Burgruine Heiligenberg

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Heiligenberg

Die Burgruine Heiligenberg liegt zwischen dem Felsberger Stadtteil Gensungen und Melsungen auf dem 393 Meter hohen Heiligenberg.

Des Hessenlandes Krone

Des "Hessenlandes Krone" heißt der Heiligenberg bei den Einheimischen wegen seines herrlichen Ausblicks ins Edertal bis ins Kasseler Becken und auf die umgebenden Basaltklippen.

Die Burgruine Heiligenberg ist neben der Felsburg und der Altenburg eine von drei mittelalterlichen Burgen in der "Drei-Burgen-Stadt Felsberg" im Schwalm-Eder-Kreis.

An der nördlichen Seite des Berges befindet sich das Kloster Kartause Eppenberg, von dem heute nur noch Mauerreste erhalten sind. Weiter nördlich liegt dann die Domäne Mittelhof, die heute dem Land Hessen gehört und ein Saatzuchtbetrieb ist.

Geschichte

Es wird vermutet, dass der Heiligenberg bereits in vorchristlicher Zeit eine heidnische Kultstätte gewesen sein könnte.

Um das Jahr 1100 ist der Berg im Besitz der Herren von Felsberg. In den Auseinandersetzungen der Landgrafen von Thüringen mit dem Mainzer Erzbischof wird der Berg von 1180 bis 1186 mit Befestigung versehen. Die Burg soll dem Schutz der Stadt Fritzlar dienen sowie den Weg in das zum Erzbistum Mainz gehörende Eichsfeld sichern. Die Burg wird 1186 als "Castrum Heilingenberg" erwähnt. Auf der Burg residieren die Grafen Henrich und Isfried vom Heiligenberg, diese gehören zum Geschlecht der Grafen von Ziegenhain. Bereits 1186 kommt es zu Kämpfen mit den Landgrafen von Thüringen.

Die Anlage wurde mehrfach zerstört und anschließend wieder aufgebaut.

Im Jahr 1232 wird die Burg von Landgraf Konrad von Thüringen belagert und schließlich zerstört. Wegen ihrer strategischen Wichtigkeit lässt sie der Erzbischof von Mainz wieder aufbauen.

1247 stirbt die Familie der Thüringer Landgrafen mit Heinrich Raspe IV. in der männlichen Linie aus. Sophie von Brabant, die Tochter der heiligen Elisabeth, begründet für ihren Sohn Heinrich I. die Landgrafschaft Hessen. In diesem Moment der Schwäche des Gegners beauftragt der Erzbischof die Herren von Wolfershausen aus dem örtlichen Adel, für 200 Mark Silber die Burg wieder aufzubauen. Sie erhalten ein Burglehen auf der Burg. Der hessische Landgraf Heinrich I. setzt die Kämpfe gegen Mainz fort, erobert 1273 den Heiligenberg und zerstört die Burg völlig. Die Burg soll 128 Jahre lang nicht wieder aufgebaut werden.

Erst von 1401 bis 1403 lässt dann Landgraf Hermann II. von Hessen die Burg im kleinen Stil wieder aufbauen und besetzt sie mit Amtleuten, unter anderem mit den Rittern Henne und Hermann Riedesel. Von 1413 bis 1439 wird die Burg Henne von Wehren als Lehen übertragen. Nach dem Sieg der hessischen Landgrafen über das Erzbistum Mainz im Jahr 1427 verliert die Burg ihre strategische Bedeutung und verfällt zusehens. Ab 1458 ist sie in einem derart schlechten baulichen Zustand, dass sie nicht mehr bewohnt wird. Die umliegende Bevölkerung nutzt die Ruine als Steinbruch.

Im Jahr 1471 wird ein letzter Versuch von Landgraf Ludwig II. unternommen die Burg zu erhalten. Die Mönche im Kloster Karthause Eppenberg sollen die Kapelle auf der Burg erneuern und dort einmal wöchentlich für den Landgrafen eine Messe lesen. Die Mönche taten dies jedoch nicht lange, da sie sich nicht der Mühe unterziehen wollten, allwöchentlich den Berg zu erklimmen.

Dies ist die letzte Urkunde über den Heiligenberg und damit endet die kurze Geschichte der mittelalterlichen Burg. Die Burg verfiel endgültig und wurde wie das Dornröschenschloss immer mehr von Bäumen und Büschen überwuchert.

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Im Siebenjährigen Krieg wird der Berg im Jahr 1761 für etwa sieben Wochen von den französischen Truppen als Lager genutzt. Im Edertal kommt es immer wieder zu Scharmützeln zwischen den Franzosen und ihren Gegnern. Daher legen die Franzosen an der Straße von Gensungen nach Heßlar Erdbefestigungen (Schanzen) an. Anschließend fällt der Berg wieder in seinen Dornröschenschlaf.

Die neue Geschichte des Heiligenberges beginnt 1860 mit dem jungen Förster Faber in Melgershausen, der die Schönheit des Ausblicks erkannte, den baumlosen Basaltkegel aufforsten ließ und zur touristischen Nutzung aufrief. Man beginnt mit der Anlage von Wanderwegen, Schutzhütten und Wegmarkierungen auf dem Heiligenberg. Hierzu hat sich ein "Heiligenberg-Club" gegründet, ein Vorläufer des heutigen Heiligenbergvereins. Von 1866 bis 1873 lässt Forstmeister Faber etwa neun Hektar Wald aufforsten. Um 1880 finden erstmals auf der Festwiese am Fuss der Burg Volks- und Bergturnfeste statt. Um 1885 errichtet der "Heiligenberg-Club" auf dem Berg eine kleine Wirtschaftshalle, die später vergrößert wird sowie eine Schutzhütte für Wanderer.

