Burgkapelle

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Aussenansicht der Burgkapelle

Landgraf Wilhelm IX. (später Kurfürst Wilhelm I. von Hessen-Kassel) bestimmte die Burgkapelle der Löwenburg, eine künstlich geschaffene mittelalterliche Burgruine aus dem 18. Jahrhundert, zu seiner Grabstätte. Die Kapelle ist dabei das einzige Gebäude, dass sich nicht in einem ruinösen Zustand befindet und aufwändig geplant wurde. Das imaginäre Entstehungsdatum der Burg „1495“ macht die Kapelle in einem protestantischen Land katholisch. Dieser vorreformatorische Zustand bewirkt den neugotischen Erbauungsstil, die Seitenaltäre, das Weihwasserbecken und das ewige Licht.


Die Kapelle

Die Burgkapelle ist mit reichen Kunstwerken ausgeschmückt. Die vierhundert bis fünfhundert Jahre alten Gemälde sind auf Eichenholz gemalt und mit Gold geschmückt. Sie stellen biblische Geschichten dar. Meist wurden ehemalige Altaraufsätze umgearbeitet.

Ansicht der Kanzel
Gleich zur Rechten vom Eingang aus, ist eine große Darstellung des riesigen Standbildes aus dem alttestamentarischen Buch Daniel (Dan 3,1) zu sehen. Das Standbild besteht aus verschiedenen Materialien. Der Kopf ist aus Gold, die Brust Silber, die Beine aus Kupfer und die Füße aus Ton. Laut dem Bibelbuch Daniel symbolisieren diese Körperteile verschiedene Königreiche. Der Kopf aus Gold kennzeichnet Nebukadnezar, den König von Babylonien.

Als Verzierung des Altars dient ein berühmtes Motiv des Abendmahls nach Albrecht Dürer. Das Bild sieht man von der Mitte der Kapelle. Auffallend ist, dass die Jünger und Jesus stehen, wohingegen sie in den meisten anderen Darstellungen mit diesem Sujet sitzen. Darüber hinaus befindet sich Maria Magdalena unter den Jüngern.

Direkt über dieser Darstellung liegt auf dem Altar eine zweitausendseitige und 270 Jahre alte Bibel. Sie wurde in Wittenberg gedruckt und enthält sowohl das Alte wie auch das Neue Testament.

Die Ausstattung der Kapelle wurde speziell für die Burgkapelle hergestellt. Die Köpfe und Tatzen des Löwen dienen als Verzierung der Möbel, da der Löwe das Wappentier der Landgrafschaft war.

Die Kanzel ist im gotischen Stil angefertigt und ruht auf einem knienden Engel. Durch die Vergoldung wird das feine Schnitzwerk der religiösen Motive hervorgehoben. An den drei Ecken der Kanzel befinden sich kleine Nischen, in denen vergoldete Heilige stehen.

Eine etwa vierhundert Jahre alte Orgel befindet sich auf der rechten Seite vom Eingang. Die kleine Kirchenorgel ist ebenfalls reich verziert. Sie befindet sich auf einer Empore, zu der eine Treppe hinaufführt.

Architektur

Fassade der Burgkapelle

Die neugotische Burgkapelle hat einen dreischiffigen Kirchenraum und der Typus entspricht dem einer Hallenkirche. Das spitze Ziegelgewölbe wird von vier freistehenden Rundsäulen und den entsprechenden Halbsäulenvorlagen getragen. Die vier Evangelisten waren farbig auf dem Gewölbe dargestellt.

Es gibt sieben Maßwerkfenster und ein Rundfenster, die aus Kirchen in Hersfeld, Immenhausen und Obernkirchen (Schaumburg) stammen. Um 1950 wurden die Fenster (die bei einem Bombenangriff zerstört wurden) von der Immenhäuser Werkstatt Richard Süßmuths wiederhergestellt. Die Darstellungen in unterschiedlichen Stilformen stammen aus dem 13., dem 15. und dem 16. Jahrhundert. Sie zeigen Darstellungen der 'Legende der heiligen Radegunde' und anderer Heiligen, Szenen aus der Leidensgeschichte und den Stammbaum Christis sowie Wappenfenster mit dem Mainzer Rad und dem Waldecker Stern in früh- und spätgotischen Stilformen und auch Stilelemente der Renaissance tauchen auf.

Im Chor (Altarraum) befindet sich das steinerne Denkmal eines Rittergrabmals, welches an den vier Ecken durch Darstellungen trauernder Mönche und Nonnen geschmückt ist. An den Seiten des, von Architekten Heinrich Christoph Jussow gestalteten, Sarkophages befinden sich Reliefs auf denen Wappen und Ritter dargestellt sind. Darauf befindet sich eine lebensgroße Skulptur eines Ritters, welcher für die Tugenden des Rittertums steht.

