Bali-Kino

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Zu den bekannten Kinos in Kassel gehört das Bali-Kino im Kasseler Hauptbahnhof.

Geschichte

Bali ist die Abkürzung für Bahnhofs-Lichtspiele.

Ursprünglich war das Bali ein Kino mit einem Saal. Ursprünglich, das heißt in den 50er Jahren war das Bali ein sog. "Aki", Abkürzung für Aktualitätenkino, eines von mindestens zwölf Kinos, die es bundesweit im Bahnhofsgebäude oder in dessen Nähe gab. Den Bahnreisenden sollte die Wartezeit verkürzt werden, indem man ihnen in einem ca. 50-minütigen Programm die aktuellen Wochenschauen in einem Zusammenschnitt zeigte, ergänzt um sog. „Kulturfilme“ und einen Zeichentrickfilm.

Da es damals noch kein weit verbreitetes Fernsehen gab, war das Interesse an derartigen informierenden und unterhaltenden Programmen durchaus vorhanden. Die Besucher konnten tagsüber jederzeit Eintrittskarten erwerben, die zudem einen relativ niedrigen Preis hatten, das Kino auch während der laufenden Filme betreten und sich dort zeitlich unbegrenzt aufhalten. Neben der Leinwand befand sich eine von innen beleuchte Uhr, damit etwaige Reisende rechtzeitig das Kino verlassen konnten.

Allerdings wurde das Bali nicht nur von Bahnreisenden besucht.

In den 1960er Jahren wurde Fernsehen zum Massenphänomen. Die ursprünglich vier Wochenschauen wurden nach und nach eingestellt. Die Besucherzahl der Aki in Deutschland ging drastisch zurück. Man stellte sich um und zeigte nun im Bali Spielfilme nonstopp. Überwiegend anspruchslose Kost, Actionstreifen, Kung-Fu-Filme bzw. Eastern.

Aber auch diese Filme liefen im Laufe der Zeit nicht mehr gut genug. Man wandelte das Bali zu einem Porno-Kino um.

1990 wurde es schließlich geschlossen.

Das neue Bali

Nach Eigentümerwechsel und Umbau flimmerte am 1.11.1995 mit Emir Kusturicas „Underground“ der erste Film über die Leinwand des Kinos. Den traditionsreichen Namen übernahm man, nannte sich aber fortan Bali-KinoS, als 1996 ein zweiter, kleinerer Kinosaal eingebaut wurde.

Seit 1995 haben sich die Bali-Kinos mit ihrem ambitionierten Programm bundesweit einen Namen gemacht. Auszeichnungen wie der hessische Filmpreis, der seit vielen Jahren an das Team nach Kassel geht, zeugen davon.

Die Geschichte des Bali-Kinos ist eng mit dem Kulturbahnhof verknüpft, beide wurden zur selben Zeit aus der Taufe gehoben. Schließlich stammte die Idee, den alten Hauptbahnhof zu einem kulturellen Treffpunkt auszubauen, vom Team des Filmladens und den Machern der Caricatura, die ebenfalls im Kulturbahnhof logiert.

Die Filmfreunde, die sich mit dem 1981 eröffneten Filmladen im Vorderen Westen einen Namen gemacht hatten, hielten zu dieser Zeit schon länger nach einem zweiten Kino Ausschau, auch weil der Filmladen zur Existenzsicherung nicht ausreichte. Mit dem Bali erfüllten sie sich aber auch einen Traum. Von einem Kinostandard, den es damals in Kassel so noch nicht gab. Gemeinsam mit dem Architekturbüro crep D schufen sie ein Kino nach ihren Wünschen: mit neuester Technik, einer wandfüllenden Leinwand - und einem großen Fenster mit freiem Blick auf den Bahnhofsplatz.

Das alles kostete viel Geld. Henry Witzel, Burkhard Hofmann, Frank Thöner und Gerhard Wissner, Gesellschafter der damals gegründeten GmbH, steckten 818 000 Euro (1,6 Millionen DM) in den Umbau. Alles auf Pump - ohne Subventionen oder andere Fördermittel. Und das zu einer Zeit, als in Kassel an der Trompete das erste Multiplex-Kino entstand und eine Diskussion darüber entbrannte, wie viel Kino die Stadt verträgt.

Der große Saal hat 272 Sitzplätze, der kleine 91 Sitzplätze.

Eine besondere Leistung

2010 wurde das Balikino zum besten Filmtheater Hessens gekürt. Bei der Verleihung des Hessischen Filmpreises Mitte Oktober wurde das Filmtheater mit der Höchstsumme in der Kategorie "Kinokulturpreis für gewerbliche Kinos" ausgezeichnet: 12.500 Euro. Der Filmladen bekam 7.500 Euro.

Zudem bekam das Bali 10.000 Euro bei den Kinoprogrammpreisen des Bundes.

Links

Zur Geschichte der Bahnhofskinos:

Bali-Kinos:

Kinoprogramm:

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