Carlsbahn

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Streckenverlauf der Carlsbahn

Als Carlsbahn wurde die am 30. März 1848 eröffnete Eisenbahnstrecke zwischen dem heutigen Hofgeismarer Stadtteil Hümme und Bad Karlshafen bezeichnet.

Zusammen mit der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn (bis Hümme) verband die Bahnstrecke die Stadt Kassel mit der Stadt Karlshafen an der Weser.

Am 27. September 1966 wurde die Bahnstrecke für den Personenverkehr stillgelegt. Für einige Zeit fand dann noch Güterverkehr auf einem Teil der Strecke statt, bevor diese vollständig abgebaut wurde.

Geschichte

Eröffnung der Strecke im Jahre 1848

Nachdem sich der von Landgraf Karl von Hessen-Kassel geplante Bau einer Wasserstraße von Kassel nach Karlshafen (Landgraf-Carl-Kanal) nicht realisieren ließ, wurde gut ein Jahrhundert später eine Güterverbindung von Kassel nach Karlshafen auf dem Lande geschaffen.

Die im Jahre 1848 eröffnete Friedrich-Wilhelms-Nordbahn führte von Kassel bis zum Hofgeismarer Stadtteil Hümme.

Von dort verlief eine weitere Teilstrecke, die Carlsbahn bis nach Karlshafen, wobei der Streckenverlauf der Carlsbahn fast genau dem Verlauf des Landgraf-Carl-Kanals folgte.

Etwa 40 Minuten dauerte die Fahrt der "Dampfwagenzüge" nach einem alten Fahrplan vom 9. November 1850. Auf einer Gedenktafel im Deiseler Tunnel wird als Erbauer der Carlsbahn der "Casseler Bauunternehmer" Conrad Siebrecht genannt, wobei die Bauarbeiten von Februar 1846 bis Juni 1847 dauerten.

Erste Lokomotiven

Die ersten Lokomotiven auf der Strecke ("Hirsch" und "Sababurg") wurden von einer amerikanischen Firma (Firma Norris in Philadelphia) bezogen, bevor die erste einheimische Lokomotive ("Drache" zum Preis von 15.686 Talern) der Kasseler Maschinenbaufirma Henschel im Jahre 1848 auf der "Nordbahn" ihren Dienst aufnahm.

Streckenverlauf

Bahnhof "Carlshafen linkes Ufer" 1877, Endpunkt der Carlsbahn

Nach dem Abzweig von der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn in Hümme führte die ehemalige Eisenbahnstrecke der Carlsbahn in nordöstlicher Richtung nach Stammen und weiter zum Bahnhof Trendelburg (1912 erbaut).

Hinter Trendelburg wurde der 264 m lange Tunnel durch den Kesselberg ("Deiseler-Tunnel") erreicht, wenig später die dreibogige Sandsteinbrücke über die Holzape.

Dem Haltepunkt Wülmersen folgte der Bahnhof in Helmarshausen und schließlich der Bahnhof in Karlshafen am linken Ufer (zur Unterscheidung vom Bahnhof am rechten Weserufer), der Anfang der 1970er Jahre abgerissen wurde.

Noch im Jahre 1966 waren die Carlsbahn-Züge aus Güter- und Personenwagen gemischt. Gezogen wurden sie von einer maximal 60 km/h schnellen ehemaligen Wehrmachts-Diesellok. Die Lok V36150 diente 2008 sogar als Vorbild für eine Modellbahnlok.

Stilllegung

Am 27. September 1966 wurde die Eisenbahnstrecke für den Personenverkehr stillgelegt und der öffentliche Personenverkehr von Bussen übernommen. Für einige Zeit fand dann noch Güterverkehr auf einem Teil der Strecke statt, bevor diese vollständig abgebaut wurde.

Galerie

Historische Verkehrsverbindungen

Carlsbahn und Carlskanal

Bahnhof in Hümme

Landgraf Karl verfolgte den Plan, die Weser bei Sieburg (dem späteren Carlshaven) mit der Fulda durch einen Kanal zu verbinden, etwa ab dem Jahr 1713, offenbar um das Hannoversch-Mündener Zollrecht zu umgehen und Waren direkt von Karlshafen (an der Weser) in die Residenzstadt Kassel bringen zu können.

Die Pläne des Landgrafen erwiesen sich aber als wenig erfolgreich, so dass nach seinem Tod im Jahre 1730 der weitere Kanalausbau aufgegeben wurde. Ein von zwei Pferden gezogenes kleines Marktschiff, so heißt es, brauchte von Karlshafen bis Trendelburg im Jahre 1727 einen ganzen Tag, weil es immer wieder flottgemacht werden musste. Und in Hümme ist kaum eines dieser Schiffe jemals angekommen.

