Barterode

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Kirche von Barterode im Frühling

Barterode ist eine Ortschaft der Gemeinde Adelebsen im Süden von Niedersachsen, gelegen etwa 15 km westlich von Göttingen auf der Dransfelder Hochfläche im Naturraum Sollingvorland.

Der Ort Barterode

Der Ort liegt im Bergsattel zwischen Grefenburg und Ossenberg am Rande des Tales der Ausschnippe. Die umgrenzenden Bergkuppen des Ossenberges (428 m) und der Grefenburg (ehemals 394 m, nach dem Basaltabbau 321 m) sind vulkanischen Ursprungs. Südlich schließt das Naturschutzgebiet Ossenberg - Fehrenbusch an. Bestimmend für das Ortsbild ist die 1734 fertiggestellte Kirche[1].

Heute wohnen im zweitgrößten Ortsteil von Adelebsen ca. 1.040 Einwohner, für die die wichtigsten Einrichtungen der Grundversorgung vorhanden sind. So gibt es einen Bäcker, eine Fleischerei, einen Schuhladen, eine Gärtnerei, einen Friseur sowie das Unternehmen Barteroder Feinkost. Für die kleinsten Einwohner betreibt die evangelische Kirchengemeinde einen Ganztags-Kindergarten. Die 1954 eingeweihte Schule am Erbser Weg wird nach einem Umbau als Dorf-Gemeinschaftshaus genutzt.

Heimatstube

Die Heimatstube Barterode (Göttinger Straße 17) präsentiert eine Sammlung und Ausstellung von historischen Gegenständen des Alltags (Land-,Hauswirtschaft-u. Gewerbe) aus Barterode und Umgebung, eine Ausstellung von Bildern und Schriftstücken in Gebäuden eines ehemals landwirtschaftlich genutzten Hofs sowie eine Sammlung von historischen Gerätschaften der Landwirtschaft und des ländlichen Gewerbes (Sattler- und Tischler-, Schusterhandwerk) in Barterode. Auch Gegenstände aus dem Basaltbruch Grefenburg in Barterode werden gezeigt.

Sehenswürdigkeiten

Pancratius-Kirche

Die evangelische Pfarrkirche St. Pankratii bestimmt das Dorfbild von Barterode. Der im Kern mittelalterliche Turm gehört zu einer Vorgängerkirche, die um 1730 abgebrochen und durch den heutigen Bau, einen verputzten rechteckigen Saal mit abgewalmtem Satteldach, ersetzt wurde. Der im Verhältnis zum Saal niedrige Turm ist von einer charakteristischen schiefergedeckten Haube bekrönt. 1975-77 wurde der Innenraum der Kirche komplett umgebaut und der westliche Teil als Gemeindehaus abgetrennt. Aus der Bauzeit ist der barocke Kanzelaltar und ein Taufstein erhalten, die Orgel wurde 1825 gebaut.[2]

Luther-Eiche

Unter der Luthereiche am östlichen Ortseingang steht ein Gedenkstein für Martin Luther.

Heimatstube

In der Heimatstube des Heimatvereins Barterode ist eine Sammlung historischer Gegenständen des Land-, Hauswirtschafts- und Gewerbe-Alltags aus Barterode und Umgebung untergebracht. Die Exponate werden auch in Ausstellungen zu jährlich wechselnden Themen präsentiert. Die Ausstellungs- und Aufbewahrungsräume sind auf einer Fläche von ca. 380 m² in den Gebäuden eines ehemaligen landwirtschaftlichen Hofes eingerichtet.

Basaltabbau auf der Grefenburg

Im Jahre 1994 wurde das Steinarbeitermuseum Adelebsen in der restaurierten alten Schule am Kirchweg in Adelebsen eröffnet. Der "Museumsverein für Steinarbeit und ländliches Alltagsleben e. V." gestaltete das Museum über das Alltagsleben und die Arbeit der Steinarbeiter in den Basaltbrüchen auf der Grefenburg, der Bramburg und dem Backenberg, wo zeitweise über 1000 Arbeiter unter schwierigsten Bedingungen Basalt abgebaut und verarbeitet haben.

