Carl Schomburg

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Büste von Carl Schomburg in Kassel
Carl Schomburg war der erste Oberbürgermeister der Stadt Kassel und Präsident des hessischen Landtags.

Schomburg stammt aus Grebenstein. In seiner Geburtsstadt wurde eine Straße nach ihm benannt.

Leben und Wirken

Carl Friedrich August Wilhelm Christian Schomburg wurde am 11. Oktober 1791 in Grebenstein geboren. Carl war das erste von 9 Kindern von Johann Anton Schomburg (1760-1835) und Juliane Albertina Rosenhagen, einer Pastorentochter aus dem Kur-Hannoverischen. Nur drei seiner Geschwister überlebten das Kindesalter. Kurz nach Carls Geburt (1792) zog die Familie nach Karlshafen, wohin der Vater (Dr. med.) versetzt wurde.

Carl verbrachte seine Schulzeit auf einem Lyceum in Saalfeld unter der Obhut seines Oheims, dem Amtsmann Schütz. In Göttingen studierte er anschliessend Jura.

1811 kam Carl nach Kassel um die praktischen juristischen Vorbereitungen für den Staatsdienst zu durchlaufen. Ein Jahr später wurder als Gehilfe des Friedensrichter nach Höxter gesandt. Die dortige unselbständige Arbeit befriedigte ihn nicht sehr; sein körperlich geschwächter Zustand führte zu häufigen Genesungsaufenthalten im Elternhaus in Karlshafen. Daher verliess er schon nach kurzer Zeit diese Anstellung und kehrte ins Elternhaus zurück.

Im August 1814 kehrte Carl Schomburg in seinen erlernten Beruf zurück und arbeitete als Anwalt in Karlshafen, Trendelburg und Sababurg. In dieser Zeit lernte er seine Frau, Dorothea Helmuth, die ältere Schwester der Frau seines Bruders, kennen. Durch den Zuspruch seines Schwiegervaters, Georg Helmuth, bekam Carl Schomburg schon 1816 bei der Regierung in Kassel eine Anstellung als Anwalt.

Nach 5 Jahren intensiver Arbeit wurdem ihm zwei neue Anstellungen angeboten: 1. Assessor des neugebildeten Landgerichts in Kassel und Bürgermeister der Residenz. Carl liess sich viel Zeit bei der Entscheidung, welches Amt er annimmt. Die Stellung als 1. Assessor war mit 500 Taler dotiert und hätte die Existenz der Familie gesichert. Das Amt des Bürgermeisters war wesentlich besser bezahlt, barg aber die Gefahr einer schnellen Abwahl, da es jedes Jahr neu vergeben wurde. Schomburg entschied sich für das risikoreichere Amt des Bürgermeisters, das er am 1.1.1822 antrat.

Zu den vielfältigen Aufgaben des Bürgermeisters zählten Mitgliedschaften in den verschiedensten Gremien und Kommisionen, eine der wichtigsten seiner Amtszeit war die Schuldentilgungskommission, die er selber ins Leben rief. König Jerome hinterliess bei seinem Abzug der Stadt einen Schuldenberg von 300.000 Talern, von dem 1822 noch 222.000 Taler Schulden übrig waren. Schomburg schaffte es in seinen 7 Jahren als Bürgermeister diesen Berg um weitere 82.000 Taler zu verringern.

Schomburg hatte bei der Sanierung der Stadtkassen gegen viele Widrigkeiten zu kämpfen. Vorangetrieben von Ludwig Hassenpflug, dem eifrigen Berater des Hofes versuchte der Kurfürst die Kosten der Soldaten auf die Stadt abzuwälzen. Was aber seit einem Vertrag Landgraf Karls mit der Stadt von 171 Aufgabe des Hofes war, im Gegenzug hatte die Stadt 62 Acker Land abgetreten und zahlte monatlich 100 Taler. Desweiteren forderte der Hof Kostenerstattungen für das Polizeiweisen, was aber Schomburg abwehren konnte, allerdings zogen sich diese Diskussionen und Verhandlungen bis 1829 hin.

