Braunkohleabbau im Reinhardswald

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Am Ahlberg im Reinhardswald: Relikt aus dem Bergbau

Schon seit vielen Jahrhunderten liefert der Reinhardswald wichtige Naturressourcen für den Menschen und bietet seit vielen Generationen Holz, aber auch Ton und Sand und nicht zuletzt Nahrung und Wasser als Lebensgrundlage.

Über einen langen Zeitraum hinweg gehörte auch Braunkohle zu den verwerteten Rohstoffen. Längst ist das Braunkohlevorkommen im Reinhardswald noch nicht erschöpft, auch wenn der Abbau längst eingestellt wurde.

In der Zeit vom 1592 bis 1969 wurde Braunkohle im Reinhardswald gewonnen (Grabungen gab es auch in Beberbeck und Gottsbüren). Besonders im südlichen Reinhardswald wurde Braunkohle abgebaut, am Ahlberg, am Gahrenberg und am Möncheberg.

Braunkohleabbau am Ahlberg

Seit Herbst 2007 führt der EcoPfad Ahlberg-Mariendorf über den Ahlberg im Reinhardswald.

Mehrere Schautafeln an verschiedenen Stationen erläutern die geologischen und archäologischen Besonderheiten des Ahlbergs, darunter den Ringwall und die Warte (8. - 10. Jahrhundert), die Wüstung Reinersen (11. - 16. Jahrhundert), die Tongruben und Ziegelhütte (13. - 15. Jahrhundert) oder die Bergbaustätten (1755 - 1925).

Die Kohle wurde am Ahlberg in geringer Tiefe unter Tage abgebaut. Mit der Kohle belieferte man seinerzeit auch die Garnison in Hofgeismar, Branntweinbrennereien oder die Ziegelhütte am Ahlberg. Zu den Bodenschätzen am Ahlberg gehörte auch der hochwertige Ton, der in früherer Zeit zur Gebrauchstöpferei und Ziegelherstellung benötigt wurde. Eine Station des Eco-Pfads verweist auf die im Gelände sichtbaren vielen Vertiefungen (Pottkaulen) und erinnert an die Töpfereien des im Mittelalter nahe gelegenen Töpferdorfs Reinersen.

Am Ahlberg wurde, ähnlich dem Gahrenberg, vom 18. Jahrhundert an bis 1925 Braunkohle untertage mit Hilfe eines Schrägstollens abgebaut. Von diesen Aktivitäten zeugen noch Relikte, so ein Natursteinfundament mit vier eingelassenen Gewindestangen und der aus Backstein errichtete, etwa sieben Meter hohe Be- und Entlüftungsschacht an der Hauptstraße der Ahlberg-Siedlung. Daneben befand sich der 29 m tiefe Förderschacht.

Weiterhin wurde eine Lore aufgestellt, die einst dem unterirdischen Transport der Kohle diente.

Nicht mehr erhalten ist das Steigerhaus aus dem Jahre 1920, ein Fachwerkhaus mit wechselvoller Geschichte, das bis zum Jahre 2008 noch zu den wenigen älteren Häusern gehörte, die noch in der Ahlberg-Siedlung vorhanden waren. Das Haus sollte bei seiner Errichtung zunächst als Wohnsitz des preußischen Forstbeamten Heinrich Paul und seiner Familie dienen. Als dieser den begonnenen Rohbau nicht zu Ende führen konnte, kaufte ihn die "Gewerkschaft Ahlberg" bei der Wiederaufnahme der Braunkohlenförderung ab dem Jahre 1920 und richtete hier - anstelle des alten Steigerhauses am Förderschacht von 1789 - das Wohnhaus für den Betriebsleiter der Zeche (den Steiger) ein, offenbar aber auch die Verwaltung der Zeche. Bereits im Jahre 1925 wurde der Zechenbetrieb wieder eingestellt und das Steigerhaus gehörte danach verschiedenen Eigentümern.

Braunkohleabbau im Bereich von Holzhausen

Bereits im Mittelalter war Holzhausen ein Bergbau-Standort und noch heute sind Spuren des Kohleabbaus zu finden. Besonders im südlichen Reinhardswald wurde Braunkohle abgebaut, am Ahlberg, am Gahrenberg und am Möncheberg.

Erstmals wurden 1592 und 1611 Kohlenbergwerke zu Holzhausen erwähnt. Bald darauf betrieben die Landgrafen von Hessen die Zechen von 1617 bis 1666, um Kohle für die Eisenhütte in Knickhagen zu gewinnen. Diese frühesten Bergwerke befanden sich vermutlich am Osterberg. Entlang des östlichen Osterbachtals befand sich ein Braunkohlenvorkommen von ca. 1,5 km Länge und 200 bis 300 m Breite.

Während der Braunkohlenabbau hier bis zum Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde, wurde die ebenfalls im Reinhardswald gelegene Zeche Gahrenberg bis zum Jahre 1970 betrieben.

