Bahnhof Trendelburg

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Bahnhof Trendelburg

An die ehemalige Eisenbahnlinie von Hümme nach Karlshafen erinnert bis heute der Bahnhof Trendelburg. Der Bahnhof (Straßenbezeichnung: „An der Carlsbahn“) wird heute von der Raiffeisenbank genutzt. Verbunden damit ist der Neubau der Bank, der an Stelle des ehemaligen Güterschuppens entstand.

Geschichte

Die im Jahre 1848 eröffnete Friedrich-Wilhelms-Nordbahn führte einst von Kassel bis zum Hofgeismarer Stadtteil Hümme. Von dort verlief eine weitere Teilstrecke, die Carlsbahn bis nach Karlshafen, wobei der Streckenverlauf der Carlsbahn fast genau dem Verlauf des Landgraf-Carl-Kanals folgte. Nachdem sich der von Landgraf Karl geplante Bau einer Wasserstraße von Kassel nach Karlshafen nicht realisieren ließ, entstand damit gut ein Jahrhundert später eine Güterverbindung von Kassel nach Karlshafen auf dem Lande.

Der Streckenverlauf der Carlsbahn

Aus Richtung Hümme führte die ehemalige Eisenbahnstrecke (Carlsbahn) in nordöstlicher Richtung nach Stammen und weiter zum Bahnhof in Trendelburg, der 1912 erbaut wurde.

Hinter Trendelburg wurde der 264 m lange Tunnel durch den Kesselberg („Deiseler-Tunnel“) erreicht, wenig später die dreibogige Sandsteinbrücke über die Holzape.

Dem Haltepunkt Wülmersen folgte der Bahnhof in Helmarshausen und schließlich der Bahnhof in Karlshafen am linken Ufer.

Der erste Zug auf der Strecke Hümme - Karlshafen fuhr am 3. April 1848. Über mehr als einhundert Jahre wurde der Bahnbetrieb dann aufrecht erhalten. Im Jahre 1966 wurde die Eisenbahnstrecke für den Personenverkehr stillgelegt und der öffentliche Personenverkehr von Bussen übernommen, während der Güterbetrieb noch einige Jahre lang fortgeführt wurde.

Hier Trendelburg !

Aus der HNA-Serie: Die Bahnhöfe im Kreisteil Hofgeismar - Artikel vom 28.12.12

Trendelburg. Wie das erste 1848 errichtete Bahnhofsgebäude in Trendelburg genau aussah, darüber kann nur spekuliert werden. Es ist kein Foto erhalten, das es aus der Nähe zeigt. Der 1914 errichtete Neubau, der den alten ersetzte, wurde nach der Stilllegung 1987 unter anderem farblich an das Gebäude der Raiffeisenbank angepasst. Sie hat ihren Standort unmittelbar daneben - mit einem gläsernen Durchgang zum historischen Bahnhofsgebäude. Es verlor Mitte der 1960er Jahre seine Bedeutung.

Für die Carlsbahnstrecke zwischen Hümme und Karlshafen wurde 1966 ein Stilllegungsbeschluss gefasst. Der Grund war die Zunahme des Lkw- und Personenkraftverkehrs. Sie wirkte sich auf das Frachtaufkommen und die Personenbeförderung der Eisenbahn aus.

Bodo Simon, damals Geschäftsstellenleiter der Raiffeisenbank, eine der größten Bahnkunden in Trendelburg, gründete daraufhin den „Verein der Waggonbezieher im Bahnhof Trendelburg“. Das Ziel war, zumindest den Güterverkehr bis Trendelburg zu erhalten. Mit Erfolg. Die Strecke wurde zum Probiergleis des Eisenbahnausbesserungswerkes Kassel-Rothenditmold erklärt.

