Burg Sensenstein

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Reste der Burg Sensenstein
Ehem. Burg-Areal mit Wall, Nord-Sicht

Die Burg Sensenstein stand bis Anfang des 17. Jahrhunderts als Grenzsicherung zu Niedersachsen auf dem Geroldsberg, einer Erhebung über dem Tal der Nieste nördlich von Kaufungen. Von hier aus blickt man direkt in den Kasseler Graben und zum Kaufunger Wald.

Heute erinnern nur noch hohe Wälle an die einstige Größe der Burganlage. Die Gebäude sind restlos abgebrochen. An ihrer Stelle befindet sich die Jugendburg und Sportbildungsstätte Sensenstein des Landkreises Kassel.

Die imposante Metallskulptur des Österreicher Künstlers Prof. Robert Colnago im Eingangsbereich stellt einen Riesen dar und erinnert an die Sage, nach der sich vor langer Zeit die Riesen der Burg Sensenstein und der gegenüber liegenden Burg Sichelnstein mit Felsbrocken beworfen haben sollen.

Geografie

Blick vom Sensenstein nach Kaufungen
(Foto: Jürgen Apel)
Ehem. Guts- und Gasthaus
Hinweisschilder 1954

Im nördlichen Kaufunger Wald liegen zu beiden Seiten der Nieste, die hier die Grenze zwischen Hessen und Niedersachsen bildet, nur knapp zehn Kilometer voneinander entfernt die Reste zweier mittelalterlicher Burgen, die fast völlig verschwundene Burg Sensenstein bei der Gemeinde Nieste und die als Ruine erhaltene Burg Sichelnstein.

Man erreicht den Sensenstein über die Abfahrt 77 Kassel Nord der Bundesautobahn 7 in Richtung Niestetal-Heiligenrode. Vom Abzweig der Kreisstraße 4 an ist die Jugendburg/Sportbildungsstätte Sensenstein ausgeschildert.

Die Wallanlagen der ehemaligen Burg Sensenstein liegen auf dem Grundstück der Jugendbildungsstätte. Sie darf ohne Erlaubnis, die in der Verwaltung vor Ort eingeholt werden kann, nicht von Außenstehenden betreten werden.

Geschichte

Landgraf Hermann von Hessen, damals noch Mitregent, ließ die Burg Sensenstein um 1372 gegenüber der älteren und im gleichen Jahr stark erweiterten Burg Sichelnstein erbauen, um den Räubereien der Braunschweiger auf hessischem Territorium Einhalt zu gebieten. 1438 wurde die Burg wieder erwähnt, als sie von Landgraf Ludwig I. von Hessen als Lehen an den Ritter Sittich von Berlepsch kam, der zuvor Schloss Berlepsch bei Witzenhausen als Lehen innehatte. Bereits 1461 kam es zum Rücktausch: Schloss Berlepsch wurde Stammsitz derer von Berlepsch und die Burg Sensenstein diente dem Landgrafen als Jagdsitz für den Kaufunger Wald.

1483-1561 wurde die Burg mit ihren Gütern erneut hessisches Lehen der Grafen von Berlepsch. Die Burg verlor jedoch zunehmend an Bedeutung und nachdem mehrmals Lehnsherren oder Besitzer gewechselt hatten, verfiel sie zusehends. 1585 war nur noch ein Gutshof vorhanden, der zu der Burgruine gehörte und ab 1601 von Eberhard von Weyhe, Kanzler des Landgrafen Landgraf Moritz von Hessen-Kassel, bewirtschaftet wurde. Ab 1626 lag das Anwesen brach und fand erst 1677 im hessischen Geheimrat Graf Dietrich von Kunowitz einen neuen Besitzer, der die verfallenen Gebäude abräumen und den noch 22 Meter hohen Rest des Burgfrieds sprengen ließ.

1699 erwarb Amalia von Kurland, Gemahlin Landgraf Karls von Hessen-Kassel, und deren Sohn Maximilian den Hof zusammen mit dem benachbarten Gut Windhausen. Beides ging 1767 an den Generalmajor Martin-Ernst von Schliefen über, um schon nach sechs Jahren wieder Hessisches Staatsgut zu werden. 1900 verließ der letzte Pächter den danach unbewohnten Sensenstein. Die Ländereien selbst wurden fortan von Windhausen aus bewirtschaftet.

