Brüderkirche

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Die Brüderkirche mit Renthof in Kassel an der Fulda Foto: G. Pöpperl

Die Alte Brüderkirche ist das älteste hochgotische Baudenkmal der Stadt Kassel. Ursprünglich entstand sie als Kirche des Karmeliter-Ordens. Die Kirche war zudem Ausstellungsort während der documenta 9 unter der Leitung von Jan Hoet. Hier fanden die von Elisabeth Jappe organisierten Performances statt.

Bauwerk und Geschichte

Im Jahr 1298 begannen Mitglieder des Karmeliterordens (Brüder des Ordens userer lieben Frau vom Berge Karmel) mit dem Bau einer gotischen Kirche nahe dem Landgrafenschloß an der Fulda. Der Orden hatte sich bereits 1262 auf Einladung von Landgraf Heinrich I. in Kassel niedergelassen.

1331 konnte der Chor geweiht werden, die endgültige Fertigstellung des Gebäudes dauerte bis 1376. Es ist heute das älteste der Stadt.

Als erste durch die Reformation bedingte Auflösung gab des Kloster in 1526 seine Existenz auf. Im gleichen Jahr wurde die benachbarte, auf dem Marsäller Platz gelegene Pfarrkirche abgebrochen. Die Gottesdienste fanden nun in der Brüderkirche statt.

Nach der Zerstörung in der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 1943 wurde die Brüderkirche wieder aufgebaut und am 23. Oktober 1955 eingeweiht. Die Altstadt mit ihren Gassen und kleinen Häusern wich dagegen modernen Straßenzügen. Da der überwiegende Teil der Gemeindemitglieder entlang der Weserstraße wohnte und die Entfernung zur Pfarrkirche sehr weit war, wurde 1971 ein neues Gemeindezentrum an der Weserstraße 26 gebaut. Dort wurde dann auch die "Neue Brüderkirche" von der Altstädter Gemeinde errichtet.

Die Brüderkirche

Die nunmehr "Alte Brüderkirche" wurde entwidmet und die "Stiftung Alte Brüderkirche" gegründet. Heute dient sie kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen. Hervorzuheben ist hierbei die Reihe "achtmal alte brüderkirche". Musiker, Künstler und Theologen lassen die gotische Hallenkirche zu einem Labor der Erfahrung und Spiritualität werden. Zu besonderen Zeiten wie der Osternacht, dem Heiligen Abend und zu Goldenen Konfirmationen und Hochzeiten, dient die Kirche ihrer Gemeinde wieder als Gottesdienstraum. Für den Gottesdienst dient aber auch der alte Kapitelsaal des Klosters, der sich in einem kleinen Gebäude an der Brüderstraße befindet. Die Altstädter Gemeinde nahm die griechisch-orthodoxe Gemeinde Kassels auf und übergab ihr den Kapitelsaal für ihre Gottesdienste.

Über dem Hauptportal befindet sich ein hochgotisches Sandsteinrelief, die Beweinung Christi, das um 1500 entstand. Von den anschließenden Gebäuden des Karmeliterklosters haben sich kaum mittelalterliche Reste erhalten. Nach der Reformation zog hier das Konsitorium und die Hofschule ein. Ihr berühmtester Schüler war Heinrich Schütz (1585-1672), der von 1612 bis 1617 Organist der Kasseler Hofkapelle war. Die Hofschule wurde dann als Ritterakademie weitergeführt.

Von 1633 an bestand hier die Universität Kassel, bevor sie 1653 wieder in die Landesuniversität Marburg integriert wurde. Das Renaissanceportal am heutigen Eingang zum Alters- und Pflegeheim zeigt das Doppelwappen des Landgrafen Moritz und seiner zweiten Ehefrau Juliana Gräfin von Nassau; es trägt die Jahreszahl 1617. Den Trakt parallel zur Fulda hatte Landgraf Wilhelm IV. als sein Kanzleigebäude (Rentamt) im 16. Jahrhundert errichten lassen. Für diesen gesamten Baukomplex ist die Bezeichnung Renthof geläufig, obwohl streng genommen damit nur der von den Gebäuden umschlossene Platz bezeichnet ist.

Sanierung

Bis April 2011 wurde die Brüderkirche für 225.000 Euro saniert. Zehn Jahre nach der umfassenden Sanierung wegen eines schweren Schadens am Fundament zeigten sich an einigen Stellen tiefe Risse in den Wänden. Damit war es höchste Zeit, den Innenraum wieder instand zu setzen.[1]

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Aus HNA.de vom 25. Januar 2010: Kur für Alte Brüderkirche

Weblinks

  • Quelle Abs. 1 -3: Frank-Roland Klaube (damals Stadtarchivar), Chronik der Stadt Kassel, Wartberg Verlag 2002 -kt