Eine Güterverbindung von Kassel nach Karlshafen auf dem Lande wurde dann gut ein Jahrhundert später mit der Eröffnung der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn von Kassel bis zum Hofgeismarer Stadtteil Hümme und der Carlsbahn von Hümme nach Karlshafen geschaffen, nachdem man zunächst - unter der Herrschaft des Landgrafen Friedrich II. - eine gut ausgebaute Straße für Transporte von Kassel über Karlshafen bis nach Bremen gebaut hatte.

Ein Graf als Brettspiel

Uni-Studie über die touristischen Nutzungsmöglichkeiten von Carlsbahn und -kanal

Auszug aus dem Artikel von Markus Löschner in der HNA vom 15. August 2007

"Bad Karlshafen. Sieben angehende Landschafts- und Stadtplaner der Uni Kassel haben sich mit den beiden historischen Verkehrsverbindungen Carlsbahn und Carlskanal beschäftigt. Sie wollten wissen, ob sich die Anlagen touristisch nutzen lassen. Unter dem Motto "Wandeln auf historischen Pfaden" recherchierten sie zwischen Hümme und Bad Karlshafen. Die Ergebnisse wurden jetzt im Bad Karlshafener Rathaus präsentiert.

Die Kasseler Studenten haben unter der Leitung von Professor Diedrich Bruns und Dr. Klaus Horn zunächst die Überreste der historischen Verkehrswege mithilfe von Ortskundigen, alten Karten und der Suche im Gelände aufgespürt, kartiert und in einem digitalen Archiv erfasst.

Im zweiten Schritt ihrer Arbeit hat sich die Gruppe mit der Frage beschäftigt, wie die Geschichte von Carlskanal und Carlsbahn touristisch genutzt werden könnte. Eine "Carlsroute" wurde erarbeitet, die zwar ähnlich verläuft wie der heutige Radweg, jedoch die Überreste der Bahntrasse besser erschließt und den Kanal stärker einbezieht.

"Warum wird so etwas denn nicht zugänglich gemacht?" Die Frage stellte sich eine Familie, die mit dem Rad zwischen Trendelburg und Wülmersen unterwegs war und in der Nähe von Deisel an der Informationstafel des Eco-Pfades Diemel anhielt und dem kleinen Pfad zum alten Deiseler Tunnel gefolgt war.

Ein mächtiger Anblick

Wer sich diese Mühe macht, wird mit dem Anblick des mächtigen Tunnelportals mitten im Wald belohnt. Der 202 Meter lange Tunnel ist sicherlich das spektakulärste Relikt der 1848 in Betrieb genommenen 16,5 Kilometer langen Carlsbahn zwischen Hümme und Karlshafen.

Eine Streckenführung durch den Deiseler Tunnel wäre für die Studenten das Idealziel. Im Tonstudio wurde auch ein Audioführer produziert, der den Reisenden an wichtigen Punkten der Strecke per MP3-Player mit Informationen versorgt. Ein handlicher Kulturlandschaftsführer mit Texten, Bildern, ausklappbaren Karten und touristischen Informationen liegt bereits als produktionsreifer Prototyp vor. ..."

Literatur

  • Friedrich-Wilhelms-Nordbahn - Aus ihren Frühtagen, Deutsche Eisenbahn-Reklame Kassel, 1973
  • Gerhard Seib - 125 Jahre Friedrich-Wilhelms-Nordbahn in: Hessische Heimat, 23. Jahrgang 1973, Heft 4

siehe auch

Tunnel zwischen Trendelburg und Wülmersen

Carlsbahn - Tunnelportal zwischen Trendelburg und Wülmersen
Die erste einheimische Lokomotive auf der Carlsbahn: Der "Drache" der Fa. Henschel

Der Drache im Tunnel

Artikel in HNA-online vom 6.4.2011

Deisel. Ankommen, reingehen und den Drachen sehen ist eine Vision, die Denkmalpfleger Ulrich Köster (Denkmalschutzbehörde des Landkreises Kassel) von der touristischen Zukunft des historischen Eisenbahntunnels bei Deisel hat. Das denkmalgeschützte Relikt der 1848 in Betrieb genommenen und 1966 stillgelegten Kurfürst-Wilhelm-Nordbahn wird seit Mitte des vergangenen Jahres teilweise instandgesetzt.

