Burgwaldbahn

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Die Bahnstrecke Warburg - Lahntal-Sarnau ist eine etwa 100 Kilometer lange Eisenbahn-Nebenstrecke in Nordhessen.

Der Nordabschnitt Warburg–Korbach wird Twistetalbahn, der Abschnitt Korbach–Frankenberg wird Untere Edertalbahn und der Südabschnitt Frankenberg–Sarnau wird Burgwaldbahn genannt. Teilweise ist die Strecke inzwischen stillgelegt, so zwischen Warburg und Volkmarsen sowie zwischen Korbach und Frankenberg.

Geschichte

Thonet und die Eisenbahn weckten Hoffnungen

Im Jahr 2000 wurde die Burgwaldbahn Marburg-Sarnau-Frankenberg 110 Jahre alt. Wir wollen an die Geschichte dieser Trasse erinnern.

Kurfürstentum Hessen, Mitte des 19.Jahrhunderts. Mit der wirtschaftlichen Lage gerade der Landbevölkerung steht es äußerst schlecht. Armut ist weit verbreitet, Verelendung droht. Güter und Waren können nur im sehr beschränkten Umfang in andere Gebiete befördert werden. Die Produkte der Gewerbetreibenden und die Erträge der Bauern müssen in der jeweiligen Region angeboten werden. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet ein neues Verkehrsmittel: die Eisenbahn.

Güter können mit ihr in verhältnismäßig kurzer Zeit und weitaus größerer Zahl von hier nach dort transportiert werden, mit Dampfzügen werden neue Märkte und Einkommensquellen erschlossen. Reisende müssen sich nicht mehr in der langsamen Postkutsche durchschütteln lassen wenn sie sich die Zugfahrkarte leisten können. Auch in unsere Region kommt die Kunde von den positiven Erfahrungen, die bereits anderenorts mit der Eisenbahn gemacht werden. Nachdem im Jahr 1850 die Main-Weser-Bahn von Kassel über Marburg bis Gießen gebaut und 1852 der erste Personenzug aus Kassel in Frankfurt/Main eingelaufen war, wird aus der an Wiesenfeld vorbeiführenden Landstraße immer mehr eine Zubringerlinie für die Bahnstation in Cölbe und den Verladeplatz von Marburg. Dennoch: Die Ernährungsfrage stellt hier viele Menschen vor große Probleme. Wegen der erneuten knappen Ernte, besonders bei Kartoffeln, werden zum Beispiel ab April 1855 täglich an 120 arme Kinder und auch an ältere Arme Speisen verteilt.

Bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts war Frankenberg eine blühende Handelsstadt. Dann gingen die großen Handelsstraßen an ihr vorbei, sie fiel in einen langen Dornröschenschlaf. 400 Jahre später stapelt sich vor den Häusern immer noch das Brennholz, dampfen und stinken die Misthaufen. Ein Pumpwerk holt das Trinkwasser hoch zum Rathaus, von wo es in einzelne Sammelstellen fließt. Dort müssen sich die Bürger das kühle Nass mit Eimern holen. Wegen des oft verunreinigten Wassers besteht stets Seuchengefahr. Elektrischen Strom gibt es nicht. Der Fortschritt macht hier einfach keine Station. In den 60er Jahren des 19.Jahrhunderts ist unser Raum weiter von jeder Haupt-Eisenbahnverbindung ausgeschlossen. Bahnstrecken gibt es in der Relation Kassel-Marburg-Gießen-Frankfurt, Kassel-Karlshafen-Paderborn-Dortmund und Dortmund-Siegen-Gießen. Die materielle Lage der einfachen Leute wird stets schlechter. Auch 1880 beschenkt Prinzessin Louise von Hessen zu Frankfurt die Armen von Viermünden, Schreufa und Oberorke. 100 Mark in bar und für 100 Mark Kleidungsstücke werden an die Bedürftigen verteilt.

