Besser Teichwiesen

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Die Besser Teichwiesen bei Hertingshausen waren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein 13 Hektar großer Fischteich. Heute erstreckt sich dort ein Verkehrsübungsplatz. Der Platz liegt am Eco-Pfad Kulturgeschichte Hertingshausen und Kirchbauna.

Geschichte

Eine Landkarte von 1781: Der große gepunktete Bereich nordwestlich von Hertingshausen mit den Bezeichnungen "Die Lache" und "Im Teiche" markiert die Besser Teichwiesen
Der Fischteich bei Hertingshausen, der wohl nach dem größeren und bekannteren Ort Besse benannt wurde, war einer der größten Satzteiche in Kurhessen. Er wurde von Landgraf Philipp dem Großmütige (1504-1567) angelegt. Wie die Tiere in Wald und Flur gehörten auch die Fische zum Besitz des Landgrafen. Der übertrug das Recht zu fischen auf Untergebene. Noch im 18. Jahrhundert zählte man 150 Teiche im landgräflichen Besitz. So gab es Fischteiche in Mönchehof, Vollmarshausen und Hohenkirchen.

Ein kleiner Bach, Pilgerbach genannt, speiste den großen Teich, der aus den Langen Bergen im Westen von Großenritte kommt. Ein Damm, der heute noch vorhanden ist, staute den Pilgerbach auf. Ein Teichwärter oder Teichknecht, der in einem nahe gelegenen Aufsichtshaus mit seiner Familiie lebte, bewachte die Fischbestände. Er fütterte die Tiere und hielt die Anlage in Stand. Alle drei Jahre wurde das aufgestaute Wasser abgelassen und die Fische in Reusen oder Netzen gefangen. Danach schloss man erneut den Damm und besetzte den Teich mit Forellen oder Karpfen und Hechten.

Wer unerlaubt in den landgräflichen Teichen fischte, musste mit drakonischen Strafen rechnen, die von Geldstrafen bis zu Augen ausstechen und Enthauptung gingen. In trockenen Sommern wurde die Situation für die Fische im Teich kritisch, da der Bach - wie heute noch - austrocknete.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrunderts verringerte sich der Bedarf an Fisch. Schließlich lohnte sich die Bewirtschaftung des Teiches nicht mehr. Die Oberfinanzkammer Kassel ließ 1848 den Teich letztmalig besetzen und danach auflassen. 1850 wurde der Teich letztmalig abgefischt.

Für die nächsten 60 bis 80 Jahre nutzten die Landwirte von Hertingshausen das sumpfige Gelände mit dem sauren Gras.

siehe auch

Quellen und Links