Es folgte die Errichtung eines acht Meter hohen hölzernen Aussichtsturms im Jahr 1902, der im Jahr 1924 bereits baufällig war. 1935 kam die Idee auf Burg Heiligenberg zum "Gauehrenmal" zu erklären, hierzu erhielt der Reichsarbeitsdienst den Auftrag, die Ruine auszugraben und als Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges herzurichten. Von 1935 bis 1939 legte man die Überreste der Burg unter der Leitung des "hessischen Burgvaters" Dr. Textor wieder frei und richtete einen Teil der Burg als Gedenk- und Feierstätte wieder her.

Dr. Textor unterschied drei Bauperioden: die kurzmainzische Festung mit der größten Ausdehnung von 1185/86, die hessische "innere" Burg von 1401 und die Kapelle der Kartäuser Mönche von 1471, die er durch eine Grundmauer deutlich machte.

Die Bevölkerung leistete tätige Mithilfe in Form einer Menschenkette, die Basaltsteine den Berg hinauf reichte. So wurden Teile der Schildmauer und ein runder Turmstumpf teilweise wieder hergestellt und begehbar gemacht. Außerdem ist ein veränderter Torbau erhalten. Auf der Freitreppe auf dem Heiligenberg wurden Theaterstücke aufgeführt, zuletzt 1948 Hofmannsthals "Jedermann".

Nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten die Heimatvertriebenen im äußeren Torbogen eine Erinnerungsstätte an die alte Heimat und hängten die "Glocke der Heimat" auf, die heute bei der Sonnwendfeier geläutet wird.

Der 1946 wieder gegründete Heiligenbergverein Gensungen übernahm die Pflege der Burganlage, spielte auf der Freitreppe Freilichttheater und errichtete in den 1960er-Jahren die sogenannte "Gensunger Spitze" als beliebten Picknickplatz mit Steintischen und Sitzbänken. Daneben kümmert sich der Verein um den Erhalt der Wanderwege auf dem Heiligenberg und die aufgestellten Ruhebänke. Der Heiligenbergverein kümmert sich ehrenamtlich um die Erhaltung der Ruine.

Eine neue Professionalität entwickelte sich im Jahr 2002, als der in den Ruhestand getretene Maurermeister Helmut Groß sich entschloss, dem Arbeitskreis des Heiligenbergvereins beizutreten und die Mauer grundlegend zu restaurieren. Mit Hilfe von Herrn Rudolf Bahl von der Unteren Denkmalpflege (Homberg) wurde ein "Bündnis" mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Person von Herrn Dr. Peer Zietz (Marburg) geschlossen, wobei die Denkmalpflege die Materialkosten übernimmt und der Arbeitskreis des Vereins die Arbeitskraft stellt. Nach der Befestigung der Sandsteinplatten auf dem Turm im Jahr 2002 begannen ab 2003 die Restaurierungsarbeiten an der "inneren Burg" und der Freitreppe. Von 2003 bis 2005 konnten drei von vier Mauern und die Freitreppe restauriert werden. Die Technik der Restaurierung besteht darin, die Mauern von zerstörerischem Efeu zu befreien, eine Wölbung als "Rehrücken" zum besseren Ablauf des Regenwassers aufzumauern und die Wände zu verfugen und zum besseren Austausch von Feuchtigkeit aufzukratzen. Zur Zeit wird die Ost- oder Stirnmauer in Angriff genommen und damit die Mauern der inneren Burg zum Abschluss gebracht. Zweimal im Jahr, zum Abschluss der Frühjahrs- und Herbstkampagne, präsentiert der Verein den erreichten Baufortschritt und erntet große Anerkennung der örtlichen Kommunalpolitiker und der Mitbürger. Der Verein ist stolz darauf, seine Verpflichtung, jährlich etwa 1.000 freiwillige Arbeitsstunden einzubringen, eingehalten zu haben. 2003 wurden 1.836, 2004 wurden 1.586 Stunden und 2005 wurden 1.388 Stunden ehrenamtlich gearbeitet. Am Ende des Jahres 2006 sind noch einmal 1.110 Stunden dazugekommen. Die Ostmauer und damit die gesamte "innere Burg" ist vollendet.

Etwa 15 bis 20 Männer, Rentner aus vielen Berufen, sind unter der Leitung der beiden Vorsitzenden, Fritz Strack und Hermann Herwig, in zwei Mannschaften organisiert, so dass immer eine Woche für die heimische Gartenarbeit und für den Urlaub verbleibt, ein lebendiger Beweis, wie ehrenamtliche Arbeit zur Erhaltung eines Denkmals eingesetzt werden kann.

2002 wurde der Kunstwanderweg Ars Natura mit Werken lokaler Künstler angelegt, der rund um den Heiligenberg führt.

2005 konnten die Funde von 1935, Ziegel, Knochen, Scherben und Metallreste, die im Landesmuseum Kassel archiviert sind, zum 70. Geburtstag in der eindrucksvollen Ausstellung "Die Schätze des Heiligenberges", aufgebaut von der AG für Vor- und Frühgeschichte, im Heimatmuseum Gensungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Heute sind von der Burg die Grundmauern von mehreren terrassenförmig, nach der Talseite angelegten Gebäuden erhalten. Sowie die in den Jahren 1935 und 1939 wieder hergestellten Gebäude.

Siehe auch

Blick vom Heiligenberg auf Melgershausen im März 2010

Quellen

Internet

Sonstige

  • Fritz Strack, (eingereicht per Mail 2007)


Burgen und Schlösser im Schwalm-Eder-Kreis
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