Methe-Brüder

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Zwillingsbrüder Methe

Die Handball-Welt trauert um das Schiedsrichter Duo Reiner und Bernd Methe aus Vellmar. Die eineiigen Zwillinge starben gemeinsam am 11. November 2011 bei einem Verkehrsunfall.

Leidenschaft Handball

Der Handball bestimmte ihren Lebensrhythmus. Ohne die Unterstützung ihrer Familien wäre das nicht möglich gewesen. Häufig mussten Ehefrau Susanne und die Söhne Christian und Fabian auf Reiner, Petra und Sebastian auf Familienvater Bernd verzichten. An Wochenenden leiteten die Zwillingsbrüder Spiele, opferten einen Großteil des Jahresurlaubs für Fortbildungen. Rückendeckung erhielten sie auch von ihrem Arbeitgeber, dem Mercedes-Benz-Werk in Kassel.

„Egal in welcher Klasse, Hauptsache man pfeift.“ Das war das Motto von Reiner und Bernd Methe. Und so handelten sie auch: Egal, ob Weltmeisterschaft oder Kreisklasse – Methe/Methe waren immer akribisch vorbereitet. Mit einem Augenzwinkern beschrieben sie sich selbst als „wandelnde Regelbücher“. Der Regelfragen-Katalog des Welthandball-Verbandes war ihre Handball-Bibel.

Die ersten Schritte zum Handball machten die Methe Brüder beim TSV Wolfsanger: Bernd als Torhüter, Reiner als Feldspieler. Als die Zeit für das Training nicht mehr reichte, griffen sie seit 1987 für den TSV Vellmar zur Pfeife. Nur das erste Spiel leiteten sie getrennt. Danach gab es die Zwillingsbrüder auf dem Spielfeld nur noch als Gespann. Bis zuletzt.

Am 11. November 2011 gegen 16.30 Uhr starben Reiner und Bernd Methe bei einem Unfall auf der Bundesstraße 463 bei Empfingen. Sie wurden nur 47 Jahre alt. Sie waren auf dem Weg zu der Tätigkeit, die ihre ganz große Leidenschaft war: Sie hätten das Bundesliga-Spiel zwischen Balingen-Weilstetten und Magdeburg leiten sollen. [1]

Souveräne Schiedsrichter

Wie gut sie ihr Handwerk als Schiedsrichter beherrschten, stellten sie in 670 Bundesliga-Spielen und in den vergangenen 13 Jahren auch in mehr als 200 Partien auf internationaler Ebene unter Beweis. Souverän waren sie in den Duellen auf ganz großer Ebene ebenso wie bei Handball-Spielen in der Heimat. Es war egal, ob die MT Melsungen, der TSV Vellmar oder eine Amateur-Auswahl antrat. In Nordhessen waren die Methes stets auch Handball-Freunde aus der Nachbarschaft. Zwei, die sich zumindest bei Benefizspielen, die sie häufig leiteten, nie zu schade für ein Späßchen auf dem Spielfeld waren – spontan wechselten sie beispielsweise die Rollen und wurden von Schiedsrichtern zu Mitspielern, die sogar Tore erzielten.

Was bleibt, ist die Erinnerung an ein hervoragendes deutsches Schiedsrichter-Gespann. Unbestritten sind ihre sportlichen Verdienste. Beide haben in den vergangenen zehn Jahren internationale Spiele geleitet, darunter im vergangenen Jahr das EM-Finale Frankreich gegen Kroatien. Im Juni 2011 erst wurden sie von den Managern der Handball-Bundesliga zum besten Gespann gewählt – zum dritten Mal in Folge. Es bleibt die Erinnerung an ein stets gut gelauntes Duo, das mit viel Liebe und Leidenschaft der Aufgabe als Handball-Schiedsrichter nachging.[2]

Reaktionen aus der Handball-Welt zum Tod der Methe-Brüder

Ulrich Strombach , Präsident des Deutschen Handball-Bundes: Der tragische Tod zwei unserer besten Schiedsrichter hat mich geschockt. In ihrer langjährigen, auch international hochklassigen Karriere hat mich das Auftreten der Beiden immer sehr beeindruckt. Ihr Tod macht mich tieftraurig.

Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Liga: Das ist ein ganz furchtbarer Verlust - menschlich wie sportlich. Das reißt eine große Lücke. Ich bin am Boden zerstört.

Schiedsrichterchef Peter Rauchfuß: Der Verlust ist nicht zu beschreiben. Ich bin mehr als tief betroffen und weiß nicht, wie wir die Sache verarbeiten sollen. Das ist ein Schicksalsschlag - da zählen für mich nur die Familien.