Zu allen Problemen kommen Unwetter: Im Raum Röddenau-Rengershausen fällt Mitte Juni 1880 ein Wolkenbruch, der großen Schaden anrichtet. Röddenau wird überflutet. Die Schäden an den Häusern sind beträchtlich. Große Mengen Bau- und Brennholz schwimmen fort. Dann der Gegensatz: Seit Pfingsten 1881 hat es keinen nennenswerten Regen in Frankenberg mehr gegeben. Bereits im gesamten Frühjahr war es überaus trocken. Roggen und Weizen stehen im Juli dünn und kurz im Halm. Durch Ausfall an Heu und Klee entsteht eine Futternot, die den Viehbestand gefährdet. Die Gemüsepflanzen stehen vertrocknet auf dem Feld. Der Staat wird um Hilfe durch verbilligte Abgabe von Moos und Laub gebeten.

Die ohnehin sehr arme, abgelegene, von größerer Industrie vernachlässigte Gegend wird durch die Trockenheit schwer getroffen. Die Zahl der jungen Auswanderer nach Amerika nimmt zu. 24. März 1882: Generalversammlung des Zentralkomitees für ein Bahnprojekt Marburg-Frankenberg-Korbach-Scherfede. Zur wirtschaftlichen Belebung des Frankenberger Raumes ist man an einer Vollbahn interessiert, mindestens jedoch an einer Sekundärbahn. Vertreter aus dem Kreis Biedenkopf legen Wert auf eine Streckenführung über Rennertehausen.

In einem Bericht der Lokalzeitung am 16. April 1882 wird der Handelsminister gebeten, einen Blick auf die Stelle der Landkarte zu werfen, auf der die Frankenberger Gegend verzeichnet ist. Er würde alsdann feststellen, dass hier noch eine auffallend große Fläche deutschen Landes sei, die keinerlei Eisenbahnverbindung habe. Die Regierung möge die Notwendigkeit der Staatshilfe auf diesem Gebiete bald ernstlich erkennen, wenn sie nicht erleben wolle, dass das Wenige von bestehender Industrie gänzlich verschwinde, der Bauernstand total verarme und die schon jetzt bedenkliche Auswanderungssucht aus dieser Gegend riesige Dimensionen annehmen solle. 1883 rückt nach der Fertigstellung der Nebenstrecke Marburg-Laasphe die Bahn mit Sarnau ein Stück näher. Nach wie vor aber bedeuten die weiten Wege bis zur nächsten Bahnstation hohe Landfrachten und einen erschwerten Absatz der Produkte.

Weitere Folgen der Eisenbahnferne des Kreises Frankenberg sind ein anhaltender Rückgang in den wirtschaftlichen Verhältnissen seiner Bewohner, die Entwertung des Grundbesitzes und eine ständige Abnahme seiner Einwohnerzahl, deren überschüssige Arbeitskräfte in die Industriegebiete Westfalens und nach Amerika auswandern. Die bedeutendsten Orte der Gegend sind laut eines Gutachtens vom Februar 1886 Wetter, eine Stadt von 1200 Einwohnern mit einer Papierfabrik und Kalköfen, Münchhausen (rund 1000 Einwohner, Sandsteinbrüche) und die Kreisstadt Frankenberg mit rund 2700 Seelen (Wollspinnereien und Gerberei). Für den Verkehr der Eisenbahn kommen als überwiegende Ausfuhrartikel Kartoffeln, Vieh, insbesondere Schafe, Holz, Kupfer- und Manganerz, Kalk, Sandsteine und Schiefer sowie als Erzeugnisse der Industrie Papier, Leder und Wollfabrikate in Betracht. Künstlicher Dünger, Kohlen- und Basaltsteine werden dagegen vornehmlich die Einfuhr bilden.

Von der Wiener Möbelfabrik Thonet ahnt in Frankenberg zu diesem Zeitpunkt noch niemand etwas. Im März 1886 wird ein Armenverein zur Sammlung von Geld und Verteilung von Brotmarken an 30 arme Familien mit mehr als 120 Personen gebildet. Der Landtag genehmigt am 6.April 1886 den Bahnbau von Sarnau nach Frankenberg. In Frankenberg herrscht über diesen Beschluss, endlich durch einen Schienenstrang mit der übrigen Welt verbunden zu sein, große Freude. Eine Führung über Bottendorf kommt nicht in Betracht, weil sie länger und wegen eines 400 Meter langen Tunnels zu teuer ist. Den Wünschen des Kreises Biedenkopf, die Bahnlinie über Rennertehausen oder über Battenberg zu führen, wird nicht entsprochen. 1888 beginnen die Arbeiten zum Bahnbau. Am 11.September 1888 gelingt der erste Durchschlag des 186 Meter langen Tunnels zwischen Birkenbringhausen und Wiesenfeld. Schließlich scheint es, dass der Eisenbahn-Bau in unserem ärmlichen Landstrich die Ansiedlung größerer Industrie und damit besseren materiellen Wohlstand der Bevölkerung nach sich ziehen wird.

