Bursfelde

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Bursfelde an der Weser
Klosterkirche Bursfelde

Bursfelde gehört zu Hemeln, dem nördlichsten Ortsteil von Hann. Münden im Landkreis Göttingen in Südniedersachsen und hat etwa 40 Einwohner.

Geschichte

Bekannt ist Bursfelde durch sein historisches Benediktiner-Kloster aus dem 11. Jahrhundert (s. dazu unten: Kloster Bursfelde).

Die bis zum Jahre 1968 selbständige Gemeinde wurde in die Gemeinde Hemeln eingegliedert. Seit 1973 ist Hemeln ein Stadtteil von Hann. Münden.

Kloster Bursfelde

Das historische Benediktiner-Kloster wurde im Jahre 1093 von Graf Heinrich dem Fetten von Northeim auch als Grablegestätte für die Familie des Grafen gestiftet. Auch Hienrich selbst wurde hier im Jahre 1102 (nach anderer Darstellung nach seiner Ermordung am 10. April 1101) begraben. Das Kloster wurde seinerzeit mit Mönchen aus dem Kloster Corvey besetzt, für das der Graf die Vogtei innehatte.

Nach dem Ende der Northeimer Erblinie kam das Kloster 1144 in den Besitz Heinrichs des Löwen.

Bursfelde hat danach eine bewegte Geschichte erlebt bis hin zum Niedergang des Klosters im 14. und 15. Jahrhundert.

Unter Abt Johannes Dederoth - Abt in Bursfelde ab 1433 - und seinem Schüler und Nachfolger Abt Johann von Hagen erfolgte dann die Erneuerung, die als Bursfelder Kongregation bekannt geworden ist.

Im Jahre 1574 erlitt das Kloster erhebliche bauliche Verluste durch einen Brand.

1588 erklärte Abt Melchior Bödicker den Übertritt zur Lehre von Martin Luther, die bereits in den Jahren 1542 bis 1554 Eingang in das Kloster gefunden hatte (allerdings unterbrochen durch die Zeit der Gegenreformation unter Herzog Erich II.).

Zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1630 - 1648) wurde das Kloster vorübergehend mit Jesuiten-Mönchen besetzt, bevor Bursfelde im Zuge des "Westfälischen Friedens" (1648) endgültig evangelisch wurde. Zuletzt lebten bis 1672 Mönche in Bursfelde, bevor das Kloster säkularisiert wurde.

Klosterkirche und Klostergebäude

Die Klosterkirche ist ein Paradebeispiel für die Romanik, weil sie in der typischen Bauform der Basilika erhalten ist: mit einem extremen langen Hauptschiff und niedrigeren Seitenschiffen. Statt der späteren Rund- und Spitzbogengewölbe wird ihr Inneres noch von einer Holzbalkendecke überdacht.

Die romanische Basilika der Klosteranlage Bursfelde
Klosterkirche - Eingang
Klosterkirche - Innenansicht

Die Kirche in idyllischer Uferlage an der Weser stammt aus der Gründerzeit des Benediktinerklosters. Die mehr als 900 Jahre alte romanische Klosterkirche verfügt über überaus sehenswerte mittelalterliche Fresken.

Neben dem Kirchengebäude ist der Westflügel des Klosters erhalten geblieben, der im Jahre 1722 zu einem Gutshaus umgebaut wurde.

Im Zuge der Reformation in Hessen wurde das Kloster in Bursfelde eines der Zentren der Reformation ("Bursfelder Reform"), aber erst nach dem Westfälischen Frieden zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs im Jahre 1648 endgültig evangelisch.

Heutiger Eigentümer des Klosters ist die Klosterkammer Hannover.

Innenansichten

Ein Krippenbild, das weiter weist

Jesu Geburt als eine von zehn biblischen Szenen: In den Bildern des Altaraufsatzes in der Klosterkirche kann man viel entdecken.

Matt und müde sieht Maria aus, Josef stützt sich auf seinen Stock und wirkt nachdenklich. Ihr Neugeborenes wiegen die Eltern nicht etwa zärtlich im Arm. Eng in Tücher gewickelt liegt das Kind allein auf einem altarartigen Tisch. Eine Darstellung Jesu Geburt, die zum Nachdenken anregt.

Das Bild ist Teil des Retabels, das einst auf dem Altar in der Ostkirche des Klosters Bursfelde stand. Jetzt ist der alte Altaraufsatz im hinteren Eingangsbereich der Klosterkirche zu sehen. Wer die Ölgemälde auf Holz vor über hundert Jahren angefertigt hat, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass es sich um eine Nachbildung des Verduner Altars von 1181 mit seinen 51 Emailbildern handelt. Die zehn Tafeln in Bursfelde sind vergrößerte Kopien des Originals in Klosterneuburg bei Wien.

