Bahnhof Vernawahlshausen

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Aus den ehemaligen Bahnhof im Norden von Vernawahlshausen wurde heute ein Haltepunkt für Züge zwischen Ottbergen und Göttingen (Oberweserbahn). Das Bahnhofsgebäude Empfangsgebäude wurde bereits zum Jahreswechsel 1971/72 abgerissen, das einst auch das Empfangsgebäuder der höher gelegenen Sollingbahn (Bahnstrecke zwischen Göttingen und Bodenfelde war. Über eine Treppe erreichten damals die Reisenden von der höher gelegenen Sollingbahn die teifer gelegene Oberweserbahn und umgekehrt.

Heute hält in Vernawahlshausen nur noch die eingleisige Oberweserbahn, das Umsteigen in die Sollingbahn ist erst im Nachbarort Bodenfelde möglich.

Geschichte

Bahnhof Vernawahlshausen

Der Vernawahlshäuser Bahnhof stand zwischen zwei Strecken. Der Abriss erfolgte 1976.

Wenig übrig vom alten Glanz

von Jörg Nolte

Vernawahlshausen. Es muss ganz schön was los gewesen sein auf dem Vernawahlshäuser Bahnhof kurz nach der Eröffnung im August 1910, denn bereits knapp drei Jahre später wurde das Gebäude großzügig erweitert.

Heute ist nicht mehr viel übrig vom alten Glanz. Am Haltepunkt sieht man noch die Grundmauern des Bahnhofs und sonst nur ganz wenige andere Relikte.

Das Besondere am Vernawahlshäuser Bahnhof war, dass er an einer schmalen Stelle zwischen zwei Bahnstrecken erbaut wurde. Am Rand des Schwülmedorfs treffen die einst zweispurige, 1878 fertig gestellte Sollingbahn (Bodenfelde - Northeim) und die einspurige 1910 eröffnete Oberweserbahn (Bodenfelde - Göttingen) aufeinander.

Zusammen mit dem Bau der Oberweserbahn fiel auch der des Bahnhofsgebäudes, das zunächst eine Grundfläche von 62 Quadratmetern hatte und auf zwei Etagen jeweils einen Dienstraum und einen Wartesaal beherbergte - unten für die Oberweserbahn, oben für die höher gelegene Sollingbahn.

Der Vernawahlshäuser Bahnhof von der Oberweserbahn-Seite aus gesehen mit einem Schienenbus.

100 Umsteiger am Tag
Vernawahlshausen war ein äußerst beliebter Umsteigebahnhof für Bahnreisende, die von Uslar in Richtung Göttingen und zurück fahren wollten. 1912 waren es täglich um die 100 Umsteiger. Man klagte über überfüllte Wartesäle. So kam es, dass 1913 der Bahnhof auf eine Grundfläche von 106 Quadratmetern erweitert wurde - ein imposantes Gebäude mit einer Länge von mehr als 16 Metern.

Auch der Güterschuppen erwies sich bald als zu klein, weil aus dem Dorf und den umliegenden Ortschaften zu den Markttagen in den Städten zahlreiche Kisten und Verschläge mit Ferkeln und Kleinvieh verladen wurden, die dann größtenteils bis zur Ankunft der Züge im Freien bleiben mussten. Ebenfalls 1913 baute man einen neuen Güterschuppen, der alte diente fortan als Kohlenschuppen. Auf Wunsch der Forstverwaltung wurde zudem eine Laderampe errichtet und der Lagerplatz für Lang- und Grubenholz erweitert.

Die Blütezeit des Bahnhofs währte bis Mitte der 1950er Jahre. „Bis dahin war der Bahnhof personell rund um die Uhr besetzt“, berichtet der Vernawahlshäuser Harald Henne, der sich eingehend mit der Bahngeschichte der Region beschäftigt hat. Bis 1965 mussten Züge noch auf Anschlusszüge auf der jeweils anderen Strecke warten.

Niedergang durchs Auto
Der Niedergang ging schnell und ist auf die Zunahme des Individualverkehrs zurückzuführen. Wer ein Motorrad oder ein Auto hatte, der fuhr kaum noch Bahn. Die Fahrgastzahlen gingen bis Mitte der 1970er Jahre - besonders auf der Sollingbahn-Strecke - rapide zurück. 1976 ließ die Bahn den Vernawahlshäuser Bahnhof abreißen, der wegen seiner Lage unverkäuflich war. Im gleichen Jahr wurde auch die Haltestelle an der Sollingbahn geschlossen.

Strecke im Aufwind
Heute ist noch der Haltepunkt an der Oberweserbahn übrig. Der macht im Winter einen trostlosen Eindruck und ist im Sommer eher etwas für Naturliebhaber. Aber es fahren noch Züge in Richtung Göttingen und Bodenfelde. Und ab Dezember 2013 übernimmt die Nordwestbahn die Strecke als Betreiber. Künftig sollen Züge im Stundentakt verkehren und auch die Fahrtzeiten sollen nicht mehr so lange dauern.

Gustav Henne aus Vernawahlshausen interessiert sich bereits seit seiner Kindheit für die Bahn, die später auch sein Arbeitgeber wurde. Der heute 86-Jährige war zuerst Schlosser, später Messprüfer beim Ausbesserungswerk in Göttingen und fuhr bis zur Rente mit dem Zug zu seiner Arbeitsstelle.

Er erinnert sich: „Nach dem Krieg waren die Züge voll. Das wurde im Laufe der Jahre immer weniger - spätestens als die Autos immer mehr wurden.“ Und auch über manche Schwierigkeit weiß der Bahn-Rentner Bescheid: „Bis Ende der 1950er Jahre gab es am Vernawahlshäuser Bahnhof gar keinen Strom. Da wurde nur mit Petroleum gearbeitet. Das änderte sich erst, als das Dorf ans EAM-Netz angeschlossen wurde.“ Die Reste des Petroleumbunkers sind heute noch zu sehen.

Hennes erste Erinnerung an den Bahnhof stammt aus seiner Kindheit. Die Geschäftsleute im Ort bekamen die meisten Waren mit der Bahn geliefert. „Wenn wir als Kinder oben im Dorf waren, kam oft der alte Kaufmann Quentin und fragte: Holst du mal das und das von der Bahn ab? Das haben wir dann gemacht und ein paar Bolchen dafür bekommen.“ Auch für die Belieferung der Haushalte war die Bahn wichtig. Kohlen und Briketts, Pflanzkartoffeln, Dünger und vieles mehr kam mit dem Zug. [1]

siehe auch

Weblinks und Quellen

  1. Aus HNA.de vom 29. Januar 2013: Wenig übrig vom alten Glanz.