Die Arbeiten am Nordportal sind nahezu abgeschlossen. Die Substanz war durch Feuchtigkeit und Frost stark angegriffen. Jetzt steht die Sanierung des Südportals und des Tunnelinneren an. Jetzt machte sich Landeskonservator Professor Dr. Gerd Weiß ein Bild vom Stand der Arbeiten an Hessens ältestem Eisenbahn-Tunnel. „Es gibt kaum Vergleichbares. Schön, dass wir etwas dazu beitragen können“, sagte Weiß, der einen Förderbescheid der Landesdenkmapflege über 70 000 Euro mitgebracht.

Rund die Hälfte dieser Summe wurde bereits in die Restaurierung des Nordportals investiert. Das Landesamt für Denkmalpflege, die Untere Denkmalbehörde Hofgeismar und Hessen-Forst als Eigentümer trugen zu gleichen Teilen die Kosten für den Abbau instabiler Mauerbereiche, das Neuverfugen der Steine und die Reparatur der Wasserführung über dem Portal.

Jetzt stehen ähnlich geartete Arbeiten an dem repräsentativeren, weil aufwändig gestalteten Südportal an. Es ist viertelkreisförmig gekrümmt und im Stil der Neo-Romanik gehalten. „Die Schmuckelemente sind sehr brüchig. Wir wissen noch nicht, ob wir sie erhalten können oder ersetzen müssen“, erklärte Bauleiter Peter Reuting. Der Architekt führt sämtliche Arbeiten mit Unterstützung von Mitarbeitern des Eigenbetriebes Jugend- und Freizeit im Wasserschloss Wülmersen aus.

Bereicherung für Tourismus

„Das Bauwerk ist einer der ältesten Eisenbahntunnel in ganz Deutschland“, stellte Landrat Uwe Schmidt fest. Schmidt sieht die geplante Nutzung des Tunnels nahe Diemelradweg und Eco-Pfad Diemel als Bereicherung für den Tourismus. Der nördlich gelegene Tunnelteil soll auf rund 25 Meter zugänglich gemacht werden und zum Beispiel als Rastplatz für Fahrradfahrer dienen. Der Rest des mehr als 200 Meter langen Bauwerks bleibt gesperrt. Hinter dem Südportal liegt ein FFH-Gebiet und im Tunnel haben geschützte Fledermäuse ihr Quartier.

Foto von der Maschine

Der „Drache“ war die erste Dampflokomotive, die 1848 in den Henschel-Werken in Kassel produziert wurde und die erste, die auf der Strecke zwischen Grebenstein, Hümme und Karlshafen durch den Tunnel stampfte. Ein auf Leinwand gezogenes großes Foto der Maschine soll nach den Vorstellungen von Ulrich Köster hinter dem zugänglichen Teilabschnitt zu sehen sein. „Wenn dann noch, ausgelöst durch einen Bewegungsmelder, das Geräusch der fahrenden Lokomotive zu hören ist, dann ist die Touristenattraktion perfekt“, so der Denkmalpfleger. Die Sanierungsarbeiten sollen Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. (ziv)

"Vorwärts Carl!"

Viadukt der ehem. Carlsbahn bei Wülmersen über die Holzape

An die ehemalige Carlsbahn von Hümme nach Karlshafen und das große Kanalprojekt des Landgrafen Carl soll das Brettspiel „Vorwärts Carl!“ erinnern. Dabei müssen die Spieler mit Strategie und Taktik versuchen, Bahn oder Kanal von Hümme aus in Richtung Norden zu bauen. Entscheidend sind aber auch Bonuspunkte, die es für den Bau von Bahnhöfen, Haltepunkten, Tunneln, Schleusen, Wehren und Hafenbecken gibt oder Siegpunkte für den Erhalt von Kulturgütern, Wäldern und Naturschutzgebieten oder für die Integration von Aussichtspunkten in die Strecke.

„Das ansprechend gestaltete Spiel ist eine gute Ergänzung zum Eco-Pfad Diemel und verdeutlicht die Bedeutung der Carlsbahn“, sagte Vize-Landrätin Susanne Selbert bei der Vorstellung des Spiels in der Alten Mühle Trendelburg im August 2011. Die Idee zu diesem Spiel stammt aus einem studentischen Projekt am Fachgebiet Landschaftsplanung/ Landnutzung des Fachbereichs Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung der Universität Kassel, wobei Prof. Klaus Röttcher die Erstellung des Spiels koordiniert hat.

Das Spiel "Vorwärts Carl!" kostet 9,90 Euro und ist im Tierpark Sababurg und im Museum im Wasserschloss Wülmersen erhältlich. Außerdem gibt „Vorwärts, Carl!“ auch beim Sekretariat des Fachgebiets Landschaftsplanung/ Landnutzung der Universität Kassel.

Quelle: HNA-online vom 22.8.2011 (zlö)

Weblinks