Burgruine Grebenstein

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Burg Grebenstein

Die Burg auf dem Grebensteiner Burgberg wurde im Jahre 1272 erstmals urkundlich erwähnt.

Bereits um das Jahr 1265 zur Zeit des Grafen Ludolph von Dassel wurde auf dem Berg südlich der Stadt Grebenstein eine Burg errichtet, auf der später - im Jahre 1341 - Landgraf Hermann II. von Hessen geboren wurde.

Die Stadt lag im Mittelalter an der "Königsstraße", einer alten Handelsstrasse, die von der Fulda im Süden, über Grebenstein, Hombressen und Gottsbüren zur Weser führte. In einer Urkunde des Bischofs von Münster wird die Stadt selbst im Jahre 1311 erwähnt, die im Verlaufe von etwa 300 Jahren aus einem Marktflecken entstanden war.

Die bis heute zum Teil erhaltene Stadtmauer wurde zeitweilig von bis zu 13 Türmen überragt. Mit dem Jungfernturm, Eulenturm, Pulverturm, Burgtorturm und Lindenturm sind bis heute noch 5 Türme erhalten geblieben, zumindest Reste sind im Stadtgebiet vom Schinderturm und vom Ketzerturm zu finden. Die starke Befestigung der Stadt zeugt von den damaligen kriegerischen Auseinandersetzungen um Gebietsansprüche zwischen dem Erzbistum Mainz und der Landgrafschaft Hessen.

Geschichte

Burgtortum

Die erste urlundliche Erwähnung der ehemaligen Burg Grebenstein stammt aus dem Jahre 1272.

Etwas später findet auch die Stadt Grebenstein im Jahre 1311 als „noua municio“ Greuenstein urkundliche Erwähnung. Der Besiedelung und Bebauung der Altstadt (Oberstadt) folgte im 14. Jahrhundert die Bebauung der Neustadt zwischen Altstadt und Burg. Offenbar zogen Bauern aus den umliegenden Dörfern wegen andauernder kriegerischer Auseinandersetzungen um die nahegelegene Burg Haldessen in die Stadt.

Die einst starke Befestigung der Stadt Grebenstein zeugt von den damaligen kriegerischen Auseinandersetzungen um Gebietsansprüche zwischen dem Erzbistum Mainz und der Landgrafschaft Hessen. Den "mainzischen Riegel" bildeten auf der anderen Seite die Burg Haldessen, Calden und Hofgeismar.

Besonders die Burg Haldessen im Besitz des Erzbistums Mainz lag nahe der Grebensteiner Landwehr auf halbem Weg zwischen Carlsdorf und Udenhausen.

Nach dem Sieg der Landgrafen von Hessen über Kurmainz im Jahre 1427 verlor die Burg Grebenstein ihren militärischen Wert. Im Jahre 1428 wohnten hier nach der Überlieferung aber noch 4 Wächter, der Amtmann, der Rentmeister (Werner von Uffeln) und verschiedene Bedienstete, darunter auch ein Eseltreiber, da die Lebensmittel in dieser Zeit mit Eseln auf die Burg gebracht wurden. Die Zahl der Bewohner ging dann insbesondere nach 1478 immer weiter zurück.

Um das Jahr 1540 wurde die Burg offenbar nicht mehr bewohnt und verfiel zunehmend. Beim Wiederaufbau der Stadt Grebenstein nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde sie auch als Steinbruch genutzt.

Noch erhalten geblieben ist das Mauerwerk des Palasses, 37 m lang und 12 m breit, mit den mehr als 10 m hohen Aussenmauern.

Nach dem Aufstieg zum "Burgberg" kann heute über eine Stahltreppe eine Aussichtsplattform auf dem oberen Mauerwerk der Burgruine erklommen werden. Von hier bietet sich ein beeindruckender Überblick über die historische Altstadt von Grebenstein bis hin zum Reinhardswald.

Der Pfad der Philosophen

Zum Burgberg führt heute der „Pfad der Philosophen“. Im Oktober 2003 wurden auf dem Weg zwischen Burgtor und Burgruine zwölf Granitbänke aufgestellt. Auf jeder Bank ist ein Zitat eines abendländischen Philosophen zu finden:

