Beberbeck

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Beberbeck
StaatsdomäneBeberbeck.JPG
Staatsdomäne Beberbeck
Beberbeck Karte.png
Lageplan
Beberbeck Schloss 4.jpg
Schloss Beberbeck - Rotunde

Beberbeck ist ein Stadtteil von Hofgeismar und liegt im Landkreis Kassel in Nordhessen.

Der Ort mitten im Reinhardswald zählt zu den kleinsten Dörfern der Region. Hier wohnen etwa 100 Menschen.

Die etwa 900 ha große Staatsdomäne betreibt Land- und Forstwirtschaft.

Das ab 1826 ausgebaute Gestüt wurde dagegen schon 1928 aufgegeben.

Im ehemals kurfürstlichen Schloss Beberbeck ist heute ein Alten- und Pflegeheim der Evangelischen Altenhilfe Hofgeismar untergebracht.

Wunderschöne Eichen-Kastanien-Alleen in Beberbeck gehören zu den schönsten Alleen in Deutschland. Das längste Teilstück, die Huteallee, führt nach Osten in den Reinhardswald.

Geografie

Der Ort liegt nördlich von Hofgeismar - Hombressen, südlich von Gottsbüren und westlich der Sababurg.

Beeindruckend ist die Lage mitten im Reinhardswald (zwischen Kassel im Süden und Bad Karlshafen im Norden), dem mit mehr als 200 km² Fläche größten zusammenhängenden Waldgebiet in Hessen.

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Das Areal diente einst als Klosterhof des Klosters Lippoldsberg.

Bereits Anfang des 11. Jahrhunderts bestand im Bereich der heutigen Staatsdomäne ein Dorf, das in alten Urkunden mit „Biberbach“ und „Beverbiki“ benannt wird. Verhältnismäßig leicht waren offenbar die "Biberwiesen" von den bäuerlichen Siedlern zu bewirtschaften.

Und doch lagen viele der Siedlungen im Reinhardswald schon im 14. Jahrhundert wieder "wüst", offenbar aufgrund häufiger Fehden. In dieser Zeit ist auch die nahegelegene Sababurg von dem Erzbischof von Mainz errichtet worden, bevor das Gebiet nach zahlreichen Auseinandersetzungen in den Besitz der Landgrafen von Hessen kam.

Später gab eine Pferdezucht Landgraf Wilhelm IV. offenbar Anlaß zur Gründung eines Tiergartens unterhalb der Sababurg, um eine wertvolle Stutenherde, die in der warmen Jahreszeit im Freien gehalten wurde, einigermaßen sicher unterzubringen.

Im Jahre 1724, unter Landgraf Karl von Hessen-Kassel, wurde die Pferdeherde aus dem Sababurger Mauerpark herausgenommen und fand im ehemaligen Klosterhof zu Beberbeck eine neue Unterkunft.

Das 18. Jahrhundert war auch von umfangreichen Rodungen im Bereich von Beberbeck gekennzeichnet. Hinzu kamen die Errichtung einer Ziegelei sowie der Ausbau von Staßen nach Hofgeismar oder zur Weser hin bis nach Veckerhagen.

Blütezeit im 19. Jahrhundert

Seine Blütezeit erlebte Beberbeck unter Kurfürst Wilhelm II., der die Anlage ab 1826 vergrößern ließ. Während seiner Regentschaft entstanden - unter der Leitung des Baumeisters Gottlob Engelhardt aus Veckerhagen - auch die Neubauten des Gestüts. Für deren Planung war Johann Conrad Bromeis verantwortlich, zu dieser Zeit Architekt und Hofbaumeister des Kurfürsten.

Beberbeck Oberhof 4.jpg

Die Gestütsanlage besteht aus insgesamt sechs Gebäuden, dem Offiziantenhaus, zwei Fruchtböden, zwei Stallgebäuden und dem Fürstenhaus (Schloss Beberbeck).

Das kurfürstliches Schloss entstand unter der Regentschaft von Friedrich Wilhelm I. - ebenfalls nach den Plänen von Johann Conrad Bromeis - in den Jahren 1837 bis 1840 als zweigeschossiger Bau im klassizistischen Baustil. Den schön gegliederten Mittelteil ziert über dem Haupteingang ein Dreiecksgiebel.

Zur rückwärtigen Seite hin - der Straße und dem Reinhardswald zugekehrt - dominiert ein halbrunder Vorbau. Im Inneren des Vorbaus befindet sich im Obergeschoss ein ansprechender Kuppelsaal mit gemalter Kassettendecke und einer beeindruckenden Akustik.