Interessant sind vor allem die Bezüge zwischen den Bildern auf der linken Seite zu denen der rechten Hälfte. So werden Szenen aus dem Alten Testament jeweils mit Begebenheiten aus dem Neuen Testament in Beziehung gesetzt. Jesu Menschwerdung (Lukas 2,7) steht die Geburt von Abrahams Sohn Isaak gegenüber (1. Mose 21, 1-3). Dabei fällt auf, dass das Bild der alttestamentarischen Szene die Geburt intimer darstellt: Hier säugt der kleine Isaak an der Brust seiner Mutter, geborgen in ihren Armen.

Das Christuskind hingegen ist eng gewickelt und wirkt auf heutige Betrachter wie ein Gebundener, fast wie aufgebahrt. Ob der Maler über die Geburt hinaus die Perspektive der Grablegung wohl schon vorwegnehmen wollte?

Im Rahmen der Kirchenbegehungen bleiben Gäste des Geistlichen Zentrums Bursfelde oft vor dem Kunstwerk stehen und vertiefen sich in die Bilder. Auf eine verbindliche Deutung komme es dabei gar nicht an, sagt Diakon Peter Kolberg. Jeder kann auch etwas Eigenes in die Bilder legen, und sie einfach auf sich wirken lassen.

Die Klosterkirche ist ganzjährig von 8 bis 18.30 Uhr geöffnet. (rud)

Kloster Bursfelde
Historische Häuserzeile

Die Bursfelder Kongregation

Als Bursfelder Kongregation wird ein Zusammenschluss von vorwiegend west- und mitteldeutschen Benediktiner(innen)klöstern bezeichnet, der vom Kloster Clus ausging. Dessen Abt Johannes Dederoth übernahme im Jahre 1433 auch die Leitung des Klosters in Bursfelde. Mitte des 15. Jahrhunderts schlossen sich die Klöster in Bursfelde, Clus, Reinhausen und Huysburg zur Bursfelder Kongregation zusammen und schon bald gewann die Kongregation alle niedersächsischen Benediktinerklöster für ihre Reformgedanken und breitete sich weiter in Deutschland, Belgien, Luxemburg, Holland und Dänemark aus. Ein Ziel war es, die Ordensregel des heiligen Benedikt in ihrer ursprünglichen Strenge und Reinheit wieder zur Beachtung zu bringen.

Heutige Nutzung

Das Kloster dient heute als evangelisches Tagungszentrum.

Der Titel „Abt von Bursfelde“ wird seit dem Jahre 1828 einem Professor der Evangelsich - Theologischen Fakultät der Universität in Göttingen verliehen.

Ausgebildete Ansprechpartner stehen für Besucher bereit, um die zahlreichen Symbole in der Klosterkirche zu erklären.

Pilgerweg

Unter dem Titel Zwischen Loccum und Volkenroda erschien im Jahre 2005 ein Pilgerbuch von Jens Gundlach, das die Pilger-Wanderstrecke vom Kloster Loccum, nordwestlich von Hannover zum Kloster Volkenroda, bei Mühlhausen in Thüringen beschreibt. Auch das Kloster in Bursfelde liegt an der Pilgerstrecke und lädt zu stiller Einkehr ein.

Literatur

  • Region Kassel Land e.V. (Hrsg.), Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele, Wolfhagen 2011
  • Gero Lenhardt, Mein Reinhardswald, Wandern - Kultur - Freizeit, 1. Auflage, Calden 2013

Nieme - Mündung

Tal der Nieme vor Bursfelde

Die 12,38 km lange Nieme entspringt im Südteil des Bramwalds nordwestlich der Gemeinde Bühren und fließt bei Bursfelde in die Weser.

Im Rahmen eines vom Naturpark Münden aufgestellten Gewässerentwicklungsplanes bemüht sich ein Arbeitskreis schon seit über zehn Jahren erfolgreich darum, die Naturnähe weiter zu verbessern. Ein wichtiges Ziel ist der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie folgend, die Durchgängigkeit der Gewässer zu gewährleisten. Deshalb wurden im Jahr 2006 unter hohem Kostenaufwand zwei hohe Wehre bei Löwenhagen und Bursfelde durch Sohlengleiter ersetzt und im Mündungsgebiet eine weiträumige Mäanderschleife wieder hergestellt.

Touristisch wird das Mündungsgebiet durch einen Informationstand am Weserradweg und durch den Klaus-Bahlsen-Pfad erschlossen.

Gegenüber der Niememündung erhebt sich vom westlichen Weserufer aus die Ostabdachung des hessischen Reinhardswalds.

siehe auch

Wesertal bei Bursfelde

Gestern: Blick über Bursfelde in das Wesertal
Repro: von Pezold
Heute: Baggerschiff auf der Oberweser bei Bursfelde

Der historische Blick in das Wesertal auf der Lithographie von Robert Geißer aus dem Jahre 1863 zeigt Bursfelde und den Turm der Bramburg. Die beiden Türme der Klosterkirche in Bursfelde auf dem Foto aus dem Jahre 2007 wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts ergänzt.

Weblinks

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