Geschichte

Fassade der Burgkapelle

Für die Planung und den Bau der Kapelle wurden ungefähr fünf Jahre benötigt. Im Jahr 1798 begann man mit den Bauarbeiten über dem schon zuvor fertig gestellten Sockel. Im Jahre 1800 war die Kapelle fertig gebaut, danach benötigte man noch ein Jahr für deren Ausstattung. Am 21. Juni 1801 fand der erste Gottesdienst statt. Die Löwenburg war ein Rückzugsort für Landgraf Wilhelm IX., weshalb er auch die Kapelle privat nutzte. Schon in den damaligen Reiseführern wurde auf die Kapelle hingewiesen. Nach dem Tod des Bauherrn hat die Kapelle und damit auch die Löwenburg eine reine Denkmalfunktion.

Ein Bombenangriff auf die Löwenburg beschädigte die Kapelle nur leicht. Dieser Schaden wurde zu Beginn der 1950er Jahre behoben.

Als man sich 1960 eine mögliche zukünftige Verwendung der Burgkapelle überlegte, zog man kurz in Erwägung dort Hochzeiten zu veranstalten. Doch wegen den vorherrschenden klimatischen Bedingungen wurde dies schnell wieder verworfen.

Jetzt kann die Burgkapelle als Teil der Löwenburg besichtigt werden. Im Jahr 2008 soll mit der Restauration des einst bemalten Deckengewölbes begonnen werden.

Die Gruft

Von Anfang an bestimmte Landgraf Wilhelm IX. die Burgkapelle zu seiner Grabstätte. Im Jahr 1796 hatte man den Sockel der Kapelle fertig gestellt. Die Gruft liegt im westlichen Teil und man betritt sie durch eine Treppe im südlichen Teil der Kapelle. Am Fuß der Treppe wird die Gruft durch eine zweiflügelige Tür verschlossen.

Bis zu Wilhelms Beisetzung hatten niemand außer ihm selbst die Gruft unter der Burgkapelle betreten. Nur der Bauherr hatte als Einzigster den Schlüssel besessen um diesen Ort, seine künftige Ruhestätte aufzusuchen. Am 14. März 1821
Ritterfigur des Grabmals
wurde Wilhelm dort zur letzten Ruhe gebettet. Mit ihm auch der besagte Schlüssel zur Tür. Diese letzte Ruhestätte sollte nur ihm allein dienen. Man vermauerte den Eingang und ein nach Wilhelms Abbild geschaffenes Denkmal, das ihn als schlafenden Ritter darstellte, wurde über der Gruft als Wächter platziert.

Dieses Monument wurde genauso wie der Sarkophag von dem Hofkünstler Johann Christoph Ruhl schon zu Lebzeiten Wilhelms erstellt. 1804 schuf Ruhl den in klassizistischer Form gehaltenen Sarkophag. Außerdem erschuf er zuvor 1803 eine reinweißes Mamorrelief, das Landgraf Wilhelm IX. vereint mit seinen Eltern im Elysium zeigt. Am Rand sieht man noch die von ihm Abschied nehmende, trauernde Hassia, eine weibliche Verkörperung Hessens, die umgeben von Rüstungen, Waffen und einem Löwen ist.

Erst 1951 wurde die Gruft geöffnet, um für die Phase des Wiederaufbaus der Kasseler Elisabethkirche vorläufig Landgraf Friedrich II. aufzubewahren. Im Jahr 1954 brachte man auch den Hofprediger des Landgrafen, Heinrich Bödiger in die Gruft.

Weblinks

Quellen- und Literaturverzeichnis

  1. Dittscheid, Hans-Christoph: Kassel – Wilhelmshöhe und die Krise des Schloßbaues am Ende des Ancien Régime, Charles De Wailly, Simon Louis Du Ry, und Heinrich Christiph Jussow als Architekten von Schloß und Löwenburg in Wilhelmshöhe (1785–1800). Heidelberg 1987
  2. Dötsch, Anja: Die Löwenburg im Schloßpark Wilhelmshöhe, Eine künstliche Ruine des späten 18. Jahrhunderts. Regensburg 2006
  3. Dötsch, Anja: Die Löwenburg im Schloßpark Wilhelmshöhe, Eine künstliche Ruine des späten 18. Jahrhunderts (Broschüre 25) Edition der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. Regensburg 2006
  4. Losch, Philipp: Kurfürst Wilhelm I., Landgraf von Hessen, Ein Fürstenbild aus der Zopfzeit. Marburg 1923
  5. Stadtarchiv Kassel: SS A 68