Bank am Pfad der Philosophen
  • „Die Sonne ist so breit wie ein menschlicher Fuß." (Heraklit, ca. 500 v. Chr.)
  • „Einem guten Mann kann nichts Schlimmes geschehen." (Sokrates, 469-399 v. Chr.)
  • „Wir wissen nichts. Und nicht einmal dies wissen wir, dass wir nichts wissen." (Metrodor, ca. 400 v. Chr.)
  • „Das Gute ist nicht das Sein. Sondern noch jenseits des Seins überragt es dieses an Würde und Kraft." (Platon 428 - 340 v. Chr.)
  • „Die Zeit ist, was am Früher und Später eines Bewegungsverlaufs gezählt wird." (Aristoteles 384 - 322 v. Chr.)
  • „Zeiten sind drei: gegenwärtiges Gewahrsein des Vergangenen, des Jetzigen, des Künftigen." (Augustinus 354 - 430)
  • „Die Intelligenz ist eine göttliche Kraft, die allen Dingen als Erkenntnisfähigkeit innewohnt." (Bruno 1548 - 1600)
  • „Nur mit solchen Gegenständen darf man sich befassen, bei denen man sieht, dass unser Verstand zu ihrer zuverlässigen und unzweifelhaften Erkenntnis genügt." (Descartes, 1596 - 1677)
  • „Wie das Licht sich selbst und die Finsternis offenkundig macht, so ist die Wahrheit der Maßstab ihrer selbst und des Unwahren." (Spinoza, 1632 - 1677)
  • „Es ist überall nichts in der Welt, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille." (Kant, 1724 - 1804)
  • „Materie ist nur der erloschene Geist, und umgekehrt ist Geist die Materie, nur im Werden erblickt." (Schelling 1775 - 1854)
  • „Zufall ist Unbestimmtheit, Freiheit. Aber das Wirken der Freiheit mündet in strengste Gesetzesherrschaft." (Peirce, 1839 - 1914)

Literatur

  • Gero Lenhardt, Mein Reinhardswald, Wandern - Kultur - Freizeit, 1. Auflage, Calden 2013

Mit der Burg Grebenstein fing das Stadtleben an

Aussichtsplattform der Burgruine Grebenstein auf dem Burgberg. Von der Plattform aus bietet sich Besuchern ein herrlicher Panoramablick.

Artikel in der HNA vom 13.05.15 - (Dorina Binienda-Beer)

Vor 750 Jahren wurde die Burg Grebenstein gebaut - Ausstellung im Ackerbürgermuseum

Ohne Burg keine Stadt. Grebenstein verdankt seine Gründung dem trutzigen Bauwerk auf einem aus allen Himmelsrichtungen sichtbaren markanten Basaltkegel, dem Burgberg. Auch wenn von der mittelalterlichen Anlage nur die immer noch imposante Ruine des Palas erhalten ist, mit ihrer Burg identifizieren sich die Grebensteiner bis heute wie mit keinem anderen Ort im Stadtgebiet. Sie ist, wenn auch nicht Teil des offiziellen Wappens, das Wahrzeichen der Stadt. Das könnte jetzt 750 Jahre alt sein.

Eine Urkunde, die den exakten Baustart belegt, ist nicht bekannt. Aber, so weiß Grebensteins ehrenamtlicher Museumsleiter Wolfgang Tölle, Historiker sehen die Anfänge um das Jahr 1265. Denn seinerzeit wurden in Grebenstein für eine feudale Nutzung Ländereien erworben. Als Erbauer der mächtigen Anlage gilt Graf Ludolph V. von Dassel. Die erste Urkunde zur Burg stammt vom 8. Juli 1272. Im August 1297 ging die Burg Grebenstein in das Eigentum des Landgrafen Heinrich I. von Hessen über: Es folgte die Gründung der Grebensteiner Altstadt. Hoch oben auf dem Berg erblickte um 1341 der späterere Landgraf von Hessen, Hermann II. (1377-1413), das Licht der Welt. Hermann der „Gelehrte“, Sohn des Junkers Ludwig von Grebenstein, erneuerte die Burg um 1400.

Im Jahr 1616 ist die Anlage noch vollständig erhalten, sie wird als landgräflicher Fruchtspeicher und Wohnung genutzt. Dann der 30-jährige Krieg: Bayerische Truppen zerstören die Burg. Das Dach stürzt ein, übrig bleibt eine Ruine. Am 8. April 1641 erklärt Landgräfin Amelia Elisabeth, „die Burgk zue Grebenstein wird nicht mehr gepraucht“. Nur der Palas steht noch. In den 1930er- und -60er Jahren gab es Erhaltungsarbeiten, in jüngerer Vergangenheit wurde eine Stahltreppenkonstruktion eingebaut. Wer so ohne viel Mühe den Palaskranz erreicht, genießt einen herrlichen Panoramablick.

Romantik pur im Grünen unter der Ruine lockte lange Zeit junge Liebende an. Ortsansässige wissen: Hier hat sich manches Paar fürs gemeinsame Leben gefunden. Zu Ausflugszwecken pilgern Grebensteiner und Gäste bis heute gerne auf den Burgberg. Die Besucher schätzen neben dem historischen Charme den Reiz der neuen Denklehrpfade. Die Zeit des Burgbergs als beliebter Treff von Vereinen scheint aber vorüber.

Bürgermeister Danny Sutor bedauert das. „Es wäre traumhaft schön, wenn die Grebensteiner Vereine den Burgberg wieder für sich entdecken würden.“ Der Haken: keine ausreichende Infrastruktur. Das ist auch der Grund, warum der vermutete 750-jährige Burggeburtstag nicht größer gefeiert wird.

siehe auch

Weblinks