Im Jahre 1854 wurden 203 Einwohner und 216 Pferde in Beberbeck gezählt; Dorfvorstand war zu dieser Zeit der Gestütsinspektor Renner. Die Domäne wurde von einem Gutspächter geführt, wobei sich besonders Bernhard Ulrichs nach der Inschrift in einem 1873 errichteten Gedenkstein "um die Landwirtschaft hochverdient" gemacht hat.

Beberbeck war im 19. Jahrhundert aber nicht nur ein bekannter Gestütshof sondern bereits seit 1845 eine "ökonomische Lehranstalt", die im Jahre 1846 auch als "Ackerbauschule zu Beberbeck für Söhne aus gebildeten Ständen" in der "Landwirtschaftlichen Zeitung für Kurhessen" genannt wurde (siehe dazu die Nachweise bei Gerhard Seib im Jahrbuch des Landkreises Kassel 2006, S. 19 f.). Die von dem Pächter der kurfürstlichen Domäne Beberbeck, Bernhard Ullrich, geschaffene Einrichtung bestand bis zum Jahre 1877.

Beberbeck - Park
Domäne Beberbeck - Oberhof

Nach der Annexion Hessens übernahm Preußen das Gestüt, das erst im Jahre 1928 geschlossen wurde. In der Zwischenzeit zählte Beberbeck ab 1870 zu den fünf preußischen Hauptgestüten. 1918 erfolgte die Umstellung von 110 Warmblutstuten auf 60 Warmblutstuten und 60 Kaltblutstuten, weil in der Landwirtschaft mehr Zugtiere benötigt wurden.

Domäne und Altenheim

Nach der Schließung des preussischen Gestüts am 4. Dezember 1928 wurden die Gestütsländereien und das Domänenland in den Folgejahren zu einem Staatsgut zusammengefasst und die landwirtschaftliche Anlage als Hessische Staatsdomäne weitergeführt.

Aus den 1930-er Jahren stammt die Zeile mit Landarbeiterhäusern.

Im Schloss Beberbeck ist heute ein Alten- und Pflegeheim der Evangelischen Altenhilfe Hofgeismar untergebracht.

Mitten im Reinhardswald

Beberbeck liegt mitten im Reinhardswald, nahe der Sababurg. Unzählige Geschichten ranken sich um Natur und Kulturdenkmäler im Reinhardswald und vor allem dessen Ursprünglichkeit ließ viele Sagen und Erzählungen entstehen.

Nach der Sage zur Entstehung Reinhardswalds haben einst der Bischof von Paderborn und Graf Reinhard um dessen Besitztümer gewürfelt. Graf Reinhard, ein leidenschaftlicher Spieler, besaß riesige Ländereien. Der Bischof gewann und der Graf verlor sein Land. Aber er sann auf einen Ausweg: er bat um die Gnade, noch einmal säen und ernten zu dürfen. Die Bitte wurde ihm gewährt. Graf Reinhard säte Eicheln anstelle von Getreide. Bis diese Früchte trugen, die man ernten konnte, vergingen viele, viele Jahre. Der Bischof kapitulierte vor so viel List und der Reinhardswald kam zu seinen Eichen und seinem Namen.

Literatur

  • Eduard Brauns, Beberbeck und sein Schlößchen, in: Heimatjahrbuch für den Kreis Hofgeismar 1960, S. 57
  • Helmut Burmeister u. a., Beberbeck zwischen Sababurg und Gesundbrunnen, Eine Zeitreise durch die Region, Kassel 2006
  • Clemes Freiherr von Nagel-Doornick, Die Pferde von Beberbeck und Sababurg, in: Heimatjahrbuch für den Kreis Hofgeismar 1971, S. 48 ff.
  • Willi Vesper, Beberbeck - 1000 Jahre alt, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1978, S. 99 ff.
  • Alt-Hofgeismar, Bilder aus einer vergangenen Zeit 1870 - 1925, herausgegeben und erläutert von Helmut Burmeister und Klaus-Peter Lange, Hofgeismar 1979, S. 50 ff.
  • Silke Renner (Hrsg.), Beberbeck zwischen Sababurg und Gesundbrunnen - Eine Zeitreise durch die Region, euregioverlag Kassel 2008
  • Region Kassel Land e.V. (Hrsg.), Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele, Wolfhagen 2011

Schloss Beberbeck - Resort

Ferienanlage auf 900 Hektar

Schloss Beberbeck - Hauptfront

Am Ort der heutigen Domäne Beberbeck sollten nach den Plänen der Mehrheit der Hofgeismarer Politiker mehrere Hotelanlagen, Ferienhäuser und Golfplätze in einer riesigen Ferienanlage mit etwa 4500 Betten entstehen. Nach dem Kauf des 900 Hektar großen Geländes vom Land Hessen durch die Besitzgesellschaft Beberbeck der Stadt Hofgeismar war vorgesehen, das Gelände an Investoren weiter zu veräußern.