„Die Raiffeisenbank hatte inzwischen den Güterschuppen als Kunstdüngerlager gepachtet. Er wurde aus den Waggons über die Rampe in landwirtschaftliche Fahrzeuge verladen“, so der heute 77-jährige Simon. Im September 1986 stellte die Bahn auf Antrag der Raiffeisenbank auch den Güterverkehr zwischen Hümme und Trendelburg ein. Die Bank beantragte zudem ihr einen Teil des Gleiskörpers zwecks Errichtung eines Bankgebäudes zu verkaufen. Darin konkurrierte sie mit der Stadt Trendelburg, die dort ein neues Rathaus bauen wollte.

Die Bank erhielt den Zuschlag. Doch die beantragte Nutzungsänderung wurde verweigert. Der Landeskonservator stellte das Bahnhofsgebäude unter Denkmalschutz. „Zu unserem Verdruss erhielten wir die Genehmigung für den Bau eines neuen Bankgebäudes nur unter der Bedingung es an den vorhandenen Komplex anzupassen ohne dass es wie ein An- oder Nachbau wirkt“, so Simon.

Das Gebäude wurde 1987 nach dem Abriss des Güterschuppens mit einem gläsernen Durchgang zum Bahnhof gebaut. Die ehemaligen Warteräume werden von der Bank jetzt als Büroräume genutzt. Das erhaltene Kopfsteinpflaster des Bahnhofsvorplatzes bietet den Bankkunden ausreichend Parkmöglichkeit. (ziv)


Tor zur großen Welt

Der Bahnhof war für die Trendelburger das Tor zur großen weiten Welt und der Güterverkehr von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Stadt sowie die umliegenden Ortschaften, stellt Bodo Simon fest. Er hat sich als Mitglied des Heimatvereins intensiv mit der Geschichte der Stadt befasst und vieles aus der jüngeren Vergangenheit ist ihm noch gut in Erinnerung. So hat die Trendelburger Mühle Gebrüder Knochenhauer ihr Mehl per Waggon meist in Richtung Ruhrgebiet versandt. Vor 1939 auch das in ihrer Fabrik hergestellte Landbrot. Für die Firma Hartung kamen viele Waggons mit Kohlen, Baustoffen und Eisenwaren an und aus den Trendelburger Steinbrüchen wurden Bruchsteine verladen. Holz aus dem Reinhardswald ging als Grubenholz ebenfalls in Richtung Ruhrgebiet.

„Die Landwirte haben ihre Zuckerrüben an die Zuckerfabrik in Warburg geliefert. Um ihnen die schwere körperliche Arbeit zu erleichtern, wurde von der Bahn ein Portalkran installiert“, so Simon. Die Firma Theodor Lieber erhielt ihre Traktoren sowie Landmaschinen per Waggon und die Dillenburger Hengste erreichten die staatliche Deckstelle in Trendelburg über eine Großviehrampe.

Die Raiffeisenbank erhielt pro Jahr etwa hundert Waggons mit Düngemitteln, Kohlen und Futtermitteln für die Landwirtschaft. „Auch für die Nato war der Bahnhof von Bedeutung, weil die Kettenfahrzeuge über eine Kopfladerampe direkt auf die Waggons rollen konnten“, erzählt Simon aus seiner Erinnerung. Einige Fundamente der Betriebseinrichtungen - zum Beispiel die des Portalkrans - sind bis heute erhalten. (ziv)

Literatur

Streckenverlauf der Carlsbahn
  • Münzer, Lutz (Hrsg.): Mit der Eisenbahn von Hümme nach Carlshafen, Geschichte und Relikte von Kurhessens erster Eisenbahn, Werl 2001 (Aus dem Inhalt: Vorwort: Aus der Geschichte der Carlsbahn von Hümme nach Karlshafen - zum 150-jährigen Jubiläum der Eisenbahn in Nordhessen (Lutz Münzer) - unveränderter Nachdruck eines Aufsatzes aus dem Jahrbuch für Eisenbahngeschichte, Band 30, 1998, Relikte der Carlsbahn - Verbindungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit (Ulrike Taenzer), Zeittafel (Ulrike Taenzer).)

siehe auch

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