Spritzenhaus

Das Spritzenhaus in Barterode

1902 hat die Gemeinde Barterode auf dem Grundstück der Realgemeinde Barterode für ihre 1883 gegründete Freiwillige Feuerwehr ein Spritzenhaus errichtet. Zusammen mit der Umlandfläche stellt dieses ehemalige Spritzenhaus ein Einzeldenkmal (Nr. 152001.0091) dar. Es ist Teil des historischen Thieplatzes im Altdorf von Barterode. Der Heimatverein Barterode e. V. hat mit dem Flecken Adelebsen als Eigentümer eine langfristige Nutzungs- und Sanierungsvereinbarung abgeschlossen. So konnten, gefördert durch LEADER+, ganzjährig nutzbare Räumlichkeiten geschaffen werden. Das Gebäude sowie das Umfeld auf dem historischen Thiepatz werden zur dörflichen Kultur- und Heimatpflege genutzt.[3]

Digitales Dorf Barterode

Das Digitale Dorf Barterode (DiGiBa) ist eine bislang einzigartige Initiative, die Menschen in ländlichen Bereichen enger miteinander zu vernetzen. Dieses Projekt entstand aus einer DSL-Breitbandinitiative und hat außer dem Ziel einer schnelleren Internetversorgung im ländlichen Bereich (hier speziell Barterode) eine weitere Komponente: Es geht um die Verbesserung der Kommunikations- , Informations- und Dienstleistungstrukturen gerade im ländlichen Raum. Das Digitale Dorf Barterode wird eine Internetplattform mit spezieller Navigation werden, welche besonders einfach und intuitiv auch von älteren Benutzern angewendet werden kann.

Es will mit dem Medium Computer neue, einfache Wege vermitteln, generationsübergreifend wieder mehr in Kontakt zu treten. Das Digitale Dorf Barterode soll seine Tradition nicht verlieren und nicht nur virtuell werden. Vielmehr hat es sich zum Ziel gesetzt, Tradition und Moderne, Mensch und Wirtschaft, Natur und Technik miteinander zu kombinieren und zu präsentieren. Aus diesem Grund ist es auch im Heimatverein Barterode integriert.

Vereine und Sport

An sportlichen Freiflächen können ein Sportplatz, zwei Tennisplätze, ein Bolzplatz, eine Freischachanlage, ein Volleyball-Feld und eine MiniRamp genutzt werden. Das Kulturleben in Barterode wird bestimmt durch eine Vielzahl von Vereinen. So gibt es einen Gesangverein, Heimatverein, Sportverein, Tischtennisverein, Wanderclub, Ski-Club, Junggesellenverein, Traditionsverein, Schützenverein, eine Anglergemeinschaft und eine Freiwillige Feuerwehr mit Feuerwehrkapelle.

Geschichte

Wappen

Ehemaliges Gemeindewappen von Barterode

Das Wappen zeigt zwei aus dem Schildfuß wachsende abgewandte Angeln, wie sie 1375 Konrad von Bertolderode im Wappen führte. Die Farben sollen auf die durch Jahrhunderte andauernde enge Bindung zum Hause Adelebsen hinweisen, während die im unteren Feld angeordneten Mühleisen als Symbol für drei im Tal der Auschnippe - Osnippe - gelegene Mühlen, die bereits im Jahre 1489 in einem Adelebser Zinsregister genannt werden, anzusehen sind.

Erste Erwähnung und Soester Fehde

Die Ortschaft Barterode wurde vermutlich noch vor 1093 gegründet. Nachweisen konnte man durch eine verloren gegangenen Urkunde Erzbischof Ruthards (1093 Juni 12_M.XC.II, indictione I, II idus Iunii…-), dass Barterode 1093 schon existierte. Barterode wurde frühestens 1144 erwähnt, was durch ein noch heute überliefertes Schriftstück belegt wird. Zu der Gründungsausstattung gehört auch ein nicht näher charakterisierter Besitz in Barterode (‚bonum in Bertholderoth’). Seit 1231 wird ein Rittergeschlecht beurkundet (Conrad v. Bertholderode), das sich nach dem Ort benennt.

1351 wurde der Verkauf von Gütern zu Bartholderode an das Kloster Hilwartshausen bezeugt. 1360 wurde ein erster Hinweis auf einen Pfarrer in Barterode in den Klosterakten von Hilwartshausen gefunden. 1391 wurde das Rittergeschlecht Dietrich von Bertolderode erwähnt. Die Begüterung der Hilwarthäuser Nonnen in Barterode wurde 1427 nachgewiesen. 1446 verbrannte das Dorf Barterode und der Flecken Adelebsen, als die Soester Fehde (1444 - 1449) ausgebrochen war. 1455 konnte ein großer Vorwerk in Barterode nachgewiesen werden. Barterode und Adelebsen brannte 1466 zum zweiten Mal durch Bischof Ernst von Hildesheim nieder. 1483 wurde eine neue Kirche gebaut. 1485 zerstörten kriegerische Heere durch Brandschatzung eine Mühle, welche wahrscheinlich die obere Mühle war.