Das Schienen-Projekt durch den Burgwald stößt auf das Interesse eines bedeutenden, auswärtigen Fabrikanten: Thonet. Die damalige Lokalzeitung berichtet am 12. Februar 1889, dass ein bekannter Wiener Fabrikant und Millionär am Bahnhof eine große Stuhl- und Möbelfabrik errichten will. Am 9.Februar 1889 fanden Kaufverhandlungen mit den Eigentümern der Grundstücke am Bahnhof im Rathaus statt. Zuvor hatten Firmenvertreter Holzbestands-Untersuchungen im Waldecker Land vorgenommen, um in Bad Wildungen oder seiner Nähe eine Fabrik zu errichten. Sie fanden aber in den Lotheimer Forsten für Bugholzmöbel bessere Hölzer und zogen deshalb die Neugründung der Fabrik in Verbindung mit dem Bau der Bahnlinie Sarnau-Frankenberg in Frankenberg vor: Es wird die Hoffnung ausgesprochen, dass die Frankenberger Grundstückseigentümer ihre Forderungen nicht überhöhen und dadurch die Firma aus Frankenberg vertreiben.

Mit Thonet ging ein Licht auf - Schlaglichter aus der Geschichte

Einrichtung der Möbelfabrik Thonet, Einweihung der ersten Eisenbahn-Strecke im Raum Frankenberg, Strom, Wasser aus dem Wasserhahn: Ende des 19. Jahrhunderts hält der technische Fortschritt auch in unserer ländlichen Region Einzug.

Rückschlag bei den Arbeiten an der Burgwald-Bahn im März 1889: Ein Teil der Tunnelschalung zwischen Birkenbringhausen und Wiesenfeld bricht, ein kurzes Stück der Decke stürzt ein (heute als Delle im Gelände sichtbar), aber schon im Mai sind die Aufräumarbeiten beendet. In der Zeitung werden kräftige Erdarbeiter bei guten Lohnsätzen gesucht, Philipp Dilloff in Frankenberg empfiehlt Strohhüte für Eisenbahnarbeiter, das Stück für 50 Pfennig.

16. März 1889: In den ersten Tagen ihres Aufenthaltes in Frankenberg spenden die Inhaber der Möbelfabrik Thonet den Armen 500 Mark. Zum Bau des Zweigwerks des Wiener Unternehmens für Bugholzmöbel werden im Oktober 1889 die Arbeiten für drei Brunnen öffentlich ausgeschrieben. Die Gebäude sind fast vollendet, erste Maschinenteile treffen ein. Firmenchef Theodor Thonet leitet die Einrichtung vor Ort persönlich. Während der Bahnbau Sarnau-Frankenberg fortschreitet, findet am 28. Oktober 1889 auf Einladung von Landrat Riesch eine Besprechung in Frankenberg statt. Thema: Bau der Eisenbahnen von Raumland nach Frankenberg sowie von Bestwig über Winterberg und Hallenberg nach Frankenberg.

Anfang November treffen zwei Ingenieure in Frankenberg ein, die mit den allgemeinen Vorarbeiten für die Bahn Frankenberg-Korbach beginnen. Die ganze Region ist vom Eisenbahn-Fieber gepackt. Im November 1889 trifft der 220 Zentner schwere Dampfkessel für die Firma Thonet ein. Der zunehmende Verkehr zum Bahnhof und die schlechte Beschaffenheit des Steinweges (Alter Handelsweg) vor dem Linnertor veranlasst Ende Januar 1890 die Kommunalverwaltung, vom Linnertor aus eine neue Verbindungsstraße (Hainstraße) zu bauen. Auch wird die kleine alte Holzbrücke über die Nemphe bei der Teichmühle durch eine neue ersetzt.

