Bahnhof Hümme

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Der Bahnhof in Hümme

Der Bahnhof Hümme liegt an der zweigleisigen Eisenbahnstrecke Warburg - Hofgeismar - Kassel (aus Richtung Aachen bei km 313,1). In früheren Jahren gab es eine weitere Bahnverbindung von Hümme nach Bad Karlshafen, die zum 25. September 1966 für den Personenverjehr eingestellt wurde. Ende September 1986 wurde auch der verbliebene Güterverkehr von Hümme zum Bahnhof Trendelburg eingestellt.

Inzwischen wurde der denkmalgeschützte Bahnhof in Hümme umgebaut und das Generationenhaus Hümme hat hier seinen Betrieb aufgenommen.

Aus der Bahnhofsgeschichte

Ehemaliger Abzweig der Carlsbahn in Hümme (nach Norden); nach links biegt die Streckenführung nach Warburg ab.

Bahnhof an zwei Eisenbahnstrecken

Am 30. März 1848 wurde die Carlsbahn, eine Eisenbahnstrecke von Hümme nach Karlshafen eröffnet, gleichzeitig mit dem 11,5 Kilometer langen Teilstück der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn (ab 1866: Hessische Nordbahn) zwischen Hümme und Grebenstein.

Beide Eisenbahn-Strecken waren die ersten Eisenbahnlinien im Kurfürstentum Hessen-Kassel.

Später führte der Schienenstrang aus Richtung Kassel über Hümme auch weiter in Richtung Warburg mit Anschluss an die Königlich-Westfälische Eisenbahn.

Am Bahnhof in Hümme - 1849 zunächst als Inselbahnhof errichtet - entstand durch diese Streckenführungen ein Eisenbahn-Knotenpunkt.

Das heutige Stationsgebäude wurde dann im Jahre 1897-98 östlich der Eisenbahn-Strecke erbaut.

Vom Bahnhof in Hümme aus gesehen führte die Strecke der Carlsbahn (von Hümme nach Karlshafen) seither rechts von dem im Jahre 1908 erbauten Stellwerk nach Norden (siehe dazu das nebenstehende Bild).

Am 27. September 1966 wurde diese ehemalige Bahnstrecke der Carlsbahn für den Personenverkehr stillgelegt. Für einige Zeit fand dann noch Güterverkehr auf einem Teil der Strecke statt, bevor diese vollständig abgebaut wurde.

Im Bahnhof in Hümme gab es zu dieser Zeit nicht nur die Betriebsräume der DB (was damals noch Deutsche Bundesbahn hieß) samt Fahrkartenausgabe, sondern auch die lange Jahre von August und Hedwig Nendzig betriebene Bahnhofsgaststätte.

Erhalten blieb bis heute die Eisenbahn-Strecke, die nach Süden über Hofgeismar in Richtung Kassel führt oder in die andere Richtung nach Westen in Richtung Warburg/ Westfalen. Sie wird inzwischen auch von den Zügen der Regiotram befahren. Weiterhin verkehrt hier der Regionalverkehr der Deutschen Bahn.

Erinnerungen an ein Haus voller Leben

Artikel aus der HNA - Hofgeismarer Allgemeine vom 2.3.2013

Der Künstler Pit Morell, der seine Jugend in Hümme verbrachte, erinnert sich: „In der Bahnhofsgaststätte, die Onkel August Nendzig (um 1951) übernommen hatte, gab es kleine Gerichte, warme Würstchen, Suppe (Eintopf) und zweimal die Woche ein Menü. Am Tresen wurden Zigaretten, Zeitungen, Süßigkeiten, Getränke, Bier vom Faß, die ersten Comics wie Cisco, Batman, Tarzan, Rip Korby, Wildwestromane, Billy Jenkins, Tom Mix und andere verkauft.

Ich half oft, musste in den Keller, um Flaschen zu sortieren. Häufig habe ich die hohen Bogenfenster an der Bahnsteigseite geputzt. Wir stellten zwei der stabilen Wartesaaltische mit Buchenholzplatte, die immer blank gescheuert waren, übereinander, darauf einen Stuhl, und ich kletterte nach oben wie ein Artist mit Eimer und Tuch zum Fensterputzen. (...) Wir bemerkten gar nicht mehr die vielen Güterzüge, die schnellen D-Züge, die durch den Hümmer Bahnhof donnerten. Es waren sicher 100 und mehr am Tag. Die Gerüche von feuchtem Dampf und Kohlengestank, das war unser Lebensparfüm.

