Bei Angriff in den Splittergraben

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Willi Bringmann erlebte als Kind den Krieg in Baunatal-Altenritte – Feuerwerk mit Stabbrandbomben

Bei Angriff in den Splittergraben

Willi Bringmann
Foto: Peter Dilling
  • HNA am 21.05.2011 von Peter Dilling
  • Erinnerung an schlimme Zeiten: Willi Bringmann erlebte als Kind den Krieg in seinem Heimatdorf Altenritte.

Wer im Krieg aufwächst, erlebt einen anderen Alltag als im Frieden. Willi Bringmann war neun Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, und schnell war es mit seiner behüteten Kindheit im damals bäuerlich geprägten Altenritte, wo seine Eltern zwei Morgen Land bewirtschafteten, vorbei.

Kurz nach Kriegsausbruch wurde sein Vater zur Front eingezogen. Die Mutter arbeitete. Und so musste Willi Bringmann viel im Haushalt helfen und sich nach der Schule um seinen neun Jahre jüngeren Bruder kümmern. Den Säugling habe er im Kinderwagen immer zum Sportplatz mitgenommen und hinter dem Tor abgestellt, damit er mit seinen Freunden Fußball spielen konnte. Einmal habe der Bruder einen Reißnagel verschluckt, mit dem das Verdunkelungsrollo über seinem Bettchen befestigt war, erzählt der verheiratete Rentner und Vater zweier Töchter. Da sei er kilometerweit nach Elgershausen zur Apotheke gelaufen, um ein Abführmittel zu besorgen. „Das war aber falsch. Wir haben ihm dann Sauerkraut zu essen gegeben, und nach zwei Tagen war der Nagel heraus“, erzählt Bringmann.

Viele Jungen im Dorf hätten den Krieg zunächst als Abenteuer gesehen. Die seien mit der Herkulesbahn vom Steinernen Schweinchen aus in die Kasseler Innenstadt gefahren, um Bombensplitter als Trophäen zu sammeln. Später seien Jungen und Mädchen wegen der zunehmenden Angriffe immer häufiger in den Splittergraben geflüchtet.

Am Baunsberg hätten Altenritter Kinder nicht explodierte Stabbrandbomben aufgelesen und damit ein Feuerwerk veranstaltet. Da habe es eine Standpauke vom Bürgermeister gegeben. Als die Jungen dann gesungen hätten „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, habe es auch Backpfeifen gesetzt.

Das Kriegsende läutete für Willi Bringmann den Start in eine berufliche Karriere als Rundfunk- und Mechanikermeister ein. Damals sei die ausgebombte Kasseler Niederlassung der Rundfunkgerätefirma Blaupunkt nach Altenritte umgezogen, erzählt Bringmann.

Die heutige Gaststätte Hessenklause sei Radiowerkstatt gewesen, sagt Bringmann. Dort arbeitete er als Lehrling. Rundfunkgeräte gab es genug. Bei Kriegsende hätten die Altenritter in einer Scheune Unmengen davon bis zur Decke gestapelt entdeckt. Das sei wohl Kriegsbeute der Nazis gewesen, mutmaßt der Rentner.

Bringmann arbeitete später für die holländische Firma Philips und reiste als Industrieelektronikexperte viel herum. Der Liebe wegen kehrte er nach Altenritte zurück, fand Arbeit bei Philips in Kassel und baute ein Haus für seine Familie. [1]

  • Von Peter Dilling

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Weblinks

  1. HNA vom 21.05.2011 - Willi Bringmann erlebte als Kind den Krieg in seinem Heimatdorf Altenritte


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