Bundesgartenschau 1981

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"Alles anders als anderswo"

Zum zweiten Mal nach 1955 richtet Kassel die Bundesgartenschau aus; mit einer Neuorientierung im Gartenbau und ohne Defizit. Rund 5,5 Millionen Besucher werden vom 30. April bis zum 18. Oktober gezählt.

Zweifel und Kritik an öffentlichen Vorhaben, ja die sei ausdrücklich erwünscht, aber an dieser Bundesgartenschau? Mit einer abwägenden Haltung wollte Bundespräsident Karl Carstens dem Großereignis in der Fuldastadt zur Eröffnung beistehen. "Positive Wirkungen" könne das gestaltende gärtnerische Eingreifen des Menschen in die Natur haben. Dafür sei die Geschichte der in Kassel entstandenen Parklandschaft ein Beweis. Und wem auch das nicht einleuchten wollte, für den hatte Carstens einen Trost parat: "zu wissen, daß sich Natur nur bedingt menschlichen Planungen unterwerfen läßt".

Diese "Planungen" hatten auch besseres Wetter für den 30. April vorgesehen. Aber es goß in Strömen. Regen konnte den Bundespräsidenten jedoch nicht schrecken und auch die matschigen Wege im Freien aus sogenanntem Teutokies nicht, der für einigen Diskussionsstoff im Vorfeld gesorgt hatte. Zwei Stunden verschaffte sich der wettererprobte Wandersmann unter einem grünweißen Schirm einen Überblick über das in Kassel geleistete. Und das konnte sich sehen lassen.

Nicht nur weil Aussteller bei Freilandwettbewerden und Hallenschauen wetteiferten. Neben der bekannten Blütenpracht, die auch jetzt präsentiert wurde, hatten die Verantwortlichen neues zu bieten. Kassel sollte "Maßstäbe setzen", nicht nur durch die Tatsache, daß man anders als bisherige Städte mit den Arbeiten pünktlich fertig war. Kassel sollte herausragen in Städte- und Gartenplanung sowie im Veranstaltungsbereich. Das Motto lautete: "willkommen Phantasie" und "hier ist alles anders als anderswo".

Beispiel Startveranstaltung. Dort brachte Programmacher Eberhard Möbius die Festredner leicht aus der Fassung, als er in Slapstick-Manier mit der Gießkanne Bühnenblumen goß. Und statt einer klassischen Darbietung, einem "Divertimento von Karl-Friedrich Fugenlos opus 6" gab es ein fröhliches Happening von Aktions-, Theater- und Ballettgruppen mit und ohne Stelzen.

Ende Juni 1981 kam Loki Schmidt, die Frau des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, zur Bundesgartenschau nach Kassel. Bei ihrem Besuch in Kassel wurde sie (Mitte) begleitet von (vorn, von links) Carola Börner, Elfriede Wurbs, Buga-Geschäftsführer Hans-Jürgen Taurit und Buga-Pressesprecher Hans-Jochem Weikert. Foto: HNA-Archiv

Mit einem umfangreichen Begleitprogramm von künstlerischen Veranstaltungen sammelte die Buga in Kassel Punkte. Ein "sommerlanges Parkfest" war ganz im Sinne von Oberbürgermeister Hans Eichel. Der konnte zudem auf die "an Fläche größte, mit 60 Mio. DM Kosten auch billigste Gartenschau" verweisen. Was ihn ebenso interessierte, daß Kassel eine Wendemarke in Richtung naturnahes Gärtnern setzte. Mit Rücksicht auf sinkende Wachstumsraten in der wirtschaftlichen Entwicklung und auf ökologische Zusammenhänge habe man auf "die Prachtentwicklung vergangener Bundesgartenschauen verzichtet".

Traditionelle Gartenkultur und alternative Anbauweisen, diese Gegenpole wurden bisher nirgends so deutlich aufgegriffen. Es gab kurzgeschorenen Rasen und Wildwiesen, es gab die barocke Strenge der Karlsaue und die neu geschaffene Freizeit- und Erholungslandschaft der Fuldaaue mit Badeseen und Vogelreservaten. Ein Projekt, daß die Stadt durch die Gartenschau laut Eichel zwei Jahrzehnte früher in Angriff nahm, als sie es "normalerweise getan hätte".

Mit dem Stück erschlossener und gestalteter Natur wurde für die Bürger bleibendes geschaffen. Sie behielten noch mehr Stadtgrün und eine Reihe neuer Verkehrslösungen. Die Treppenstraße war zur Schau für 600 000 DM erneuert worden, um nur ein weiteres Projekt zu nennen. Rund 5,5 Millionen Besucher sorgten schließlich dafür, daß in Kassel die erste Bundesgartenschau ohne Millionenverluste stattfand. Der Etat, der sich am Ende auf rund 65 Mio. DM belief und dem die Stadt und das Land mit jeweils 22,6 Mio. DM zuschossen, konnte ausgeglichen werden. Kassel hatte sich gut verkauft. Auch wenn die Schau "endete, wie sie begonnen hatte: Im Regen". So lautete die Schlagzeile der HNA vom 19. Oktober.

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