Am 2. Februar 1890 bekommen die Frankenberger einen Vorgeschmack auf brandaktuelle technische Errungenschaften: In der Möbelfabrik Thonet wird erstmals die elektrische Flamme entzündet. Es ist das erste elektrische Licht, das in Frankenberg leuchtet. Die bisherige abendliche Straßenbeleuchtung geht von Petroleumlampen aus. Die Lampen hängen an den Häusern und haben einen spärlichen Schein. Und am 17. März 1890 läuft die erste Dampf-Lokomotive schnaufend und fauchend in den Frankenberger Bahnhof ein. Sie wird wie ein Wunder aus einer anderen Welt bestaunt.

Junge Männer können sich im April 1890 bei Thonet bewerben. Zum Neubau des Arbeiterwohnhauses für 16 Familien werden die Klempner-, Tischler-, Schlosser-, Glaser- und Anstreicher-Arbeiten ausgeschrieben. Auch junge Frauen werden zur Arbeit eingestellt. Zwischen Frankenberg und Sarnau verkehren nach der feierlichen Eröffnung am 30.Juni 1890 (siehe nachfolgenden Bericht) ab 1. Juli 1890 täglich acht Züge, und zwar vier in Richtung Frankenberg und vier in Richtung Sarnau. Die Fahrzeit auf der 26 Kilometer langen Strecke beträgt rund 75 Minuten, in Sarnau besteht Anschluss nach Marburg. Die Züge haben zweite bis vierte Klasse (heute brauchen die Züge bis nach Marburg - 33,4 Kilometer - rund 45 Minuten, in Sarnau hält nur noch der letzte Abendzug werktags).

Nach der Eröffnung der Bahnlinie vor 110 Jahren verbietet Bürgermeister Renner den Hirten das Treiben der Schweine und Kühe auf der Straße vom Neustädter Tor bis zum Bahnhof.Mitte Oktober 1890 trifft der zweite Thonet-Dampfkessel ein. Und es werden weitere Arbeitskräfte eingestellt. Die Beschäftigtenzahl soll von 120 auf rund 200 erhöht werden. Der Stadt Frankenberg wird im Juni 1891 wegen des zunehmenden Verkehrs zum Bahnhof die Baulast zur Unterhaltung der Neuen Brücke über die Eder an der Röddenauer Straße abgenommen. Der Holzbau war öfters reparaturbedürftig und musste zur Vermeidung von Unglücksfällen oft solange für Fuhrwerke gesperrt werden, bis die Stadt eine größere Reparatur vornehmen konnte. Die Holzbrücke wird abgebrochen.

Die Brutto-Einnahme der Stationskasse im Bahnhof von Frankenberg beträgt 1895/96 aus dem Personenverkehr 26165 Mark, aus dem Güterverkehr 61953 Mark. 21642 Fahrkarten wurden ausgegeben. Viehverkehr: Großvieh = Empfang: 167 Stück, Versand: 848 Stück.Kleinvieh = Empfang: 154 Stück, Versand: 6152 Stück. 1. Januar 1900: In Frankenberg zieht ein weiterer Fortschritt ein, der viel zu einer besseren Hygiene beiträgt: Die neue Wasserleitung mit den Hausanschlüssen ist fertiggestellt. Zur großen Freude der Einwohner können diese ihren ganzen Wasserbedarf jetzt den Hausleitungen entnehmen. Für die ärmeren Bewohner befinden sich an verschiedenen Punkten der Stadt Zapfstellen. Bislang musste das Wasser mit Eimer aus Kümpen und Brunnen geholt werden.

Region ist im Freudentaumel

Mit der offiziellen Inbetriebnahme der Burgwald-Bahn zwischen Sarnau und Frankenberg am 1. Juli 1890 erhalten die heimischen Gewerbetreibenden und Landwirte endlich die Chance, ihre Produkte und Erzeugnisse in einem größeren Radius und in weitaus größeren Mengen verkaufen zu können. Die Einweihungsfeier findet einen Tag zuvor, am 30. Juni 1890, in Frankenberg statt.