Die Differenzen mit dem Kurfürsten zogen sich durch alle Jahre von Schomburgs Amtszeit und speigelten sich auch in der ablehnenden Haltung des Hofes bei der Einrichtung einer Mädchenschule und der Gründung einer Stadtsparkasse wider (beide Projekte waren ein grosses Anliegen Schomburgs). Seine Gesundheit litt darunter sehr und schon 1825 suchte er Heilung im Bade. 1828, bei seinem 3. Aufenthalt in Bad Pyrmont dachte er sogar an Amtsaufgabe. Er blieb aber doch im Amt und setzte sich gegen die Willkür des Kurfürsten mit Hilfe der Gerichte durch, da sonst der städtische Haushalt zusammengebrochen wäre.

Fürst, Hof und Regierung mussten in dieser Zeit einsehen, dass die Stadt ein nicht mehr zu ignorierender Faktor waren. Schomburgs Auffassung von Bürgerrecht und -freiheit fanden viel Zuspruch in der Bevölkerung. Sein Ansehen wuchs um 1828 beträchtlich. Er war der erste Bürgermeister mit einer solchen Stellung und trotz aller Untertanentreue zum Hof entwickelte er sich immer mehr zum Landespolitiker.

Der Juli 1830 brachte von Frankreich her die Revolution, die sich durch ganz Europa zog und die auch in Kassel ihre Spuren hinterliess. Die äußeren und inneren Umstände dieser Umwälzung führten zur bekannten Überreichung der Petition von Schomburg an der Spitze der Bürgerdelegation an den Kurfürsten am 15. September 1830. Schomburg überreichte Sie mit folgenden Worten:


Allerdurchlauchigster Kurfürst!

Was in diesem Augenblick uns bewegt und erfüllt, betrifft nicht ein einzelnes Besonderes Anliegen in örtlichem Interesse der Stadt, so viel deren auch unsere Brust verschließt, nicht jene für uns und die Stadt so schmerzlich gewordenen Differenzen, zu deren gütlichen Beseitigung wir schon vor der Abreise Ew. Königl. Hoheit Vorschläge und Anerbietungen gemacht haben, wie solche mit den Kräften der Stadt und unseren Pflichten gegen dieselbe uns irgend vereinbar schienen. Von der Gerechtigkeit Ew. Königl. Hoheit versprechen wir uns hierin alsbaldige gewisse Abhülfe, um so gewisser, als die städtische Verwaltung ihrer Auflösung nahe gebracht ist. Eine höhere Angelegenheit ist es, wovon es sich jetzt handelt, von größter und dringendster Wichtigkeit für die Erhaltung und Befestigung der Ruhe für das Wohl des Vaterlandes. Bereits in der vorgestern allergnädigst uns gestatteten Audienz fühlten wir uns gedrungen, zu bemerken, daß durch alle Gemüther ein Zug des Mißmuths und der Trauer ziehe, welcher seinen Grund finde im Gefühle einer allgemeinen Noth. Heute erfüllen wir den heiligen Beruf der Wahrheit, der Liebe zum Fürsten und zum Vaterlande ganz, in dem wir zunächst hinzufügen, daß jener Ruf der Noth durch das ganze Land gehört wird - im Handels- und im Gewerbebestande, auf dem Lande und in den geringeren arbeitenden Klassen.

Überall Klage über Vermögens- und Nahrungsumfall! Der Kredit, dieser wichtige Hebel des Verkehrs, ist tief gesunken! - Die geistigen und industriellen Kräfte, womit die Natur den Hessen nicht minder begabt hat, als andere Volksstämme, fühlen sich wie gelähmt. Der größte Theil der Familienväter legt sich, nach dem täglichen Kampf um das Nothwendigste, mit der Sorge nieder, wie er am anderen Tage sich und die Seinigen den Unterhalt schaffe, denkt mit Bangigkeit an seine Zukunft, an die Zukunft seiner Kinder!

Doch, Ew. Königl. Hoheit, ich will dieß für das Herz des Landesherrn betrübende Gemälde nicht weiter ausführen. - Aber mit tiefer Besorgniß muß dieser Zustand des Landes gerade jetzt erfüllen, wo in einem Theil von Deutschland, ja von Europa, ein allgemeiner Krieg der Armen gegen die Vermögenderen auszubrechen drohet! Gott bewahre das Land, welches stets und von jeher so treu an seinem Fürsten hing, vor den Greueln der Anarchie und der Volkswuth!

