren kleinen "Portionen" allerdings wirtschaftlich nur schwer Tritt fassen konnten. Neben dem vorhandenen "Staatsland" erhielten die neuen Siedler Flächen zum Roden, so Teile des Waldes am Strauchberg und an der Lichten Heide.

Mit der Bitte zum Kirchbau trat die Carlsdorfer Gemeinde mit ihrem Dorfgreben Blaise Martin im Jahre 1699 an Landgraf Carl heran.

An ihn erinnert eine Inschrift am reichverzierten Eingangsportal der Kirche. Den Querbalken ziert eine Inschrift in französischer Sprache aus dem Jahre 1702 mit einem Dank an den Landgrafen für die Unterstützung der französischen Glaubensflüchtlinge.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Erneut siedelten sich lange Jahre später - nach dem Zweiten Weltkrieg - Heimatvertriebene in der damals noch selbständigen Landgemeinde an. In die Amtszeit des damaligen Landrats Karl Höhner fiel die Aufnahme von etwa 25.000 Flüchtlingen in das Gebiet des ehemaligen Kreises Hofgeismar, von denen viele hier eine neue Heimat fanden.

Im Zuge der hessischen Gebietsreform verlor Carlsdorf am 31.12.1970 seine Selbständigkeit und wurde ein Stadtteil von Hofgeismar. In den Folgejahren wurde unter anderem der Bau des Bürgerhauses und der Ausbau des Sportplatzes am Strauchberg in die Tat umgesetzt.

Jubiläen

Im Jahre 1986 feierten die Bewohnerinnen und Bewohner von Carlsdorf das 300-jährige Bestehen des Orts. Das nächste Jubliäum stand im Jahr 2011 an: die Carlsdorfer feierten den 325. Geburtstag unter anderem mit Theaterstücken.

Doch das Gedenken an die Anfänge des Orts beschränkt sich bei weitem nicht nur auf solche Jubiläen. Auch Veranstltungen wie der Carlsdorfer Erlebnistag am 16.6.2013 erinnerN an die Anfänge des Hugenottendorfs[1].

Hugenottische Siedlerstellen in Carlsdorf

Fachwerkhäuser in Carlsdorf

Mehr als 30 Tafeln informieren an Gebäuden in Carlsdorf über die Geschichte des Orts und die wechselnden Besitzer der Carlsdorfer Landstellen von der Gründung 1686 bis 1700. Die Siedlungsplätze wurden von Landgraf Carl an hugenottische Glaubensflüchtlinge vergeben. Anfang Juni 2011 fand die Einweihung des Steckbrief-Pfades statt und knapp 30 Besucher aus dem Queyras, der französischen Region Hautes Alpes, nahmen nach einem HNA-Artikel an dem Rundgang teil, die für fünf Tage in dem ältesten Hugenottendorf Hessens zu Gast waren.

siehe dazu:

Literatur

  • Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 74 ff.
  • Jochen Desel, Die 300-Jahrfeiern in Carlsdorf und Mariendorf 1986 und 1987, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1988, S. 77 ff.
  • Jochen Desel, Hugenottenkirchen in Hessen-Kassel, Bad Karlshafen 1992, S. 42 ff.
  • Christian Wachter, Die Carlsdorfer Kirche als protestantischer Kirchenbau, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2005, S. 17 ff.
  • Walter Hofmeyer, „Carlsdorf. Die älteste Hugenottensiedlung in Hessen. - Ortsfamilienbuch von Carlsdorf - Eigenverlag (u.a. Einwohner–Familien und Einzelpersonen von 1686 bis in das 20. Jahrhundert)

Persönlichkeiten

Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten am Ort

Blick zur Kirche

Sehenswert ist die Carlsdorfer Hugenottenkirche (Gauzetor/ Kirchweg), die in den Jahren 1699 - 1704 als Fachwerkständerbau errichtet wurde.

