Bernd Kuchinke

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Wenn Bernd Kuchinke von früher redet, muss sich das für einen 16-Jährigen anhören, als würde sein Ur-Opa vom Krieg erzählen. Kuchinke ist heute, im Jahr 2006, 48, und hat Gott sei Dank noch keinen Krieg erlebt. Aber er hat sich einst die Welt der Musik erobert. Und wenn er davon erzählt, wie er 1987 auf der ersten Acid-House-Party in Köln war und bei einer anderen Gelegenheit die heutige Techno-Legende Westbam unter den Tisch gesoffen hat, klingt das ein bisschen wie ein Kriegserlebnis. Es war die Zeit, als elektronische Musik den Weg aus den kleinen Clubs fand und dank der Berliner Love Parade zur wichtigen Jugendbewegung wurde.

Den Kasseler DJ Bernd Kuchinke gibt es aber immer noch. Er ist nicht das, was man ein Kriegsopfer nennen würde, aber ein Veteran ist er allemal. Kuchinke selbst nennt sich den „Ur-Opa der Szene“. Gerade hat er mit dem befreundeten DJ Stefan Vonkeil das House-Projekt B.U.R.N.E.D. gegründet und beim Augsburger Label Bikini Records den Track „Schneid“ veröffentlicht. Es ist eine selbstironische Bilanz der vergangenen zwei Musik-Jahrzehnte. „Schneid“, das es bislang nur auf Vinyl gibt, hört sich an, als hätten die House-Stars von Daft Punk aus einem frühen Stück der Elektro-Helden von Depeche Mode einen Remix angefertigt. Über den Beats erklingt Kuchinkes Stimme: „Ich verliere meinen Schneid, die Kids sind mir auf den Fersen.“ Dabei tanzen die Kids am Wochenende noch zu den Beats des Waldauers.

Kuchinke hofft, dass der Track „ein mittlerer Club-Hit“ wird - vielleicht auch ein großer. Dazu muss die Scheibe eine Visitenkarte sein: Kuchinke verteilt das Vinyl an befreundete DJs, an diesem Wochenende etwa beim Discofestival in den Messehallen. Seine Kollegen müssen das Ding dann nur noch spielen und die Leute drauf abfahren. Im besten Fall läuft der Track dann irgendwann sogar im Radio. So funktioniert die Hit-Maschine heutzutage.

Ansonsten legt Kuchinke lieber selbst auf. Das macht er seit Anfang der Achtzigerjahre. Zuerst auf Privat- und Schulparties. „Da lernt man, auf das Publikum einzugehen“, sagt Kuchinke. Später war er Stamm-DJ in Clubs in Bielefeld, wo er studierte. Irgendwann schmiss er das Studium und betrieb mit seinem Bruder Frank mehrere Clubs in Kassel. Auch in der legendären Factory war er dabei.

Sein Bruder ist mittlerweile Verkaufsleiter bei einem Autohaus und „ins bürgerliche Leben zurückgekehrt“, wie Bernd Kuchinke sagt. Er selbst legt aber immer noch Woche für Woche auf und ist dabei doch eine gespaltene Persönlichkeit: Als Citizen BK versorgt er den Dancefloor mit Techno und Electro, als Van Cock gibt er unter anderem im Kasseler Spot den Partymeister und legt auch schon mal Rockplatten auf. Nun kommt mit dem House-Projekt B.U.R.N.E.D., dessen Titel eine Abwandlung von Bernd ist, eine weitere Facette hinzu.

Ewig, das weiß Kuchinke, kann das nicht weitergehen. Deshalb hat er sich einen Fünf-Jahresplan aufgestellt: „Solange mache ich das noch.“ Was danach kommt, weiß er noch nicht. Vielleicht kommt noch der ganz große Hit. Das wäre auch eine schöne Geschichte, die er später mal seinen Enkeln erzählen könnte.

Links

(Artikel von Matthias Lohr aus der HNA vom 31. März 2006)