Ew. Königl. Hoheit! es giebt ein sicheres Mittel, solche Gefahren von unserem Vaterland abzuwenden, ein Mittel, dessen die erlauchten Vorfahren Ew. Königl. Hoheit sich oft unter anderen schwierigen Umständen bedient haben - vor Allem jetzt wohl allein geeignet, die Ruhe des Landes schnell herzustellen und zu befestigen, das schöne Band zwischen Fürst und Volk für immer auf das innigste zu verknüpfen - die Zusammenberufung der Landstände.

Geruhen Ew. Köngl. Hoheit, die gesetzlichen Vertreter Ihres Volkes alsbald zu berufen, über die Übel, worüber das Land seufzt, zu hören, und mit denselben die Maßregeln zu berathen, wodurch denselben, soviel thunlich, geholfen werden kann. Dieß ist der Zweck und Inhalt der von dreizehn bis vierzehn hundert Einwohnern unterzeichneten Bittschrift, welche dem Magistrat gestern von hiesiger Bürgerschaft mit dem Antrage übergeben ist, E. K. H. solche allerunterthänigst zu reichen und zu lesen."


So wurde nach 14-jähriger Pause der Landtag wiedereröffnet. Schomburg war dessen Mitglied und stand an der Spitze der 2. Curie. Er wirkte auch maßgeblich an der neuen Verfassung mit und war ein Garant für die zügige Ausarbeitung. Seinem Verhandlungsgeschick war es zu verdanken, daß der Kurfürst der Halbierung des Familien- und Staatsvermögens zustimmte.

1830 wurde Schomburg auf Lebenszeit zum Bürgermeister ernannt und am 5. Januar, anläßlich der Verkündigung der neuen Verfassung, verlieh ihm der Kurfürst den Goldenen Löwenorden für seine Verdienste um die hessische Verfassung.

Kurz nach Verkündigung der neuen Verfassung verließ der Kurfürst Kassel in Richtung Hanau, da die Bürgerschaft seine Mätresse vertrieben hatte und ihm die Lage zu unsicher wurde.

Da durch die Abwesenheit des Kurfürsten die Willkür anstelle von Herrschaft trat, gab es zwei Deputationen nach Hanau, die den Kurfürsten zur Rückkehr oder Abdankung bewegen wollten. Am 28. August 1831 willigte er der Mitregentschaft seines Sohnes Kurprinz Friedrich Wilhelms ein, d. h. der alleinigen Regentschaft bis zu seiner Rückkehr nach Kassel (die allerdings nie erfolgte).

Karl und Dorothea Schomburg waren mit Kinderreichtum gesegnet, aber auch mit einer hohen Kindersterblichkeit; von 11 Kindern überlebten nur 5 den Vater und 4 die Mutter. Karls ältester Sohn, Julius, trat in die beruflichen Fußstapfen des Vaters, er studierte Jura in Marburg und versuchte in den Staatsdienst von Kurhessen zu gelangen. Dies wurde ihm vom Kurfürsten verwehrt, was auf eine Art "Sippenbann" zurückzuführen ist, kurz vor der Ablehnung, versagte der Kurfürst Julius Vater schon das Präsidentenamt des Landtages. Zurückgeführt wird diese feindliche Haltung gegen die Schomburgs mit den guten Kontakten von Carl Schomburg zur Kurfürstin Auguste und den liberalten Kreisen um sie herum.

Julius ging daraufhin zurück an die Universität, promovierte und fand kurz darauf eine Anstellung im Staatsdienst von Coburg-Gotha. 1846 heiratete er seine Cousine Marie, die ältestes Tochter seines Onkels August. Er starb 1897 als Geheimer Staatsrat im Großherzogtum Weimar.

Das Herz Carl Schomburgs wurde nach seinem Tode in einer Kapsel im Amtszimmer des Oberbürgermeisters aufbewahrt. Nach dem Tode seiner Frau Dorothea im Jahre 1861 wurde es ihrem Grab beigefügt.

  • Quellen:

Karl Schomburg - Kassels erster Bürgermeister

Ellen Weber - Deutscher Sparkassenverlag GmbH, Stuttgart

Ein Mann mit Prinzipien

Fürstentreu, optimistisch, bürgernah, verfassungsgläubig - Kassels erster Oberbürgermeister Carl Schomburg setzte in den 20 Jahren seiner Amtszeit als Kasseler Stadtoberhaupt Zeichen und Marken, die ihm nicht nur einen wichtigen Platz in der Stadtgeschichte, sondern auch einen Platz im Herzen der Bürger sicherten.