Die Planung der Kirche und des Ortes selbst wird Paul du Ry zugeschrieben, der zumindest im Jahr 1686 nachweislich in Carlsdorf war. Als hugenottischer Glaubensflüchtling wurde er von Landgraf Carl nach Kassel, der Residenzstadt der Landgrafschaft Hessen-Kassel als Hofbaumeister berufen.

Bereits im Jahre 2004 feierte die evangelische Gemeinde in Carlsdorf das 300-jährige Bestehen ihrer Kirche. 300 Jahre zuvor ermahnte der Waldenser-Pfarrer David Clément seine damalige Gemeinde in der Predigt mit den Worten: Kommet hierher voll Eifers, und zwar nicht, um nach Neuen zu suchen, sondern die Wahrheit zu finden.

Mit der Bitte zum Kirchbau war die Carlsdorfer Gemeinde mit ihrem Dorfgreben Blaise Martin im Jahre 1699 an den Landgrafen herangetreten, nachdem den Hugenotten zunächst in Hofgeismar ein Betsaal am Steinweg zur Verfügung stand.

Am reichverzierten Eingangsportal der Kirche sind rechts und links unten je ein Delphin (das Wappentier aus der Heimat der Erstsiedler) zu erkennen, oben links finden sich in einem Kranz die Buchstaben CLZH (d. h. Carl Landgraf zu Hessen) und auf der gegenüberliegenden rechten Seite offenbar der hessische Löwe.

Ortsansicht

Den Querbalken ziert eine längere Inschrift in französischer Sprache aus dem Jahre 1702 (dem Datum des Richtfestes), mit einem Dank an den Landgrafen für die Unterstützung der französischen Glaubensflüchtlinge.

Auf dem Dach der Kirche wurde ein Dachreiter mit einer Wetterfahne platziert.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts - seit 1789 - wurde vorübergehend auch die Kirchengemeinde in Mariendorf pfarr­amt­lich von Carlsdorf aus betreut.

Im Innern der Carlsdorfer Kirche - einem Quersaal - befindet sich hinter dem schlicht gehaltenen hölzernen Abendmahltisch die Kanzel. Nach der Tradition der ersten Siedler gibt es keinen Altar, im Vordergrund stand für sie die Verkündung des Wortes.

Der heutige Abendmahltisch in der Carlsdorfer Kirche ist eine Nachbildung des Abendmahltischs aus der Kirche in Gottstreu. Damit möglichst für jeden Dorfbewohner ein Platz vorhanden war, wurde die Kirche mit einer Empore ausgestattet.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekam die Kirche eine Orgel, die bunten Fenster der Kirche kamen erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts hinzu.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

siehe auch

Blick vom Offenberg über die Carlsdorfer Gemarkung

Tradition

  • Schützenfest in der ersten Junihälfte
  • Kirmes am 1. Wochenende im November

Vereine und Verbände

Wandern

Hugenotten- und Waldenserpfad

Die Route des ca. 1800 Kilometer langen Kulturwanderwegs führt von Südfrankreich über Italien und die Schweiz nach Südwestdeutschland und weiter bis nach Bad Karlshafen in Nordhessen. Verbindendes Element ist die Geschichte der Hugenotten und Waldenser, die als französische Protestanten Ende des 17. Jahrhunderts ihr Heimatland Frankreich aus Glaubensgründen verlassen mussten.

In Nordhessen verläuft der Pfad durch den Burgwald, den Kellerwald und das nordhessische Bergland.

Er verläuft im Bereich der Eder über Wiesenfeld und Louisendorf, weiter über Leckringhausen nach Hofgeismar (mit den Dörfern Carlsdorf, Friedrichsdorf, Kelze und Schöneberg) und über Gottstreu und Gewissenruh nach Bad Karlshafen.

Märchenlandweg

Etappe 25 des Märchenlandwegs verläuft von Hofgeismar über Schöneberg, Carlsdorf und Hombressen zur Sababurg im Reinhardswald.

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA-online vom 16.6.2013: Carlsdorfer Erlebnistag erinnerte an die Anfänge des Hugenottendorfes

Weblinks