Bahnhof Liebenau

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Bahnhof Liebenau
Der Bahnhof Liebenau liegt an der Bahnstrecke Warburg - Hofgeismar - Kassel und wurde zuletzt von der RegioTram (RT 3 von Warburg über Hofgeismar und Kassel-Hauptbahnhof bis Auestadion) angefahren.

Doch mit Umstellung auf den Winterfahrplan hält ab dem 13. Dezember 2015 kein Zug mehr. Damit geht eine über 150-jährige Bahngeschichte zu Ende und die Stadt Liebenau wird vom Bahnverkehr abgehängt. Der nordhessische Verkehrsverbund NVV begründete dies mit hohen Investitionskosten besonders für die Überführung, geringer Nachfrage und einer guten Busanbindung Liebenaus in Richtung Hofgeismar und zum dortigen Halt der Regiotram.

Geschichte

Die Eisenbahnstrecke

Dampfzug vor einem Haltesignal im Bahnhof Liebenau
Die Eisenbahnstrecke geht zurück auf die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn, die Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnet wurde.

In ihrer Gesamtheit entstand die „Friedrich-Wilhelms-Nordbahn“ ab 1844. Die Teilstrecke von Hümme nach Grebenstein (Länge 11,48 km) wurde am 30.03.1848 eröffnet, eine weitere Teilstrecke von Kassel Hbf nach Grebenstein (Länge 20,59 km) am 29.08.1848.

(Quelle: Handbuch der deutschen Eisenbahnstrecken, Deutsche Reichsbahn 1935)

Die ersten Lokomotiven auf der Strecke ("Hirsch" und "Sababurg") wurden von einer amerikanischen Firma (Firma Norris in Philadelphia) bezogen, bevor die erste einheimische Lokomotive ("Drache" zum Preis von 15.686 Talern) der Kasseler Maschinenbaufirma Henschel im Jahre 1848 auf der "Nordbahn" ihren Dienst aufnahm.

Auf der Strecke von Warburg (Westfalen) nach Kassel lagen im Gebiet des Altkreises Hofgeismar folgende Stationen:

Ein Bahnhof der brummte

Liebenau war vier Jahre lang Endstation - Nach 18 Jahren Pause wieder Zughalte

Artikel in HNA-online vom 13.1.2013

Der Bahnhof Liebenau mit seinem wichtigsten Personal vermutlich um 1900.
Liebenau. Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Liebenau hat sich - zumindest baulich - seit der Erstellung im Jahr 1848 kaum verändert. Der rote Ziegelsteinbau steht unter Denkmalschutz und befindet sich seit einigen Jahren in Privatbesitz. Die Situation des Schienenverkehrs auf dem Streckenabschnitt Hümme / Haueda der 1849 in Betrieb genommenen Friedrich-Wilhelm-Nordbahn hat sich hingegen häufiger verändert. Willi Möller, Vorsitzender des Heimatvereins Liebenau und sein Vereinskollege Franz Köhler, ein ehemaliger Eisenbahner, haben die Geschichte des Liebenauer Bahnhofs 1998 für eine Ausstellung aufgearbeitet.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es neben zwei Stellwerken noch einen Schrankenposten, eine Fahrkartenausgabe, eine Güterabfertigung mit eigener Rangierlok und eine Bahnmeisterei“, so Köhler. Der Güterverkehr war bis in die 1970er Jahre von großer Bedeutung und die Bahn größter Arbeitgeber in Liebenau. Über die Schienen trafen Kunstdünger für die beiden Kornhäuser, Holz für die Fensterfabrik und Behälter mit Bimsbausteinen ein, die für Baustellen in der Warburger Börde bestimmt waren.

Zehn Güterwagen täglich

Bahnhofsvorsteher Döller mit seiner Familie
Die Weiterführung der Strecke nach Warburg erfolgte im Juli 1853 nach Fertigstellung des Viadukts über die Diemel. „Der Versand von Gütern bestand in der Erntezeit vor allem aus Getreide und bedingt durch das Kalkwerk in Haueda aus Düngekalk von dem an manchen Tagen bis zu zehn Wagen verladen wurden“, sagen die Heimatforscher.

„In den 1960er Jahren waren die Personenzüge rappelvoll“, sagt Köhler. Die 70er brachten Veränderungen mit sich. Der alte Bahnübergang mit Schranke wurde durch eine neue Fußgängerbrücke aus Spannbeton ersetzt. Nur wenige Jahre später kam das Aus für den Liebenauer Bahnhof. Als Folge der Umwandlung in ein regionales Eilzugsystem wurde der Halt von Personenzügen im Mai 1978 eingestellt. Fortan fuhren die Züge an Liebenau nur noch vorbei.

1996 fand eine Wiederbelebung des stillgelegten Bahnhofs statt. Der Nordhessische Verkehrs-Verbund (NVV) bezog Liebenau in seine Haltepunkte ein. Die Regio-Tram bietet heute die Anbindung nach Kassel.

In der Chronik der Stadt Liebenau ist zu lesen, dass sich nach dem Bau des Bahnhofs das bisher geschlossene Oval des Stadtbildes auflöste (ab 1880). Auch, dass die Menschen sich nur mühsam an das neue Verkehrsmittel Eisenbahn gewöhnten. Vor allem, wenn es um die Schutzbestimmungen ging. Es gab Beschwerden über das Bahnhof- und Streckenpersonal, das über die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen wachte. Die Liebenauer hatten wenig Verständnis dafür, dass sie den Bahndamm nicht mit Schafen und Ziegen beweiden oder die Gleise als Fußweg benutzen durften.

Grenzkontrollen

Der Bahnhofsvorplatz in Liebenau vermutlich zwischen 1910 und 1930.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Liebenau zum Grenzort zwischen der englischen und der amerikanischen Besatzungszone. Da für den Wechsel von einer Zone in die andere Passagierscheine oder ein Einreisevisum vorliegen mussten, wurde Liebenau zur wichtigen Kontrollstation.

Norbert Strauch beschreibt in einer Publikation des Heimatvereins die Situation. Die Amerikaner hätten ihre Kontrollfunktion sehr ernst genommen und alle Reisenden „gefilzt“. Dabei seien sie bei den „Hamsterern“ oder Schwarzmarkthändlern fündig geworden und hätten von Lebensmitteln bis zu Ferngläsern und Volksempfängern alles konfisziert.

Den beschlagnahmten Alkohol mussten die Bahnhofsbeschäftigten vorkosten, bevor er durch die Kehlen der Amerikaner floss. Diese hatten Angst vor Vergiftung. Die Liebenauer Bahnbeschäftigten sollen sich dem aber ohne Murren gefügt haben, so Strauch. (ziv)

von Ingrid Vossen

siehe auch