In Grebenstein wurde Carl Friedrich August Wilhelm Christian Schomburg am 11. Oktober 1791 als ältestes von neun Kindern geboren. Sein Vater war der Arzt Dr. Johann Anton Schomburg, seine Mutter Juliane Albertina Rosenhagen, eine niedersächsische Pfarrerstochter.

Nach der Kindheit in Karlshafen und seiner Schulzeit studierte Schomburg in Göttingen Jura und kam 1811 erstmals nach Kassel. Hier sollte er sich auf den Staatsdienst vorbereiten. Ein Jahr später wurde er Gehilfe des Friedensrichters in Höxter, war damit aber nicht zufrieden und verließ diesen bald wieder.

Ab August 1814 arbeitete Carl Schomburg als Anwalt in Karlshafen, Trendelburg und Sababurg und lernte seine Frau Dorothea Helmuth, die ältere Schwester der Frau seines Bruders, kennen. Durch den Zuspruch seines Schwiegervaters, Georg Helmuth, bekam Carl Schomburg schon 1816 bei der Kasseler Regierung eine Anstellung als Anwalt. Er machte seinen Job so gut, dass er nach nur fünf Jahren gleich zwei neue Angebote bekam: Er musste zwischen dem Beruf eines Assessors des neuen Landgerichts und dem des Bürgermeisters wählen. Im sicheren Amt des Assessors hätte er 500 Taler verdient, als Bürgermeister einiges mehr. Um dieses Amt aber hätte Schomburg ständig kämpfen müssen, denn es wurde jährlich neu vergeben. Der Kämpfer Schomburg entschied sich für das Amt des Bürgermeisters. Am 1. Januar 1822 wurde er vereidigt.

Kassels Schuldenberg war schon damals immens. König Jerome hatte 300 000 Taler Verbindlichkeiten hinterlassen. Als Schomburg Bürgermeister wurde, waren davon immerhin noch 222 000 Taler übrig. In nur sieben Jahren brachte Carl Schomburg das Kunststück fertig, davon 82 000 Taler zu tilgen.

Dies war keine einfache Aufgabe. Schomburg hatte bei der Sanierung der Stadtkassen auch gegen den Kurfürsten Wilhelm II. selbst zu kämpfen. Dieser versuchte, seine militärischen Kosten auf die Stadt abzuwälzen. Sieben Jahre lang stellte sich Schomburg stur, pochte auf einen Vertrag des Landgrafen Karl, in dem die Kosten für die Soldaten eindeutig dem Hof zugewiesen waren. Trotz Intrigen und Rachespielchen seitens des Kurfürsten - so wurden die Einrichtung einer Mädchenschule und die Gründung einer Stadtsparkasse immer wieder vom Hof abgelehnt - siegte Schomburg schließlich. Doch der Preis war hoch.

Schomburgs Gesundheit litt unter der Dauerfehde, 1828 dachte er sogar laut über die Aufgabe seines Amtes nach. Ohne ihn, das wusste er genau, wäre aber der noch immer kränkelnde städtische Haushalt zusammengebrochen. Also blieb er.

Schomburg gab mit einer Aufsehen erregenden Rede vor dem Kurfürsten am 15. September 1830 den Anstoß für die kurhessische Verfassung. Er ordnete auch die Armenfürsorge neu, bemühte sich um die Gründung eines Hebammeninstituts, renovierte Trinkwasserleitungen und Brunnen und gründete eine Reihe von Bürgerschulen, um allen eine Schulausbildung zu garantieren. Die Bürger liebten ihn, schenkten ihm einen prächtigen Schreibtisch, die Stadt machte ihn 1835 zum Ehrenbürger und Oberbürgermeister.

Doch der Kurfürst rächte sich. Die Trauerfeier für Carl Schomburg, der am 4. Juli 1841 starb, durfte nur in kleinem Rahmen stattfinden, die Glocken mussten schweigen.

Carl-Schomburg-Schule

Im Jahr 1957 wurde in Kassel die Carl-Schomburg-Schule eröffnet. Sie war ein bildungspolitisches Novum in Deutschland, denn sie war die erste Schule mit freiem Samstag. Somit galt sie als neu eröffnete Fünf-Tage-Schule, auf die ganz Deutschland schaute. 1986 zog die Ganztagsschule von der Schützenstraße in einem Neubau an der Josephstraße um, welcher 2006 erweitert wurde.

siehe auch

Weblinks


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