Befestigungsanlagen im Visier

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Die Stadt war nicht sicher

Zweimal erlag die Stadt ihren Angreifern in blutiger Schlacht – Bürger mussten als Soldaten dienen

Von Pierre Hattenbach

Hann. Münden. Bis zum Jahr 1836 war Hann. Münden von einer Stadtmauer umgeben. Trotzdem zeigen aktuelle Nachforschungen, dass die Stadt nicht in der Lage war, sich vor Angreifern wirksam zu schützen.

Wulf Richter, Geschichtskenner und Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein Sydekum zu Münden hat sich mit den Befestigungsanlagen der damaligen Zeit intensiv beschäftigt und ist zu dem Ergebnis gekommen: „Münden war, wie sich herausstellte, nicht verteidigungsfähig.“

Zunächst gute Befestigung

Die Skizzen und Dokumente, die Richter gesammelt hat, zeigen die Fakten. „Münden konnte sich zunächst einen guten Befestigungsbau leisten“, stellt Richter beim Blick in die Unterlagen fest. Demnach soll Münden ein Stadttor von der Größenordnung Nürnbergs und eine Ringmauer wie Limburg gehabt haben. Trotzdem bewährten sich die Verteidigungsanlagen an zwei historisch einschneidenden Ereignissen im 16. und 17. Jahrhundert nicht.

Als erstes belagerte Herzog Heinrich II. zu Braunschweig-Lüneburg im Jahr 1553 Münden. Als die Essensvorräte in der Stadt knapp wurden und die Menschen anfingen, unter Hunger zu leiden, kapitulierte Münden. Die Fürstin Elisabeth wurde aus der Stadt vertrieben und flüchtete nach Hannover.

Blutbad durch Graf von Tilly

Die zweite und weitaus blutigere Niederlage erlitt Münden, als die weit überlegenen Truppen des Heerführer Johann Tserclaes Graf von Tilly die Stadt im Jahr 1626 einnahmen, plünderten und ein Blutbad anrichteten. Es scheint, als habe die Dreiflüssestadt den Angreifern nichts entgegensetzen können.

Die Stadtherren waren zur damaligen Zeit verantwortlich für die Unterhaltung der Stadtbefestigung. Die Bürger haben gebaut und waren gleichfalls für die Verteidigung verantwortlich. Denn eigene Soldaten hatte Münden nicht. Die Bürger mussten im Ernstfall selbst zu den Waffen greifen.

Mit dem Aufkommen der Feuerwaffe genügten die Stadtmauern nicht mehr. Geschütze konnten die Mauern leicht zerstören. Doch Münden reagierte darauf nicht. „Die Stadt verstärkte die alte Mauer nicht und war, als Tilly kam, nicht mehr verteidigungsfähig“, betont Richter.

Der Ausgang der Schlacht ist bekannt: „Münden wurde eingekesselt und innerhalb weniger Stunden sturmreif geschossen“, sagt Richter. Etwa 2000 Einwohner wurden getötet und die Stadt geplündert.

Von der damaligen Stadtmauer ist heute nicht mehr viel zu sehen. Im Jahr 1836 beschloss der Magistrat der Stadt Münden den vollständigen Abbruch der Mauer.