Carl Rörig

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Arzt, Politiker und Unternehmer

Dr. Carl Rörig: Begründer des urologischen Heilbades Bad Wildungen

Carl Rörig

Bad Wildungen. Arzt, Politiker, Autor, erfolgreicher Unternehmer. Wohl kaum eine Persönlichkeit aus der Bad Wildunger Stadtgeschichte weist so viele Berufungen auf, wie Sanitätsrat Dr. Carl Rörig (1827 bis 1919). Untrennbar mit seinem Namen ist die Einführung einer unblutigen Operationsmethode zur Blasensteinzertrümmerung verbunden, die als Wildunger Operation in die Medizingeschichte einging und mit der Carl Rörig 1867 den wichtigsten Meilenstein in der Entwicklung des urologischen Heilbades Wildungen setzte.

Rörig war es, der 1869 auf seinem eigenen Grundstück die Königsquelle wieder entdeckte und dort einen kleinen Kurbetrieb mit Park, Sanatorium, Wandelhalle und Heilwasserversand aufbaute.

1827 als siebter und jüngster Sohn eines Bad Wildunger Kaufmanns geboren, lebte er seinerzeit im früheren Stadthaus am Rathaus. Carl Rörig begann nach dem Abitur an der Alten Landesschule in Korbach 1848 sein Medizinstudium in Marburg. Nach Studium und Promotion assistierte er ein Jahr lang an den Wiener Kliniken. Diese Schule, so schrieben Chronisten später, habe das Leben des jungen Arztes und seine mehr als 50-jährige erfolgreiche Tätigkeit in Bad Wildungen maßgeblich geprägt und bestimmt.

1865 verfasste Rörig seine erste Brunnenschrift über die Entstehung, Eigenschaften, Wirkung und Anwendung der Wildunger Mineralwässer. Die Fortschreibung dieser Brunnenschrift im Jahr 1866 enthält einen ersten Hinweis auf eine neuartige, von französischen Ärzten technisch entwickelte Operationsmethode. 1867 nahm Carl Rörig mit Erfolg seine erste Blasensteinzertrümmerung (Lithotripsie) vor und leitete damit eine neue Ära ein. Bis Ende 1895 brachte er es auf 137 Operationen - danach hat er nicht mehr gezählt.

Rörig war aber nicht nur Mediziner, er galt als vielseitig interessierter Mensch. Er hinterließ als Erbe rund 40 Schriften aus verschiedenen Wissensgebieten von der Medizin bis zur Heimatgeschichte. Von 1880 bis Ende 1885 war er Bürgermeister seiner Heimatstadt.

Daneben sollte eine Entdeckung im Jahr 1869 das Leben des Dr. Carl Rörig entscheidend mit beeinflussen. Er schrieb seinerzeit nieder: Am 18. April 1869 hatte ich das Glück ..., an einem sonnigen Nachmittage in dem von meinen Großvater ererbten Eigentume im Nordosten der Stadt Kohlensäurebläschen aufsteigen zu sehen. Schon am nächsten Morgen ließ ich dort schürfen und fand bei drei Meter Tiefe nicht allein den Quellpunkt, sondern auch die alte Brunnenfassung.

Er hatte die Königsquelle wieder entdeckt, deren Weiterentwicklung er sich fortan intensiv widmete. Er ließ die Quelle neu fassen und einen Park anlegen, baute eine Trinkhalle, eine Kolonnade mit Kaffeehäuschen, ein Badehaus mit Dampfbad. In den Folgejahren verfasste er 13 Broschüren, die sich auf die physiologische und therapeutische Wirkung der Königsquelle bezogen. 1898 erbaute er als 71-Jähriger ein Sanatorium für Nieren-, Blasen-, Stein- und Grießkranke mit 40 Zimmern.

1906 übertrug Carl Rörig die Anlage an die Bad Wildunger Heilquellen AG, der Vorgängerorganisation des späteren Staatsbades. Das alte Sanatorium Königsquelle fristete lange ein Stiefmütterchendasein, bis es im Rahmen der Vorbereitungen zur 3. Hessischen Landesgartenschau 2006 abgerissen wurde.


Überarbeitung eines Artikels aus der HNA - Waldeckische Allgemeine. Der Orginalartikel erschien am 27.2.2004 in der Serie: Die besten Waldecker.