Carl Steinigk

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Carl Steinigk

Carl Steinigk wurde am 19.03.1876 in Crinitz im Kreis Luchau, ein Ort in der Niederlausitz, geboren. Seine Eltern betrieben hier eine große Gärtnerei und er lernte Töpfer. Er arbeitete dann in Berlin bei den Ton- und Steinzeugwerken, dem bedeutendsten Unternehmen der keramischen Industrie auf dem Kontinent, die in Bettenhausen ein Zweigwerk schufen. Dieses wurde auf dem alten Friedhof, der südlich des Leipziger Platzes, dort wo heute Autos verkauft werden, erbaut. Das war um die Wende zum 20. Jahrhundert gewesen sein. Viele Berliner Arbeiter kamen damals in die noch selbständige Gemeinde Bettenhausen und wurden hier ansässig.

Maschinen gab es noch kaum, der Ton wurde von den Arbeitern mit nackten Füßen gestampft. Dabei gab es viel Staub, so dass viele an einer Staublunge erkrankten, so auch Carl Steinigk, der dann letztlich an dieser Krankheit am 19.01.1945 starb.

Steinigk aus der Lossestr. 109 war Mitglied bei den Sozialdemokraten geworden und arbeitete viel mit Philipp Scheidemann zusammen. Er wurde in Kassel am 16.02.1909 von 365 Wählern zum Stadtverordneten für den Stadtteil Bettenhausen (welcher seit 1906 zu Kassel gehörte) gewählt und war es ununterbrochen bis 1924 und dann noch einmal von 1928 bis 1929 und von 1929 bis 1933. Er wohnte inzwischen in der Osterholzstr. 21. (Vgl.: Jochen Lengemann, Bürgerrepräsentation und Stadtregierung in Kassel 18351996).

Steinigk setzte sich intensiv für soziale Verbesserungen für die arme Bevölkerung ein, was ihm dann von den Nazis untersagt worden sein soll. Einer seiner Söhne - ein überzeugter Nazi - zeigte seinen Vater bei der Bettenhäuser Gestapo an, so sein Enkel, weil dieser es nicht lassen konnte, sich um die noch ärmeren zu kümmern. Kurz vor Kriegsende sollte er durch die Geheime Staatspolizei verhaftet werden, es ging ihm aber schon so schlecht, dass diese darauf verzichtete.

Er ging als Armenvater von Bettenhausen in die Geschichte Kassels ein. Leider konnte ich nicht nachvollziehen, was das für eine Funktion war. Nach Aussagen seines Enkels aber war Steinigk durch und durch sozial eingestellt und trotz seiner neun Kinder war ihm keine Mühe zu groß, Armen zu helfen.

So ganz recht war es seiner Witwe nicht, dass in dem nicht gerade gut beleumdeten Viertel, wo auch ein Schwarzmarkt stattfand und das Lettenlager war, eine Straße nach ihrem Mann benannt wurde, aber richtig war es ja, meint sein Enkel, es war ja genau da, wo er sich um die Armen gekümmert hat.

(Zusammengestellt von Falk D.Urlen nach Schilderungen von Steinigks Enkel Helmut Schagrün, von dem auch das Foto stammt)