Balingens Trainer Rolf Brack (saß bei mindestens 60 Spielen, die von Methe/Mehte geleitet wurden, auf der Bank): Wir waren geschockt von der Nachricht, nachdem wir vorher die Ungewissheit erlebt haben, ehe immer mehr Details vom Unfall und den Folgen durchsickerten. Aufgrund der jahrelangen Zusammenarbeit bestand ein enger Kontakt und intensiver Austausch. Dazu kam auch ein herzliches persönliches Verhältnis. Die beiden waren das beste Schiedsrichter-Duo in Deutschland, das nicht nur das Regelhandwerk verstand, sondern auch als Persönlichkeiten glänzten. Sie waren in jeder Situation nervlich stabil und immun gegen Beeinflussung von außen.

Göppingens Trainer Velimir Petkovic: Der Tod der beiden war ein Schock für mich, für meine Familie und für meine Mannschaft. Wir kennen uns seit 17 Jahren und haben uns auch menschlich sehr geschätzt. Ich haben sie nicht nur auf dem Feld sondern auch auf vielen, vielen Videos zur Spielvorbereitung erlebt und die sagen alles über ihre überragende Qualität als Schiedsrichter. Einfach das beste Gespann in Deutschland und nicht nur deshalb ist dieser Verlust eine Tragödie für den deutschen Handball. Flensburgs Trainer Ljubomir Vranjes: Diese Nachricht war ein großer Schlag für mich. Es tut mir unendlich leid, auch für die beiden Familien. Nach 15 Jahren, in denen ich als Spieler und Trainer mit ihnen zu tun hatte, haben wir ein sehr, sehr gutes Verhältnis gehabt. Sie waren auch so beliebt, weil man mit ihnen reden konnte. Sei es vor dem Spiel oder danach. Als Schiedsrichter haben sie immer ihre Linie durchgezogen, und das wurde von allen respektiert.

Weltmeister Henning Fritz: Die Nachricht von ihrem tragischen Unfall machte zunächst per SMS die Runde und hat mich absolut schockiert. Mein Mitgefühl und mein Beileid gilt erstmal den Familien. Methe/Methe haben es geschafft, über viele Jahre auf einem absolut hohen Niveau zu pfeifen und sind dabei in ihren Entscheidungen immer konsequent geblieben.

Martin Schwalb (Präsident HSV Hamburg): Das ist unglaublich tragisch, unfassbar. Wir sind alle schockiert. Man denkt vor allem an die Familien. Beide waren ja auch Papa. Sie waren nicht nur Top-Schiedsrichter, sondern auch sehr sympathische Menschen. Sie haben eine unglaubliche Lebensfreude ausgestrahlt.

Volker Zerbe (Geschäftsführer TBV Lemgo): Diese Sache geht jedem unter die Haut. Jeder ist tief bestürzt. Sie waren über einen sehr langen Zeitraum Bestandteil der Handball-Familie. Menschlich ist das ein riesiger Verlust.

Bob Hanning (Geschäftsführer Füchse Berlin): Ich bin persönlich sehr betroffen und stehe unter Schock. Das geht mir sehr nahe. Sie waren immer Leute, die im Sinne des Sports gehandelt haben. Mein tiefstes Beileid gilt den Familien der beiden.

Marc-Henrik Schmedt (Geschäftsführer SC Magdeburg): Wir sind tief bestürzt und fassungslos über den tragischen Tod von Bernd und Reiner Methe. Wir alle, Trainer, Team, Offizielle sind schockiert über diese Tragik. Wir trauern in Gedanken mit den Ehefrauen, den Kindern und der ganzen Familie von Bernd und Reiner Methe. Manfred Ludewig (Vorsitzender des Handballbezirks Kassel Waldeck und Mitglied beim TSV Vellmar): Die Schweigeminute bei unseren Spielen an diesem Wochenende ist das Mindeste, was wir tun können. Bei solch einem schrecklichen Ereignis kann man nicht einfach zum Tagesgeschäft übergehen. Der Tod von Bernd und Reiner Methe betrifft mich auch deshalb sehr, weil wir uns gegenseitig akzeptiert und respektiert haben. Die beiden waren ein Aushängeschild für den nordhessischen Handball, aber dabei nie arrogant. Es waren Sportsmänner durch und durch. [3]

Weblinks

  1. HNA vom 12.11.2011: Die Methes - ihr gemeinsames Leben
  2. HNA vom 12.11.2011: Reaktionen auf Tod der Methe-Brüder - "Sie haben unglaubliche Lebensfreude ausgestrahlt"
  3. HNA vom 12.11.2011: Reaktionen auf Tod der Methe-Brüder - "Sie haben unglaubliche Lebensfreude ausgestrahlt"

siehe auch