Schon im 16. Jahrhundert baute Johann Pfeffer aus Kassel am Gahrenberg einen Stollen zur Kohlegewinnung. Andere Zechen kamen hinzu. Am Ahlberg wurde, ähnlich dem Gahrenberg, zumindest vom 18. Jahrhundert an bis 1925 Braunkohle untertage mit Hilfe eines Schrägstollens abgebaut (siehe dazu auch die Regiowiki-Artikel zum Ahlberg und zum Eco-Pfad Ahlberg-Mariendorf).

Und in der Zeche Wilhelmshausen wurden in der Zeit von 1900 bis 1922 etwa 780000 Tonnen Kohle gefördert, bevor die Vorräte in diesem Areal als abgebaut galten.

Nach der Stilllegung der Zeche Wilhelmshausen nahm die Firma Wegmann die Zeche Kleeberg (zum Eigenbedarf) in Betrieb.

Von 1923-1955 baute die Kasseler Firma Wegmann Braunkohle ab. Häufige Wasser- und Schlammeinbrüche erschwerten den Abbau in dieser Zeche erheblich und stellten eine Gefahr für die Bergleute dar.

Wegen eines Grubenbrandes im Jahr 1949 konnte der westliche Bereich allerdings nicht vollständig abgebaut werden.

Für dieses neue Bergwerk war die Seilbahnstrecke vom Osterberg um ca. weitere 3 km erweitert worden. Bereits 1893 war eine ca. 4 km lange Kohlenseilbahn vom Osterberg zum Verladebahnhof Speele auf dem rechten Fuldaufer errichtet worden, um von dort die Kohle per Eisenbahn weiter nach Kassel zu transportieren.

Schon im 16. Jahrhundert begann der Braunkohlenabbau am Osterberg. Die hessischen Landgrafen gewannen dort im 17. Jahrhundert Kohle für ihre Eisenhütte in Knickhagen. Vom 18. Jahrhundert bis 1964 gab es eine Vielzahl von Zechenbetreibern an unterschiedlichen Standorten. 1893 entstand dann eine ca. 4 km lange Kohlenseilbahn zum Verladebahnhof Speele, die später zu den Zechen an Gahrenberg und Kleeberg erweitert wurde.

Ebenfalls durch die Kasseler Firma Wegmann wurde in den Jahren 1954 bis 1955 nördlich der Gewerkschaft Holzhausen ein 3,5 m dickes Flöz in 9 m Tiefe abgebaut und 1954 konnte in südlicher Richtung ein weiteres, 12 m mächtiges Flöz, erschlossen werden, das den Namen Zeche Neue Hoffnung erhielt. Hier fand Bergbau bis zum Jahr 1964 statt.

Braunkohlenzeche Gahrenberg

Schon im 16. Jahrhundert baute Johann Pfeffer aus Kassel einen Stollen zur Kohlegewinnung am Gahrenberg. Hier fand er auch Alaunerde, ein schwefelhaltiges Mineral, das unter anderem als Beize eingesetzt wurde. Beim Alaunteich am Gahrenberg lassen sich noch die Reste einer frühneuzeitlichen Alaun-Manufaktur erkennen.

Besonders aber der Abbau der Braunkohle hat eine lange Tradition im südlichen Reinhardswald. Ende des 19. Jahrhunderts lag die jährliche Braunkohle-Förderung bei etwa 2300 Tonnen, vor dem Zweiten Weltkrieg sogar bei 10000 Tonnen pro Jahr.

Keineswegs nur zur Wärmegewinnung oder zum Antrieb von Dampfmaschinen diente die im Reinhardswald gewonnene Braunkohle, die im 19. Jahrhundert gleich in mehreren Bergwerken im südlichen Reinhardswald gewonnen wurde. Drei davon lagen am Gahrenberg, zwei weitere am Ahlberg und am Möncheberg.

Im Forstbetrieb Gahrenberg wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine werkseigene Braunkohlenzeche der Farbenfabrik Habichs Söhne eröffnet, die neben Braunkohle auch ein für die Farbenherstellung benötigtes Mineral lieferte. Bekannt wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders das „Casseler Braun“ der Farbenfirma, die inzwischen in Veckerhagen ansässig geworden war und am Gahrenberg die weniger verkohlte Schmier- und Farbkohle abbaute. Nach dem Erwerb der Braunkohlenzeche im Reinhardswald im Jahre 1834 gehörten auch Farbkohlen sowie Nussbeizen und natürliche Erdfarben zur Produktpalette.

Bis 1970 wurde am Gahrenberg Braunkohlen-Bergbau (mit Schrägstollen) betrieben. Lange Zeit danach war das Steigerhaus am Gahrenberg aus der Mitte des 19. Jahrhunderts noch ein beliebtes Ausflugsziel.

Literatur

  • "Farbe als Verkaufsschlager - Braun- und Farbkohleabbau im Reinhardswald", Artikel von Antje Thon in HNA - Ausgabe Hofgeismar vom 4.12.2009
  • Nobert Lippenmeier, Das Steigerhaus am Ahlberg, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2006, S. 11 ff.

siehe auch

Wandern

Weblinks