Carl Georg August Natermann

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Carl Georg August Natermann (1819 - 1871)REPRO: NH

der Fabrikant Carl Georg August Natermann übernahm 1844 die damals erfolgreiche Handels- und Speditionsfirma Haendler & Natermann in Hann. Münden.

Doch der Sohn, gerade 25, hatte größere Pläne. Und begann sofort, diese mit Innovationskraft, Weitsicht und unternehmerischem Geschick zu verwirklichen. Nach einer Lehre in Bremen war er 1839 in die Handelsfirma Funk & Boese (Amsterdam) gewechselt, bei der er bis 1843 blieb. Hier hatte er internationale Erfahrungen gesammelt, die er in Hann. Münden zu nutzen wusste. Als Erstes erwarb er auf dem südlichen Wallgelände Grundstücke, in denen Werkräume zur Produktion von Blei- und Zinnwaren eingerichtet wurden. Bald darauf kam der alte Wehrtum an der Fulda dazu, im Volksmund bis heute Hagelturm genannt. Er wurde bis auf 35,8 Meter aufgestockt, um die nötige Fallhöhe für Bleischrot zu erhalten. 1848 begann hier die Produktion von Jagdmunition.

1849 wurde Carl Georg August Natermann Direktor des Mündener Handelsvereins. Damit begann er ein fast schon zur Tradition gewordenes kommunalpolitisches Engagement der Unternehmensführung. In den fünfziger Jahren trieb er die Fertigung von Bleirohren, Bleiplomben, Bleidraht und anderen Produkten voran. Hinzu kamen die Herstellung von Zinnfolien und ab 1859 von Stanniolkapseln als Flaschenverschluss. Diese Kapseln ersetzten den bis dahin üblichen Siegellack. Die Werkräume neben dem Hagelturm wurden 1854 zu einem modernen Fabrikgebäude ausgebaut. Hier entstanden Bleirohre hauptsächlich für Trinkwasserleitungen.

Als Münden 1856 an die Eisenbahnlinien Hannover-Münden und Münden-Kassel angeschlossen wurde, erkannte Natermann die Zeichen der Zeit und begann, die Bleiverarbeitung auszudehnen nicht mit handwerklichen Produktionsverfahren, sondern mit Dampfmaschinen auf industrieller Basis. Gegenüber dem Hagelturm, auf der anderen Seite der heutigen Fuldabrückenstraße, errichtete die Firma ein Bleiwalzwerk und eine Fabrik für Blei- und Zinnplatten, in der Folien und Bänder hergestellt wurden. Die Stanniolproduktion wurde ab 1859 zu einem der bedeutendsten Geschäftszweige. Die Folie erwies sich als ideale Verpackung für Tee, Schnupftabak oder Schokolade. In den neuen Werksanlagen wurden auch Büro- und Geschäftsräume eingerichtet. Die Einweihung 1858 feierte Natermann als großes Fest mit allen Angestellten, Arbeitern und Maurern und Zimmerleuten, die am Bau beteiligt waren. Der Übergang von einem Speditions- und Handelsunternehmen zu einem Industriebetrieb war vollzogen. Die Expansion setzte sich in den folgenden Jahren fort. Etwa durch die Flaschenkapselproduktion, die neben den Folien zu einem sehr bedeutsamen Geschäftszweig werden sollte. Mit ihnen wurde der bis dahin zum Verschließen von Weinflaschen verwendete Siegellack abgelöst. Nebenbei trugen die bedruckten Flaschenkapseln zu einer Verbesserung der Ausstattung von Weinflaschen bei. Infolge wachsender Nachfrage nach Metallfolien wurde ein modernes Walzwerk zur Herstellung noch dünnerer und größerer Folien erstellt. 1867 erstreckte sich der Absatz von Haendler&Natermann bereits auf ganz Deutschland. Außerdem hatte die Firma Kunden in der Schweiz, England und Russland. Die Belegschaft umfasste 100 Arbeiter und Arbeiterinnen.

1870 trat eine neue Fabrikordnung in Kraft, die nicht nur das Verhalten am Arbeitsplatz regelte. Sie enthielt auch Bestimmungen über eine Krankenkasse, und dies fast 14 Jahre vor der Krankenversicherungspflicht durch Bismarcks Sozialgesetzgebung.

Am 23. Juli 1871 starb Natermann, dessen Lebenswerk ihn zu einem der größten Unternehmer in der Geschichte Mündens machte. Das Unternehmen gehört bis heute zu seiner Heimatstadt, wenngleich auch in veränderter Form. (ASC)

Quelle: Festschrift zum 175-jährigen Bestehen der Firma

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