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg pachtete ein Kasseler Gastwirt die verfallenen Gemäuer des Hofes und ließ das Wohnhaus instand setzen und als Gasthaus einrichten, das bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs betrieben und zu einem beliebten Ausflugsziel wurde.

Jugendburg Sensenstein

Die Anfänge

1946 fanden auf dem Sensenstein die ersten Zeltlagerfreizeiten der Kreisjugendpflege Kassel statt, die in der Folgezeit zur festen Einrichtung wurden und den Landkreis Kassel 1954 bewogen, das gesamte Gelände zu erwerben.

Das alte Fachwerkhaus, in dem sich der Gasthof befunden hatte, wurde als erstes Kreisjugendheim ausgebaut. Am 17. September 1960 legte man den Grundstein für die Jugendbildungsstätte des Landkreises Kassel und am 29. September 1962 konnte die Anlage als Jugendburg Sensenstein mit Bettenhaus, Turn- und Schwimmhalle eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben werden.

1966 erweiterte man die Anlage um ein zweites Gästehaus mit Aula. 1996 brachte sich erstmals der Landessportbund Hessen mit der Finanzierung einer neuen Großsporthalle und der Grunderneuerung des Stadions ein und wurde zum zweiten Träger der Anlage. Die Schwimmhalle erfuhr 2001 eine umfassende Sanierung.

Galerie

Heutige Nutzung

Seither werden die zur Anlage auf dem 20 Hektar großem Gelände gehörenden Einrichtungen auf dem neuesten Stand gehalten. Inzwischen betreibt der Landkreis Kassel gemeinsam mit dem Landessportbund Hessen auf dem Sensenstein die Sportbildungsstätte des Landkreises Kassel, zu der ein Bildungs- und Tagungshaus sowie Sportstätten gehören, von denen viele wettkampfgerecht sind.

Der gut erhaltene Fachwerkbau des einstigen Gasthofs und ersten Kreisjugendheims dient heute der Verwaltung. Die Anlagen stehen nicht nur Sportvereinen sondern als Jugendburg Sensenstein allen Schulklassen und Jugendgruppen sowie der Erwachsenenbildung offen.

Kunst auf dem Sensenstein

"Der Riese" von Robert Colnago
Colnagos Eingangstor zur Jugendburg

Der österreichische Künstler Prof. Robert Colnago schuf im Rahmen des European Art Camp zur Documenta 2002 in der Kunstscheune in Breuna die über vier Meter hohe Metallplastik „Der Riese“, die 2004 vor dem Portal zum Sensenstein aufgestellt wurde und eher einladend als drohend die Besucher begrüßt.

Ferner engagierte sich Colnago bei mehreren Aufenthalten auf dem Sensenstein und in Nieste besonders für die Außengestaltung der Anlage.

So konzipierte er 2006 aus Fragmenten alter Landwirtschaftsgeräte, die auf dem Wasserschloss Wülmersen verrotteten, einen neuen Eingangsbereich zur Jugendburg. 250 Kilogramm Eisenteile fügte er zu einem ausdrucksstarken Tor zusammen.

Literatur

Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen, Gudensberg, 2000, ISBN 978-3861342281

Namenslegende

Missgunst und Witzelei gaben den beiden Burgen diesseits und jenseits der früher braunschweigisch-hessischen Grenze ihre Namen in Verbindung mit Sichel und Sense, ähnlich dem bekannten Beispiel der rheinischen Burgen Katz und Maus.

Der Legende nach errichtete der Braunschweiger Herzog Otto I., genannt Otto der Quade, am Fuß des Staufenbergs eine Burg nur aus dem Grund, den Hessen das Getreide bequemer rauben zu können. In Anspielung hierauf soll er seine Burg Sichelnstein getauft haben, während Landgraf Hermann II. von Hessen ihm die Burg Sensenstein gegenüber setzte und mit dem größeren Namen auch umfassendere Absichten andeutete.

siehe auch

Weblinks