Buergel-Noack

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Kuratoren im Doppelpack

Eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zur documenta in der Hochschule. Roger M. Buergel hat seine Rede beendet, und der Moderator bittet um Wortmeldungen. Wie so oft wagt sich erst einmal niemand vor. Endlich meldet sich eine Frau mit einer kritischen Anfrage zu Wort. Die wenigsten Zuhörer wissen im Moment, dass es sich bei der Diskussionsteilnehmerin um Ruth Noack handelt, die Kuratorin an der Seite von documenta-Leiter Roger Buergel und seine Lebenspartnerin.

Beide lieben das Spiel der gegenseitigen Herausforderung und Korrektur. Jeder soll Zeuge werden, dass sie trotz privater Verbindung und langjähriger gemeinsamer Arbeit eigenständig geblieben sind und ihre gegenseitige Unabhängigkeit auch im öffentlichen Gespräch beanspruchen. Und nicht nur einmal passiert es, dass Ruth Noack kritischer nachfragt als alle anderen. Sie hat ein anderes Denken und Fühlen als er und bringt die feministische Perspektive ein.

Ruth Noack Foto: Fischer
Als hörte er sie zum ersten Mal. Roger Buergel während der Rede von Ruth Noack Foto: Fischer
Ist es es nur ein Spiel? Nicht unbedingt. Im ersten Interview nach seiner Berufung sagte Buergel auf die Frage, ob er ein Team-Arbeiter sei: "Ja, ich habe den Prozess gern, in dem das zerstört wird, was ich allein ausgedacht habe. Das gilt sowohl für den Austausch mit meiner Frau Ruth Noack als auch mit Künstlern. Ich werde gerne dekonstruiert, weil mir das hilft, meine Konzepte zu schärfen."

Beide sind ein Team, das in mehreren Ausstellungen die Ausstellung und deren Gesetzmäßigkeiten untersucht und hinterfragt hat. Sie sind aber auch streitende Partner, die sich ins Wort fallen, ergänzen oder ganz einfach dem anderen den Vortritt lassen.

Bei aller Vertrautheit haben sie sich die Neugierde für das bewahrt, was der andere sagt. Etwa bei der Pressekonferenz am 24. 4. 2007, in der das Architekturkonzept vorgestellt wurde: Ruth Noack erläuterte die Struktur der Gebäude. Und während sie sprach sah Roger Buergel sie von der Seite an und hörte ihr zu, als würde er wie die Journalisten erstmals in die Vorstellungen eingeweiht. Buergel blickte sie an, als hätte er gerade erst entdeckt, welche Faszination von ihr ausgeht.

Roger Buergel (Jahrgang 1962) und Ruth Noack (Jahrgang 1964) haben zwei Kinder. Sie leben normalerweise in Wien und haben seit 2000 mehrere Ausstellungen gemeinsam organisiert: "Dinge, die wir nicht verstehen" (Wien, 2000), "Formen der Organisation" (Leipzig,Lüneburg, 2003), "Die Regierung" (Lüneburg, Barcelona, Miami, Wien, Rotterdam, 2003-05).

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