Bismarckturm (Kassel)

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Bismarckturm

Hoch über der Konrad-Adenauer-Straße in Kassel, auf der Höhe des Brasselsberg, befindet sich der Bismarckturm. Nach dem Tode des Reichskanzler Otto von Bismarck im Jahre 1898, entstanden überall in Deutschland Denkmäler in Form von so genannten Bismarcktürmen, die sich durch eine Feuerstelle für Leuchtfeuer auszeichneten. So auch in Kassel.

Geschichte

Bau

Der Kasseler Bismarckturm entstand in den Jahren 1903 bis 1904 im Rahmen einer Initiative der Deutschen Studentenschaft mit dem Ziel, das gesamte Reichsgebiet mit „gewaltigen granitenen Feuerträgern“ als „Sinnbild der Einheit Deutschlands“ zu überziehen (1898). Sieger des ausgelobten Wettbewerbs war der Dresdner Prof. Wilhelm Kreis mit 3 Entwürfen, von denen das Modell „Götterdämmerung“ etwa 50mal (mit jeweils kleinen Varianten), so auch in Kassel (mit 25,5 m am höchsten) ausgeführt wurde. Bauträger war der Kasseler Verschönerungsverein e.V. Kassel. Das Kasseler Bauunternehmen August Zahn führte die Bauarbeiten durch. Die Arbeiten am Fundament der „Bismarcksäule“, so sollte der Turm ursprünglich heißen, wurden von Februar bis August 1903 ausgeführt. Als Baumaterial für den Turm wurde Basalt- und Tuffstein verwendet, den man in der Nähe der Baustelle gewann und über eine etwa 1000 m lange Gleisanlage zur Baustelle heranfuhr.

Einweihung

Am 2. September 1904 fand die „Feier der Einweihung des Bismarckturmes auf dem Brasselsberg bei Cassel“ statt. Bereits Ende August kursierte eine Flugblatt in Kassel, in dem gegen den Namen des Turmes protestiert wurde: „In den nächsten Tagen wird auf einer Höhe des Habichtswaldes im Angesicht der alten Hauptstadt unseres Landes ein Turm eingeweiht werden, der nach der Absicht seiner Erbauer und derer, die durch ihre Gaben dem Bau ermöglicht haben, dazu dienen soll, durch alljährlich wiederkehrende Festlichkeiten das Andenken an den ersten Kanzler des Deutschen reiches, den Fürsten Bismarck, lebendig zu erhalten und die Gedanken und Gesinnungen, die ihn in seinem öffentlichen staatsmännischen Wirken bewegt geleitet haben, in den kommenden Geschlechtern zu wecken und zu bewahren.“ Das Protest-Flugblatt endete mit den Worten: „Deutschem Kaiser und Deutschem Reich alle gebührende Anerkennung Treue, aber nimmermehr auf dem Weg der Erniedrigung, wie sie für uns Hessen mit dem Namen Bismarck verknüpft ist.“ Mit diesem Flugblatt wurde auf die Ereignisse des Jahres 1866 hingewiesen, als Preußen sich Kurhessen einverleibte. Doch der Protest stieß auf Desinteresse, denn die Kurhessen waren inzwischen zu guten Preußen geworden.

Am Einweihungstag begann um 15 Uhr ein Festzug mit rund 1200 Menschen von der Bergstraße (heute Konrad-Adenauer-Straße) durch den Zeche-Marie-Weg zum Bismarckturm. Um 16 Uhr leiteten Fanfarenklänge der Kasseler Husarenkapelle den Festakt ein. Der Hessische Sängerbund und die Husarenkapelle trugen Beethovens „Die Himmel rühmen“ vor, der Hauptschriftleiter Max Müller sprach einen Prolog. Nach dem Vortrag des Niederländischen Dankgebets hielt Realschuldirektor Dr. Harnisch die Festrede. Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes endete die Einweihungsfeier.

Der Bismarckturm heute

Der Bismarckturm ist bis heute ein beliebtes Ausflugsziel. Von seiner Aussichtsplattform hat man einen schönen Blick in das Kasseler Becken hinein. Der im neoklassizistischen Stil errichtete Turm wirkt heute etwas düster. Der quadratische Turm mit vier massigen Ecksäulen steht auf einem mächtigen Sockel. Über dem Eingang befindet sich die Inschrift „BISMARCKTURM“, darüber wurde der Reichsadler als Relief ausgeführt. Auf der Plattform befand sich früher eine Feuerschale mit abnehmbaren Feuerkästen. Bis zum 1. Weltkrieg fanden hier jährlich am Sedanstag Bismarck-Feiern statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte übrigens der Bismarckturm den Namen „Brasselsberg-Turm“ erhalten, da man zu der damaligen Zeit die Erinnerung an Vertreter des Preußenturms nicht als glücklich empfand. Die Kasselaner erfanden analog dazu den Namen „Brasselsberg-Hering“. Doch der Namen „Brasselsberg-Turm“ setzte sich nicht durch.

Renovierung

Mehrmals musste der Turm renoviert werde. So schlug am 28. Mai 1962 während eines heftigen Gewitters der Blitz in den Bismarck-Turm ein und beschädigte die Balustrade der Nordwestseite. Zuletzt wurde er 1997 gründlich saniert.

Mitte Oktober 2010 wurden die Sanierungsarbeiten an der Aufgangstreppe abgeschlossen und der Bismarckturm wurde wieder für Besucher geöffnet. Eineinhalb Jahre lang war das nicht mehr möglich. Die Besucher steigen nun 120 Stufen auf einer neuen Edelstahltreppe hoch. Die alte, mit Beton ausgegossene Eisentreppe war ein zunehmendes Unfallrisiko, weil sich immer wieder Betonteile lösten, die in die Tiefe fielen. Die Sanierungskosten betrugen 90.000 Euro, die der Eigentümer des Turms - das Land Hessen - trug. Nach einer groß angelegten Reinigungsaktion mit zahlreichen freiwilligen Helfern, die am 30. Mai 2011 stattfand, erstrahlte der Brasselsberger Bismarckturm in neuem Glanz.

Daten

  • Standort: der 434 Meter hohe Brasselsberg
  • Bauzeit: sieben Monate
  • Einweihung: 2. September 1904
  • Höhe: 25,5 Meter

siehe auch

Weblinks