Die Besitzgesellschaft Beberbeck durfte mit einem Kapital von 3,5 Millionen Euro ausgestattet werden. Einen entsprechenden Beschluss des Hofgeismar Stadtparlaments segnete die Kommunalaufsicht beim Landkreis Kassel ab. Die Erhöhung der städtischen Bürgschaft von zwei auf 3,5 Millionen Euro sei vertretbar, da die Risiken für die Stadt tragbar seien, heißt es in der Genehmigung.

Die Pläne waren ausgesprochen umstritten. Im Mai 2010 hatte etwa der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) angekündigt, mit allen "ihm zur Verfügung stehenden Mittel" gegen das geplante Resort vorgehen (HNA vom 19. Mai 2010). Denn durch den "Fremdkörper" (BUND-Bundesvorsitzender Prof. Dr. Hubert Weiger) in der Landschaft und den erwarteten starken Verkehr sei etwa der Tod der Beberbeker Alleen "vorprogrammiert". Dennoch wurde das Bauleitverfahren für die 800 Hektar große Fläche der hessischen Staatsdomäne mit Hochdruck betrieben. Bis Ende 2010 wollte die Stadt das Eigentum an Beberbeck übernehmen.

Auf der Sitzung der Hofgeismarer Stadtverordenten-Versammlung am 17.12.2010 verkündete Bürgermeister Heinrich Sattler (CDU) das "Aus" und das Projekt Ferienprojekt Beberbeck für beendet.

Beberbeck - Ortsansicht

"Die Bedingungen des Kaufvertrages lassen sich bis Jahresende nicht erfüllen", sagte er in der Stadtverordnetenversammlung. Die in dem Vertrag fixierten Bedingungen, wie Finanzierungsbestätigungen für die privaten Investitionen und entsprechende Bankgarantien, konnte der Bürgermeister der hessischen Landesregierung nicht vorlegen. Der am 1. November 2007 zwischen der stadteigenen Besitzgesellschaft Domäne Beberbeck und dem Land Hessen geschlossene Kaufvertrag war damit hinfällig.

Auf die Stadt kommen laut Bürgermeister Heinrich Sattler (11. Januar 2011) 3,5  Millionen Euro für die übernommene Bürgschaft zu sowie 50 000 Euro als Haftungssumme und weitere 25 000 Euro als Gründungskapital.

Am 18. Januar 2011 beruft das Insolvenzgericht in Kassel den Kasseler Rechtsanwalt Dr. Steffen Koch zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Besitzgesellschaft Beberbeck.

"Henners Traum"

"Henners Traum" - das Resort Beberbeck ist mausetot. Zu keinem anderen Schluss konnte bereits 2008 kommen, wer damals Klaus Sterns Dokumentarfilm „Henners Traum“ über den tatkräftigen, unbeirrten Einsatz des Hofgeismarer Bürgermeisters Heinrich Sattler (CDU) für die Vision der größten europäischen Ferien- und Freizeitanlage im Reinhardswald gesehen hatte.

Die Perspektiven für das laut Sattler „dollste, schönste, feinste, eleganteste“ Resort der Republik ließ der Film wenig rosig erscheinen.

weitere Informationen unter: Ferienresort Schloss Beberbeck

Galerie

Gestüt Beberbeck

In den Gebäuden der heutigen Staatsdomäne Beberbeck war bis zum Ende der 1920-er Jahre das Gestüt Beberbeck untergebracht, unter der Herrschaft Preußens - neben Trakehnen, Neustadt an der Dosse, Graditz und Altenfeld - eines der fünf preußischen Hauptgestüte.

Sehenswürdigkeiten

Domäne Beberbeck - Mittelhof
Domäne Beberbeck - Ansicht
Mitten im Reinhardswald liegt Beberbeck

Sehenswürdigkeiten am Ort

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

siehe auch

Weitere Informationen

HNA - Artikel zum Ferienresort Beberbeck

Spiegel - online

Weblinks

Am Wanderweg durch das mittlere Holzapetal bei den Fischteichen am Forsthaus Beberbeck