Oben im 1. Stock des Bahnhofs, links von Treppen- und Uhrturm, hatte ich eine Kammer. Es passte ein Bett hinein und ein paar Bücher und ein Stuhl. Da oben in meiner Studierkammer, die ich bis 1959 bewohnte, als ich in Kassel schon ein Zimmer hatte, dort entstanden Zeichnungen, Plastiken und Malerei. In der Kammer am Uhrenturm entstanden Gedichte. Dort war auch das Ticken der Bahnhofsuhr zu hören, das war kein übliches Ticken, es war eine elektrische Uhr. Sie schob ihre Zeiger mit einem undefinierbaren „Klack, Plup,Ruck“ weiter.

Einmal rasierte ich mich noch, als der Zug um 6.40 Uhr aus Eberschütz einlief. Ich rannte durch den Wartesaal, die Sperre, am Mann mit der roten Mütze vorbei. Es war seltsam, der Zug wartete und wartete. Erst als ich im Waggon saß, fuhr der Zug an. Meine Tante Hedwig hatte mit dem Fahrdienstleiter gesprochen, der sie mochte, und der hatte den Zug solange warten lassen.“

(tty)

Hümme war einst Eisenbahn-Knotenpunkt

Ein Ort wächst mit der Bahn

Seite zu den Gleisen hin

Hümme stieg als Knotenpunkt zweier Linien zum wichtigsten Bahnhof der Region auf

Artikel in HNA-online vom 15.02.13

Hümme. Der Bahnhof in Hümme war einst der bedeutendste Bahnhof im Kreis Hofgeismar, weil er fast 140 Jahre lang als Knotenpunkt zur Verbindung zweier Bahnstrecken diente.

Hümme hatte ein eigenes Bahnbetriebswerk und weil viele Einwohner bei der Bahn Arbeit fanden, wurde Hümme als Eisenbahnerdorf bekannt.

Hümme war eine zeitlang vom überregionalen Verkehrsnetz abgekoppelt, nachdem das Kanalprojekt des Landgrafen Carl buchstäblich bei Hümme versandete und die alte Fernverkehrsstraße nach Bremen ab 1730 über Schöneberg führte.

„Wir brauchen keine Bahn“
Gegner meinten zwar, dass Kurhessen als ackerbauendes Land keine Eisenbahn benötige (Kasseler Volkswitz, auf die Gegnernamen anspielend: „Die Eisenbahn in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Bär mehr auf“), doch 1842 brachte die Regierung im Landtag ein großes Eisenbahnprogramm ein. Zunächst war geplant, von Hofgeismar durch einen Tunnel unter dem Heuberg direkt zur hessischen Grenze bei Haueda zu gelangen und Bad Karlshafen mit einer separaten Pferdebahn ab Kassel anzubinden. Die Idee wurde jedoch wieder verworfen und das Weserufer wurde mit der Carlsbahn von Hümme nach Karlshafen erschlossen.

Das bescherte der Strecke die bei Eisenbahnfans bekannte 180-Grad-Kurve bei Hümme, die bis heute dafür sorgt, dass Züge mit maximal 80 (Neigetechnik bis 90) km/h hindurchfahren können. Erst die Ausbauplanungen der Bundesbahn vor gut 20 Jahren brachten vorübergehend einen Tunnel zum Abschneiden der Kurve (und des Ortes) wieder ins Gespräch.

Güterverkehr an die Weser
Die 16,5 Kilometer lange Carlsbahn wurde am 30. März 1848 eingeweiht, zeitgleich mit dem 11,48 km langen Abschnitt der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn von Hümme nach Grebenstein. Diese Stadt war zunächst Endbahnhof, ebenso wie Haueda, das ab 6. März 1849 von Hümme aus erreichbar war. Die Weiterführung nach Warburg erfolgte 1851, von Grebenstein nach Kassel konnte man bereits ab dem 29. August 1848 fahren. Damit war, nachdem der Kanalbau scheiterte, nun doch ein Güterverkehr von Kassel bis an die Weser möglich.

Das 1849 fertiggestellte Empfangsgebäude in Hümme wurde ohne zwingenden Grund als Inselbahnhof zwischen den beiden Richtungsgleisen angelegt, die Carlsbahn zweigte erst weiter nördlich ab. Das führte zu Problemen und der Bau wurde 1897/1898 durch das heute noch existierende Stationsgebäude westlich der Bahnstrecke ersetzt.

Nach dem Bahnanschluss gab es in Hümme einen deutlichen Bevölkerungsanstieg, im frühen 20. Jahrhundert entstand eine Neubausiedlung. Der bis dahin rein landwirtschaftlich strukturierte Ort wandelte sich mehr und mehr zur Arbeiter-Pendler-Gemeinde.

