Borkener Braunkohlerevier

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Vom Braunkohle-Bergbau ist in der Landschaft um Borken - außer schönen Seen und den unter Denkmalschutz stehenden Resten des Kraftwerks - kaum noch etwas zu sehen.

Aber die in Borken vorhandene starke Bergbauverbundenheit ließ ein sehr schönes und informatives Braunkohlebergbaumuseum entstehen, noch dazu in einem historischen und prächtigen Fachwerkhaus, dem "Alten Amtsgericht". Zum Museum gehört aber auch ein Freigelände, der so genannte "Themenpark" mit Elektro-Zügen und Großbaggern und einem "Minikraftwerk".

Auch ein so genannter "Bergbaurundwanderweg" mit Fragmenten der ehemaligen Großgeräte wurde erstellt und wird gepflegt.

Der Braunkohlenbergbau und das Borkener Kraftwerk

In Borken stehen heute an wichtigen Stellen von einem renommierten Künstler geschaffene "Plastiken" aus Bergbau- und Kraftwerksmaterialien und auch Werkzeugen. Diese sind typisch für die einzelnen dort notwendigen Berufe und Tätigkeiten ausgestaltet und sollen auf die traditionsreiche Vergangenheit hinweisen.

Auch die Traditionen werden von den ehemaligen Bergleuten im "Bergmannschor" und dem "Bergmannsverein" gepflegt; ebenso sind auch die "ehemaligen Kraftwerker" stolz auf ihre Vergangenheit und veranstalten regelmäßig und auf Wunsch Vorführungen im "Kraftwerk in Kleinformat" mit fast realer Ausgestaltung auf dem Freigelände.

Das Kasseler Kraftwerk war eng mit dem Borkener Werk vernetzt

Eisenbahner und auch südliche Bahnnutzer werden Borken kennen, Ältere sich sicher auch an den Bergbau und das stattliche Braunkohlekraftwerk erinnern, aber ansonsten ist aus der Sicht der Großstadt Kassel Borken sicher "tiefste Provinz". Jedoch sind die Verflechtungen besonders durch die ehemalige "Preußische Elektrizitäts AG" und heutige Nachfolgefirma E.ON sehr eng.

Das Kasseler Kraftwerk an der Dennhäuser Straße war früher ein "selbständiges Werk", hat jedoch eng mit dem Borkener Werk zusammen gearbeitet. Dies waren oft personelle Aushilfen; aber auch andere Gründe machten eine enge Zusammenarbeit oft nötig. Durch das "elektrische Überlandnetz" bzw. "Freileitungsnetz" waren die Verknüpfungen in einem weiteren wichtigen Bereich der Energieverteilung gegeben.

Grubenunglück von Stolzenbach

Seit den 1950-er Jahren wurde in der Schachtanlage Stolzenbach im Borkener Braunkohlerevier Kohle im Untertagebau gefördert. Überregional bekannt wurde der Borkener Ortsteil Stolzenbach, als am 1. Juni 1988 durch eine Explosion in der bis zu 170 m tiefen Grube Stolzenbach 51 eingefahrene Bergleute ums Leben kamen. Sechs weitere Bergleute konnten nach 65 Stunden aus dem Stollen gerettet werden. Mit Hilfe eines Richtmikrofons und unzähligen Metern zusätzlichen Kabels gelang es seinerzeit, ein Rundfunk-Mikrofon in die Tiefe zu lassen, wo dann Scharren und Klopfen aus der Tiefe zu hören war.

Wenige Tage nach dem verheerenden Grubenunglück von Stolzenbach gab es einen Gedenkgottesdienst. Für jeden der 51 Toten wurde eine Kerze entzündet. Bis zum Herbst 1988 trafen sich Angehörige und Hinterbliebene alle zwei Wochen, später in größeren Abständen – insgesamt drei Jahre lang.[1].

Der Bergbau in der Grube Stolzenbach wurde nach dem Unglück eingestellt und an der Stelle, an der sich der Seilfahrtschacht befunden hat, ein Gedenkstein gesetzt. 22 Jahre nach dem Grubenunglück wurde das Ereignis aufgerollt und vor Gericht erörtert[2]. Am 7. Juli 2010 begann ein Prozess vor dem Landgericht Kassel, in dem die Witwe eines damals tödlich verunglückten Bergmannes klagte. Die Zivilklage auf Schadensersatz richtet sich gegen den damaligen Bergwerksdirektor und gegen die EON-Kraftwerke GmbH als Rechtsnachfolger. Grundlage für das Verfahren waren Recherchen der hr-Autoren Oliver Schmid und Nick Pietzonka. Bei ihren Recherchen für die Dokumentation "Der Tag, als die Grube explodierte" stießen die Journalisten im Archiv des Regierungspräsidiums Kassel auf ein brisantes Gutachten. Die Gefahr, dass der Braunkohlenstaub im Borkener Revier explosionsgefährlich war, soll der Grubenleitung und den Bergbehörden mehr als 20 Jahre vor dem Unglück bekannt gewesen sein[3]. Gegen das klageabweisende Urteil des LG Kassel [4] legte die Klägerin Rechtsmittel ein.

