Burg Ludwigstein

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Burg Ludwigstein

Ihren Namen hat die Burg Ludwigstein von ihrem Erbauer, dem hessischen Landgrafen Ludwig. Sie befindet sich im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis. Heute gibt es auf dem Ludwigstein unter anderem eine Jugendherberge, eine Jugendbildungsstätte und das Archiv der deutschen Jugendbewegung.

Geografie

An der Bundesstrasse B 27 zwischen Witzenhausen und Bad Sooden-Allendorf führt ein Weg zur Burg, die auch für den "Zwei-Burgen-Blick" zur Burg Hanstein bekannt ist.

Geschichte

Die Burg Ludwigstein war die erste von drei Festen, die innerhalb von vier Jahren zur Wahrung der hessischen Grenze im Osten errichtet wurden. Zudem sicherte die Burg eine wichtige Handelsstraße entlang der Werra. 1416 entstanden Schloss Ludwigseck und 1419 Burg Ludwigsau im heutigen Kreis Hersfeld-Rotenburg.

Bau

Im 15. Jahrhundert (ab 1415) ließ der hessischen Landgraf Ludwig I. die Burg auf einem Berg nahe der heutigen Stadt Witzenhausen, am oberen Zipfel Hessens, als Grenzfeste errichten. Der Landesherr Ludwig I. war zum Zeitpunkt des Baubeginns gerade einmal 13 Jahre alt und stand noch unter Vormundschaft.

"Am Donnerstag nach dem heiligen Fest von Peter und Paul war‘s, als sich ein Bautrupp auf Geheiß des Schultheißen zu Homberg an der Efze aufmachte, „zu buwende den ludewygesteyn“ - also den Ludwigstein zu bauen. Im Gepäck hatten sie an diesem 4. Juli 1415 eyn fuder byers, eine Fuder Bier (952 Liter), ein Vorrat, der später noch um ein weiteres Fuder aufgefüllt wurde." Mit dieser ersten Erwähnung im Rechnungsbuch des Schultheißen lässt sich datieren, wann mit den Bauarbeiten begonnen wurde.

Bereits rund zehn Monate nach der Ersterwähnung - am 28. April 1416 - bestellte Landgraf Ludwig I. seinen Marschall Hans von Dörnberg (1380-1438) zum ersten Amtmann der Burg Ludwigstein, der für die umliegenden Dörfer und Witzenhausen zuständig war. Mit ihm auf die Feste zog seine Frau Lena von Neter. Heute wird angenommen, dass das Paar die Baumaßnahmen mit vorbereitet hatte und im Vorfeld für die passende Ausstattung sorgte. In der ersten Inventarliste aus dem Jahr 1416 sind detailliert alle Gegenstände für das tägliche Leben verzeichnet, zum Beispiel Küchengerät, Betten, Waffen und Esel für die Wasserversorgung.[1]

Erster Weltkrieg und NS-Zeit

Als sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer häufiger von Wandervogelgruppen besucht wurde, war sie längst verfallen. Die Jugendgruppen erwarben sie später, um sie für eigene Zwecke zu restaurieren. Doch zunächst verhinderte der Erste Weltkrieg ihre Pläne: 7000 von 13000 Wandervögel kehrten nicht mehr von der Front zurück.

Mit der Machtübernahme der NSDAP am 30. Januar 1933 kam bald darauf das Verbot der unabhängigen Jugendbünde - betroffen war auch die Jugendburg Ludwigstein. Das Streben nach Autonomie und Selbstbestimmung war den Nazis ein Dorn im Auge. Reichsjugendführer Baldur von Schirach bezeichnete die Jugendbewegten als „Erzfeinde der Hitler-Jugend“. Der Ludwigstein - schon damals eines der wichtigsten Symbole der Jugendbewegung - geriet daher in den Blick der Nazis.

Burg Ludwigstein

Am 12. November 1933 wurde die Burg zur Gebietsführerschule der Hitler-Jugend - kurz darauf flatterte auf der Turmspitze über dem Wandervogel eine Hakenkreuzfahne. Während der Einweihung des Gedenkraumes (mitgearbeitet hatten über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren zahlreiche freiwillige Helfer) nur eine Woche später, am 19. November 1933, setzten die neuen Machthaber ein deutliches Zeichen, welcher Wind künftig auf dem Burgberg wehen sollte. Die Sammlung im Archiv der deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein wurde vom Reichsinstitut für nationalsozialistische Jugendarbeit beschlagnahmt und sollte an anderer Stelle ausgestellt werden. Doch der Bestand ging in den Kriegswirren verloren. 1945 startete das Archiv die Sammlung neu, heute ist es eine gemeinsame Einrichtung des Landes Hessen und der Jugendburg Ludwigstein. Verwaltet wird es vom Hessischen Staatsarchiv Marburg.

Ohne Gegenwehr wollte die Vereinigung die Jugendburg Ludwigstein der Hitler-Jugend jedoch nicht überlassen. Vielmehr war die Einweihung des Gedenkraumes der Auftakt einer langjährigen Auseinandersetzung um die Eigentumsrechte der Feste. Die Vereinigung sorgte so dafür, dass die Burg als Symbol der unabhängigen Jugendbewegung bewahrt blieb.

Kriegsgräberstätte

Die Kriegsgräberstätte Ludwigstein unterhalb der gleichnamigen Burg wurde am 25. August 1961 vom damaligen hessischen Ministerpräsidenten Georg August Zinn eingeweiht. Die Stätte sollte nicht einfach ein Friedhof sein, sondern ein westdeutsches, antikommunistisches Zeichen an der innerdeutschen Grenze. Die beiden Türme im Eingangsbereich des Friedhofs, zwei gemauerte Halbschalen, weisen auf die damals exponierte Lage der Kriegsgräberstätte im geteilten Deutschland hin - der Friedhof auf dem Ludwigstein wurde sozusagen zum politischen Platz mitten im Kalten Krieg. Das Besondere an der Kriegsgräberstätte Ludwigstein ist ihr heutiger Status als Forschungs- und Bildungsstätte.

294 Menschen fanden ihre letzte Ruhe auf der Stätte. Sie starben im Zweiten Weltkrieg als kämpfende Soldaten in der Osterwoche 1945, der letzten Kriegswoche, die Nordhessen erlebte. Andere Soldaten wurden von der SS exekutiert. Sie waren von den Machthabern verurteilt worden, wegen Delikten wie Einbruch oder Diebstahl und kamen aus dem Strafbataillon in Schwarzenborn. Einige waren zunächst nach der Hinrichtung am örtlichen Sportplatz verscharrt worden und wurden später nach Ludwigstein umgebettet. Viele, die auf der Kriegsgräberstätte schließlich bestattet wurden, waren Kriegsgefangene und ausländische Zwangsarbeiter. Unter ihnen sind Häftlinge des Arbeitserziehungslager Breitenau (Guxhagen) sowie Frauen und Männer, die in den Sprenstoff-Fabriken in Hessisch Lichtenau arbeiten mussten. Begraben sind auch ehemalige Kriegsgefangene, die in einem Flüchtlingskrankenhaus bei Steina der Tuberkulose erlagen und es somit nicht mehr in ihre Heimat schafften. Ihre Leichen lagen, bevor sie nach Ludwigstein kamen, in Feldgräbern oder auf Gemeindefriedhöfen

Galerie

Teilansicht
Innenhof
Brunnen

siehe auch

Weblinks und Quellen

Einzelnachweise

  1. Aus HNA.de vom 7. Januar 2015: 600 Jahre Burg Ludwigstein: Die erste von drei Festen