Der Hümmer Bahnhof wurde 1848/49 mit einem Empfangsgebäude zwischen den Gleisen versehen, links davon (in Richtung Eberschütz) entstand der Lokomotivschuppen mit einer kleinen Werkstatt und daran anschließend ein Wohngebäude für Lokomotivpersonal.

Auf der Ostseite des Bahnhofsgebäudes befand sich das Einfahrgleis Richtung Karlshafen und daneben ein Wohnhaus für die Bediensteten des Bahnhofs (es bestand nach Angaben des Altbürgermeisters Fritz Wille nahezu unverändert bis Ende der 1950er Jahre und wurde durch einen Brand weitgehend zerstört).

Schon bald stieg das Verkehrsaufkommen an der Strecke zum Ruhrgebiet sprunghaft an, die Anlagen reichten nicht mehr aus. Das Bahnhofsgebäude und der Lokschuppen wurden abgerissen und 1897 und 1900 weiter entfernt voneinander neu erbaut. Wegen der Steigung Richtung Kassel wurden zusätzliche Lokomotiven als Schubloks nötig und sechs Loks wurden um 1900 in Hümme stationiert, zugleich wurde mehr Personal benötigt. Die ebenfalls erneuerte 16-Meter-Drehscheibe ist die letzte in Hessen noch erhaltene mit Handbetrieb. Der Wasserturm stand nahe der Rübenrampe und versorgte die Dampflokomotiven über drei große Wasserhähne mit Wasser, das aus Esse und Wasserleitung gepumpt wurde. Mit der Elektrifizierung der Strecke wurde er überflüssig.

von Thomas Thiele

Friedrich-Wilhelms-Nordbahn

Im Jahre 1848 nahm der "Drache" als erste einheimische Lokomotive auf der "Nordbahn" den Dienst auf.

Auf der Strecke von Warburg (Westfalen) nach Kassel lagen im Gebiet des Altkreises Hofgeismar folgende Stationen:

(Anmerkung: Die Kilometer-Angaben beziehen sich auf die Bahnstrecke aus Richtung Aachen!)

RegioTram

RegioTram - RT 3 aus Richtung Hofgeismar am Bahnübergang in Hümme.

Heute verkehren auch die Züge der Regiotram (RT 3) auf der Strecke (Warburg über Hümme und Hofgeismar zum Hauptbahnhof in Kassel und bis zum Auestadion.

Neben den herkömmlichen Straßenbahnen in Kassel (Trams) befahren besondere Regiotram-Fahrzeuge sowohl das Schienennetz der Deutschen Bahn als auch das Straßenbahnnetz, so dass für die Fahrgäste ein Umsteigen entfällt.

Ab dem 10. Juni 2001 fand auf der Strecke WarburgKassel Hbf ein Vorlaufbetrieb statt, bevor der Verkehr im Mai 2005 auf der Strecke KasselHofgeismarWarburg aufgenommen wurde.

Das Projekt wird unter anderem vom Nordhessischen Verkehrsverbund, der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft, deren Tochterunternehmen Regionalbahn Kassel (RBK) und der Deutschen Bahn betrieben.

Generationenhaus Hümme

Inzwischen wurde der denkmalgeschützte Bahnhof in Hümme umgebaut und das Generationenhaus Hümme hat hier Anfang 2016 seinen Betrieb aufgenommen. Ob Spielenachmittag für jung und alt oder Seniorentreff und am Abend Kultur für alle, die Lust darauf haben - so könnte die Zukunft des Mehrgenerationenhauses aussehen. Der Verein „Generationenhaus Bahnhof Hümme“ hat sich das Ziel gesetzt, beim Aufbau zu helfen (siehe dazu: www.huemme.org/generationenverein

Literatur

Streckenverlauf der Carlsbahn
  • Münzer, Lutz (Hrsg.): Mit der Eisenbahn von Hümme nach Carlshafen, Geschichte und Relikte von Kurhessens erster Eisenbahn, Werl 2001 (Aus dem Inhalt: Vorwort: Aus der Geschichte der Carlsbahn von Hümme nach Karlshafen - zum 150-jährigen Jubiläum der Eisenbahn in Nordhessen (Lutz Münzer) - unveränderter Nachdruck eines Aufsatzes aus dem Jahrbuch für Eisenbahngeschichte, Band 30, 1998, Relikte der Carlsbahn - Verbindungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit (Ulrike Taenzer), Zeittafel (Ulrike Taenzer).)

siehe auch

Weblinks