Battenberger Motorradrennen

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Eng in der Kurve: Das Gespann Klein/Engels (Köln) nimmt am 10. August 1952 die obere Tiefenbach-Kurve beim Rennen „Rund um Battenberg“ in Richtung Innenstadt. Dies war eines der Motorrad-Rennen direkt durch die Bergstadt sowie durch Battenfeld. Im Hintergrund links befindet sich heute die Esso-Tankstelle. Repro: Steber (Copyright: HNA)

Eine große Nummer im Rennsport

Erstmals Buch über die Battenberger Motorrad-Wettkämpfe in den 50er-Jahren - Einst bis zu 40.000 Zuschauer - Autor Rudolf Steber

9. August 1953. Die Sonne brennt vom Himmel. 40000 faszinierte Zuschauer jubeln am Straßenrand. Schwere Renn-Motorräder schießen an ihnen vorbei: Eine mitreißende Atmosphäre herrschte am Battenberg-Ring, seinerzeit die bedeutendste Motorrad-Rennstrecke in Nordhessen. Sie war in ihrer Wertigkeit gleichzusetzen mit den Rennsport-Veranstaltungen auf dem Nürburg-Ring und auf dem Schotten-Ring. Die Menschen waren elektrisiert. Sieben Mal bis einschließlich 1956 wetteiferten kubikstarke Maschinen mit und ohne Beiwagen aus dem gesamten Bundesgebiet um die Sachpreise. Da gab es schon einmal eine NSU Quickly oder Armbanduhren zu gewinnen. Die Zeitmesser stiftete Landrat Heinrich Kohl. Veranstalter war stets der Motorsportclub Battenberg.

Die spannende und facettenreiche Geschichte der Battenberger Motorrad-Rennen zwischen 1950 und 1956 ist erstmals in einem Buch veröffentlicht worden. Titel: "Menschen, Rennen und Motoren". Autor ist der Berghöfer Rudolf Steber. 2006 ist der 50. Jahrestag des letzten Rennens. Eine Auflage von rund 800 Exemplaren ist gedruckt worden. Das 17x24 Zentimeter große Werk ist mehr als 200 Seiten stark, 100 Bilder sind abgedruckt. Sie stammen überwiegend vom Motorsportclub Battenberg.

Der 58-jährige Steber ist seit Kindesbeinen vom Motorrad-Rennsport fasziniert: "Ich habe damals einige Battenberger Rennen erlebt. Dabei habe ich mich mit dem Motorrad-Bazillus infiziert. Und der steckt bis heute in mir." Daran konnten auch die Schattenseiten des Motor-Rennsports nichts ändern. Rudolf Steber hat als Sechsjähriger den schweren Unfall bei Battenfeld im Jahr 1952 mit tödlichem Ausgang verfolgt. Die ganze Aufregung, die Trauer und die Auswirkung auf das weitere Renngeschehen: Dies alles hat sich bei ihm im Gedächtnis eingebrannt. "Wenn ich daran zurück denke, kommt es mir vor, als wäre der Unfall eben erst passiert."

Steber ist ein Heimat-Chronist. Er hat beim Berghöfer Festbuch mitgearbeitet sowie Super-8- und Videofilme über die nähere Umgebung produziert. Im Mittelpunkt des Interesses aber steht der Motorrad-Rennsport.

Seinerzeit gab es zwei verschiedene Rundkurse: Der erste war „Rund um Battenberg“. Von 1950 bis 1952 wetteiferten Rennmaschinen in engen und winkligen Ortsdurchfahrten in Battenberg und Battenfeld um die Sachpreise. Die Rennstrecke maß seinerzeit 7,15 Kilometer.

Verwechselt wird dieser Kurs oft mit dem legendären „Battenberg-Ring“. Von 1953 bis 1956 fanden dort Motorrad-Rennen statt. Die Route auf der Bundesstraße 253 führte damals ab dem Start/Ziel-Punkt nahe des Abzweigs Frohnhausen in Richtung Laisa-Eck, durch das Teufelswäldchen, durch Holzhausen, durch die Hatzfelder Kehre und den Eifa-Grund vorbei am Zollstock. Die Länge betrug hier 12,53 Kilometer. Bis zu 40 000 Zuschauer verfolgten die Rennen.

Der 58-Jährige beschreibt in seinem Buch detailverliebt den Rennsport im Raum Battenberg. Er bewertet auch dessen überregionale Bedeutung. Das Besucher-Interesse war damals zunächst derart groß, dass sogar Sonderzüge eingesetzt wurden. Die Gründe für den letztlichen Niedergang werden nicht ausgeklammert. Ein für das Jahr 1957 geplantes Motorrad-Rennen wurde nicht mehr gestartet. Die Gründe sind vielschichtig.

Beim Rennen 1956 war ein weiterer Akteur ums Leben gekommen, die Ausfallbürgschaften der Gemeinden sollten nicht mehr wie in bisheriger Form gewährt werden, das Interesse und die Begeisterung der Zuschauer sowie das Engagement mancher Helfer und Club-Mitglieder hatten merklich nachgelassen. Dazu kam das schlechte Wetter bei den Rennen 1955 und 1956. Kälte und Regen verdarben die Gesamtstimmung. Außerdem: Eine seinerzeit für Holzhausen fest vorgesehene Umgehungsstraße war nicht gebaut worden. Die Rennstrecke führte durch das Dorf, was wegen geänderter, strengerer Sicherheitsauflagen nicht mehr zulässig sein sollte.

"Menschen, Rennen und Motoren“, Burgwald-Verlag (Cölbe-Schönstadt), 224 Seiten, 200 Bilder, umfangreiche Statistik, 17 x 24 Zentimeter groß, Preis 24,80 Euro, erhältlich in Buchhandlungen und im Burgwald-Verlag.


Von Klaus Jungheim (HNA; 2005)

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