Am ehemaligen Seilfahrtschacht befindet sich heute die Gedenkstätte Schachtanlage Stolzenbach, an der Hinterbliebene alljährlich am 1. Juni zum stillen Gedenken zusammenkommen.

Betreut wird die Gedenkstätte durch das Hessische Braunkohle Bergbaumuseum.

Hessisches Braunkohle- und Bergbaumuseum

Hessisches Braunkohle- und Bergbaumuseum in Borken

Das Hessische Braunkohle- und Bergbaumuseum in Borken führt mit nachempfundenen Grubenanlagen und einem Freiluftgelände - dem so genannten "Themenpark" - die Funktionsweise eines Kraftwerk realistisch vor.

Hier wird die Geschichte der im 20. Jahrhundert zu Ende gegangene Bergbau- und Kraftwerkarbeit der Nachwelt erhalten.

Auch das große und tragische Grubenunglück am 1. Juni 1988 in Stolzenbach wird dargestellt, bei dem seinerzeit 51 Kumpel starben.

Das Museum ist untergebracht im Gebäudeteil "Altes Amtsgericht" (mit den angegliederten unterirdischen nachempfundenen Grubenanlagen), erstreckt sich aber auch auf ein Freiluftgelände - den so genannten "Themenpark" -, wo mit Großgeräten, elektrischen Abraumzügen und einem "Minikraftwerk" die Funktionsweise eines Kraftwerk realistisch vorgeführt wird.

Ausführlich wird auf die Borkener Region als Sitz eines der "wichtigsten Unternehmen in Nordhessen", der "Preag" eingegangen. Auch heute noch ist Borken für das "e.on-Stromleitungsnetz" ein wichtiger Knotenpunkt.

Rekultivierung

Die Universität Kassel war seinerzeit und wohl auch noch heute maßgeblich über ihre "landwirtschaftliche Sparte" an der Rekultivierung bzw. der auch teilweise der Natur überlassenen ehemaligen Tagebauflächen - im besonderen "Löcher" und "Kippen" - beteiligt.

Hierbei "durften" sich einige der "Löcher" mit dem einquellenden Grundwasser füllen, das hier aus dem Buntsandstein im Untergrund mit erheblichem Druck "einströmt"; der naheliegende Kellerwald speist wohl diesen Schatz. Der größte dieser nun entstandenen Seen, ist der ehemalige Tagebau "Altenburg IV", südwestlich an Borken angrenzend.

Er bleibt "naturbelassen", ist eingezäunt und das Ufer darf nicht betreten werden; allerdings kann von entsprechenden Standpunkten, auch Aussichtstürmen, die sich neu entwickelnde Flora und Fauna, besonders die Vogelwelt besichtigt und bestaunt werden.

Für Surfer gibt es einen ehemaligen Tagebau, den "Singliser See", seit kurzem ist dort auch Aqua-Golf möglich. Allerdings ist der See nicht gut zum Baden geeignet, da durch das Verkippen von schwefelhaltiger "Kraftwerksasche" das Wasser zu "sauer" ist. Die Borkener Marinekameraden haben hier ein ausgemustertes Kanonenboot der Bundesmarine - als Clubraum umgestaltet - "vor Anker liegen".

Für die Badefreudigen gibt es nahe am Autobahnanschluss (A 49) den Badesee Stockelache. Ein weiterer See, das Restloch des Tagebaus Gombeth, ist im "Entstehen".

siehe auch

Wandern

Der Borkener Braunkohle-Rundwanderweg vermittelt auf vier Teilstrecken die landschaftlichen Folgen des Bergbaus. Er führt zum Borkener See, der Gombether Grube oder der Gedenkstätte in Stolzenbach.

Startpunkt des 32 Kilometer langen Braunkohlerundweg ist das Museumsgebäude in der Borkener Altstadt. Die Wanderung führt durch insgesamt zehn Stadtteile und die Borkener Kernstadt, vorbei an 20 früheren Bergbaubetrieben, hin zu den Standorten des Hessischen Braunkohle Bergbaumuseums. Auch die Gedenkstätte Stolzenbach, die an das Borkener Grubenunglück des Jahres 1988 erinnert, befindet sich am Braunkohlerundweg.

Weitere ausführliche Informationen enthält die 120-seitige Publikation „100 Jahre Braunkohle Borken – Der Borkener Braunkohlerundweg“, die auch einen Überblick zur Geschichte des Borkener Braunkohlereviers enthält.

Weblinks


  1. HNA vom 30.5.2013: Grubenunglück in Stolzenbach - Hilfsprogramm für Angehörige
  2. HNA-online vom 1.6.2013: Grubenunglück in Borken: Noch sind viele Fragen offen
  3. hr-online vom 28.5.2013 zum Grubenunglück und Gerichtsverfahren
  4. HNA-online vom 14.8.2014 - Grubenunglück in Borken: Richterin weist Klage ab