Der Vortag der offiziellen Inbetriebnahme ist für den Landkreis ein riesiges Ereignis, denn eine neue Zeit hat begonnen. Die Region hat die Chance, mit der Eisenbahn und ihren vielen positiven Begleit-Erscheinungen dem technischen Stillstand und der Armut entrinnen zu können. Man denke nur an die Wiener Möbelfabrik Thonet, die wegen der Bahn Sarnau-Frankenberg ein Zweigwerk in Frankenberg baute, damit vielen Bürgerinnen und Bürgern Arbeit in ihrer Heimat verschafft und die auch den elektrischen Strom mitbrachte. Die Menschen sehen endlich Licht am Ende des Tunnels.

Hier nun ein Bericht, den Heinrich Röser im Frankenberger Heimatkalender 1950 über die Einweihung verfasste. Er schildert anschaulich die feierliche Atmosphäre, die am 30. Juni 1890 allerorten herrscht: An jenem festlichen Montag stellte sich um halb zwölf Uhr auf der Burg ein großer Festzug auf, an dem sämtliche Gäste, Beamten und Bürger der Stadt, alle Vereine und die gesamte Schuljugend mit ihren Lehrern teilnahmen. Unter dem äußerst taktvollen Spiel der Kapelle des Musikvereins, begleitet von einer großen Zahl von Ehrenjungfrauen, bewegte er sich durch die geschmückten Straßen zum Bahnhof. Dort gab es Minuten höchster Spannung. Um 1.10 Uhr wurde der erste Eisenbahnzug von ferne sichtbar und von der harrenden Menge mit brausenden Hurrarufen empfangen. Freudentränen entrannen den Augen. Dem geschmückten Zug entstiegen der Oberpräsident Graf Eulenburg und Oberregierungsrat Pavel in Begleitung einer Anzahl Herren aus Marburg und Wetter.

Landrat Riesch begrüßte diese Lokomotive mit einem Gedicht:"Willkommen, du Roß ohne Hufe,Willkommen, du brausende KraftWillkommen mit freudigem Rufe,Willkommen, weil Wandel geschafft!" Dem Zug war auch die von Marburg herübergekommene Jägerkapelle entstiegen. Sie nahm Aufstellung vor dem Festzug, der sich unter dem abwechselnden Spiel der Jäger und der Frankenberger Musikkapelle zum festlich hergerichteten Burgplatz zurückbewegte. Dort hielt Bürgermeister Renner die Festansprache.

Er dankte Landrat Riesch, allen Persönlichkeiten und Behörden und ließ seine Rede in einem Hoch auf den deutschen Kaiser Wilhelm II. ausklingen, worauf die Musik die Nationalhymne spielte. Um 2 Uhr begann im Gasthof Schmidtmann das Festessen, an dem auch der Oberpräsident teilnahm. Landrat Riesch begrüßte ihn und dankte ihm für den Besuch. Graf Eulenburg erwiderte, dass es keines besonderen Dankes bedürfe, an einer solchen Feier im frohen Kreise teilgenommen zu haben, vielmehr sei es ihm eine Genugtuung, durch die Eröffnung einer Eisenbahn einem seither abseits gelegenen Kreise Gelegenheit zum wirtschaftlichen Aufschwung gegeben zu haben. Frankenberg, das schon in früheren Jahrhunderten der Mittelpunkt großer Verkehrsstraßen gewesen sei, werde nun hoffentlich auch durch die Verbindung mit einer Eisenbahn einer besseren Zukunft entgegengehen. Dann brachte der Oberpräsident ein Hoch auf das Blühen und Gedeihen des Kreises Frankenberg aus.

Mancher Pfropfen knallte bei der Feier des hochwichtigen Tages. Erst gegen zwei Uhr nachts war das Fest zu Ende. Bis dahin herrschte Hochbetrieb in den Gasthäusern, wohin sich die Tanzlustigen des schlechten Wetters wegen von der Burg zurückgezogen hatten. So war denn durch die Eröffnung der Eisenbahn ein lange gehegter Wunsch der Bevölkerung der Stadt und des Kreises Frankenberg in Erfüllung gegangen.

Von Klaus Jungheim (HNA) Quellen: Karl-Hermann Völker, Helmut Wissemann, Heinrich Riemann, Dieter Neliba