Bernhard Eberhard

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der liberale Revolutionär: Bernhard Eberhard und sein karrieregefährdender Kampf für mehr Bürgerrechte

Er wurde in Schlüchtern geboren, war Staatsanwalt, Hofgerichtsadvokat und Oberbürgermeister in Hanau - und dennoch wurde Bernhard Eberhard zu Kassels Ehrenbürger ernannt. Geboren wurde der Pfarrerssohn Bernhard Eberhard am 6. April 1795 in Schlüchtern. Nach dem Gymnasium studierte er in Marburg, Wetzlar und Gießen Rechtswissenschaften.

Mit 22 Jahren wurde er in Hanau Obergerichtsanwalt und 1822 zugleich noch Staatsanwalt. Im Jahr 1827 wählten ihn die Stadträte der Alt- und Neustadt zum Hanauer Bürgermeister, 1832 schließlich zum Oberbürgermeister. In seine Amtszeit fielen die Reorganisation der Verwaltung, die Neuordnung des Hanauer Schulwesens, die Gründung der Sparkasse Hanau, die Einrichtung einer Armenversorgung sowie die Gründung der Feuerwehr.

Die politischen Wirren des Jahres 1848 gingen auch an Eberhard nicht vorbei. Ausgangspunkt der kurhessischen Revolutionsbewegung war das Gebiet um Hanau. Neben der Bürgergarde bildete sich das bewaffnete Freicorps. Es fand sich eine Volkskommission zusammen, die aus 24 vom Volk bestimmten Honoratioren bestand. Zu ihnen gehörte auch Bernhard Eberhard. Er unterzeichnete am 9. März 1848 das Hanauer Ultimatum mit.

Mit diesem Papier erreichten die 24 vom hessischen Kurfürsten Presse-, Religions- und Gewissensfreiheit, die Wiederherstellung des Petitions-, Einigungs- und Versammlungsrechts, eine Amnestie für politische Vergehen sowie die Besetzung aller Ministerien mit Männern, die das Vertrauen des Volkes genießen sowie die Neuwahl der Ständeversammlung.

Eine Deputation überbrachte das Papier an Kurfürst Wilhelm II. von Hessen-Kassel. Ihren Forderungen verliehen die Hanauer damit Nachdruck, dass "bewaffneter Zuzug aus den Nachbarstädten" bereits vorhanden sei. Der preußische Botschafter am Kasseler Hof berichtete nach Berlin, dies sei "die frechste Eingabe, die die deutschen Untertanen je an einen Fürsten gerichtet haben".

Negative Folgen hatte Eberhards Verhalten für seine Karriere nicht. Der Kurfürst ernannte den im Volk unglaublich beliebten Eberhard aus taktischen Gründen zum Vorstand des Innenministeriums. Als es Kurfürst Wilhelm 1850 gelang, das Ministerium, das von den Bürgern als Eberhard'sches Ministerium bezeichnet wurde, aufzulösen, wurde Bernhard Eberhard, der mittlerweile auch Stadtrat in Kassel war, von seinen Anhängern gefeiert und von den Kasselern am 2. März 1850 zum Ehrenbürger gemacht.

Am 29. Februar 1860 starb Bernhard Eberhard in Hanau, seine Frau Maria überlebte ihn um elf Jahre. Bernhard Eberhard genoss auch in seiner Zeit als Stadtrat in Kassel bei den Bürgern ein hohes Ansehen. Er galt als liberaler Politiker mit sozialer Kompetenz.

Text: Ralph-Michael Krum / HNA

Weblinks


Ehrenbürger Stadt Kassel

Maximilian Freiherr von Ditfurth | Carl Schomburg | Carl Wilhelm Wippermann | Louis Spohr | Bernhard Eberhard | Moritz von Baumbach | Johann Peter Heräus | Johann Daniel Wilhelm Ludwig Schwarzenberg | Karl Bernhardi | Friedrich Oetker | Eduard von Moeller | Franz von Werder | Heinrich Henkel | Graf Julius von Bose | August Albrecht | Otto von Bismarck | George André Lenoir | Gustav Adolf Hupfeld | Eduard von Magdeburg | Friedrich Endemann | Karl Pfeiffer | Josias von Heeringen | Paul von Hindenburg | Georg Seidler | Theodor Schröder | Wilhelm Kniest | Sara Nußbaum | Georg-August Zinn | August Bode | Georg Häring | Rudolf Freidhof | Fritz Catta | Willi Seidel | Karl Branner | Rolf Lucas | Elisabeth Selbert | Christine Brückner | Holger Börner | Max Danz | Richard Wurbs | Jochen Lengemann | Hans Krollmann