Dreißigjähriger Krieg und eine neue Kirche

1623 wurde die Kirche nicht durch den Feldherrn Tilly zerstört. 1647 wurde Barterode durch Soldaten der "Königsmark" verheert (Dreißigjähriger Krieg). 1671 wurde die 1483 erbaute Kirche als: ’nicht gewölbt, …allein im Chor, …die Kirche hatte sehr wenig Raum’ beschrieben. Deshalb wurde 1728 Vorarbeiten zum Bau einer neuen Kirchen durchgeführt. 1729 wurde dafür Holz in Ballenhausen und Bursfelde eingekauft, die Steine auf dem Kirchhof und am Osterberg gebrochen, und die Kirche unter Leitung des Mündener Mauermeister Godenzo Pedrone aufgebaut. Die alte Kirche wurde 1730 abgerissen. 1733 wurden die alten Altartafeln für 3 Thaler nach Hedemünden verkauft, dafür kaufte man neuen Altare für 155 Thaler beim Tischler Richter aus Nörten. 1734 wurde Pastor Schwarzkopf (Thüringen) in der nahezu fertigen Kirche eingeführt.

Das „Franzosendorf“

1806 - 1813 wurden französische Soldaten während des Rheinbundes einquartiert. In dieser Zeit wurde auch die Leibeigenschaft vom Baron von Adelebsen (Bauernbefreiung) gelöst. 1866 wurde zum zweiten Mal französischer Truppen einquartiert. Wegen dieser Ereignisse trägt Barterode bei manchen heute noch den Spitznamen „Franzosendorf“.

Neue Betriebe und Vereine

1883 wurde die Freiwilligen Feuerwehr gegründet. 1885 gehörte Barterode zum am 1. April gegründeten Kreis Uslar. 1886 wurde die Spar- und Darlehnskasse e.G.m.b.H. Barterode gegründet. 1892 wurde die Molkereigenossenschaft gegründet und eine großräumig angelegte Molkerei in Betrieb genommen. 1909 wurde der Basaltsteinbruch der Grefenburg durch die Forstgenossenschaft an die Firma “Hannoversche Basaltwerke mbH“ verpachtet und zu einem modernen Steinbruch ausgebaut.

1927 wurde der Schützenverein gegründet.

Am 1. Oktober 1932 wurde der Kreis Uslar in den Landkreis Northeim eingegliedert. 1935 wurde die Feuerwehrkapelle Barterode gegründet. 1954 wurde die neue Schule am Erbser Weg, was heute das Dorfgemeinschaftshaus ist, errichtet. Zudem wurde eine neue Wassergewinnungsanlage des Wasserbeschaffungsverbandes Barterode gebaut. 1972 wurde die Friedhofskapelle gebaut.

Aufgrund der Niedersächsischen Gemeindeordnung durch einen Gebietsänderungsvertrag (Gemeinderatsbeschluss vom 10. August 1972) wurden die selbständigen Gemeinden Adelebsen, Barterode, Eberhausen, Erbsen, Güntersen, Lödingsen und Wibbecke zu einer neuen Gemeinde, die den Namen ’Flecken Adelebsen’ trägt, zusammengeschlossen. 1974 wechselte der Flecken Adelebsen vom Landkreis Northeim zum Landkreis Göttingen.

1974 begann die Indonesia Bihunsuppen GmbH auf dem Gelände der ehemaligen Molkerei mit der Produktion der Bihunsuppe und macht so den Namen von Barterode bundesweit bekannt.

Der Heimatverein wurde 1994 anlässlich des 850-jährigen Bestehens von Barterode gegründet.

Bis zum 31. Dezember 2004 gehörte Adelebsen zum ehemaligen Regierungsbezirk Braunschweig, der, ebenso wie auch die anderen drei niedersächsischen Regierungsbezirke, aufgelöst wurde. [4]

Literatur

  • Barterode im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Joachim Jünemann: Neue Untersuchungen zur älteren Geschichte von Barterode, Dransfeld 1994.
  • Emil Flückiger: Das Genossenschaftsdorf Barterode als wirtschaftliche, biologische und soziologische Einheit, Göttingen 1948, (Zugleich: Göttingen, Univ., Diss., 1948).

siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Artikel Barterode im deutschen WikiPedia
  2. Peter Ferdinand Lufen: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen, Bd. 5.2: Landkreis Göttingen, Teil 1. Altkreis Münden mit den Gemeinden Adelebsen, Bovenden und Rosdorf. Herausgegeben vom Niedersächsischen Landesverwaltungsamt - Institut für Denkmalpflege -. CW Niemeyer, Hameln 1993, ISBN 3-87585-251-6, S. 84
  3. Artikel Spritzenhaus Barterode im Göttingen-Wiki
  4. Artikel Historische Zeittafel auf barterode.de