Bahnhöfe in Bad Karlshafen

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Bahnhof "Carlshafen linkes Ufer" - 1900

Zwei Bahnhöfe gab es einst in Bad Karlshafen. Doch der Bahnhof in Karlshafen am linken Ufer - zur Unterscheidung vom Bahnhof am rechten Weserufer - wurde bereits Anfang der 1970-er Jahre abgerissen.

Der Bahnhof Bad Karlshafen - linkes Ufer aus dem Jahre 1848 an der ehemals dreigleisigen Bahnanlage wurde nach Aufgabe des Güterverkehrs 1989 zurückgebaut. Stellwerk, Schuppen und zwei Gleise verschwanden. Und auch die ehemalige Bahnstrecke durch das Diemeltal nach Hümme (die ehemalige Carlsbahn) wurde abgebaut. Seit mehr als 40 Jahren befindet sich auf dem früheren Bahnhofsgelände inzwischen die Marie-Durand-Schule.

Vom Bahnhof Bad Karlshafen - rechtes Ufer steht dagegen noch das ehemalige Bahnhofsgebäude, das im Jahre 1878 errichtet und in den 1930-er Jahren ausgebaut wurde (Straßenbezeichnung in Bad Karlshafen: "An der Saline"). Das inzwischen längst von der Bahn verkaufte Gebäude wird jetzt als Wohnhaus genutzt.

Der Güterverkehr auf der Sollingbahn am rechten Weserufer wurde 1989 eingestellt und die Strecke in den Jahren darauf auf ein Gleis zurückgebaut. Mit dem Rückbau verschwanden in Karlshafen auch zwei Gleise und ein Stellwerkshäuschen.

Heute fahren hier die Züge auf der Sollingbahn (als Strecke der Harz-Weser-Bahn) von einem Gleis und einem Bahnsteig tagsüber von Bad Karlshafen nach Göttingen, nach Nordhausen (über Northeim) und nach Ottbergen.

Geschichte

Abreisen macht mehr Spaß

Aus der HNA-Serie: Die Bahnhöfe im Kreisteil Hofgeismar - Artikel vom 4.1.2013

Bad Karlshafen. Sie können in Bad Karlshafen in einen Zug steigen und sind nur drei Stunden und zwei Minuten später in Hamburg. Und Sie müssen nur einmal umsteigen.

Nicht schlecht für eine Reiseverbindung aus dem tiefsten Hessisch-Sibirien, oder? Nun ist das Abreisen aus Bad Karlshafen eine Sache - das Ankommen eine andere. Zum Glück kommen die meisten Kurgäste und Touristen, auf die der Ort angewiesen ist mit dem eigenen Auto, dem Wohnmobil, per Fahrrad oder mit Reisebussen. Würden sie am Karlshafener Bahnhof in Erwartung eines charismatischen gepflegten kleinen Kurortes aus dem Zug steigen, wäre der erste Eindruck wohl vorsichtig ausgedrückt ernüchternd.

Oder doch eher niederschmetternd. Lattenzäune und Holzpalisaden trennen den lieblosen Bahnsteig vom äußerlich heruntergekommenen ehemaligen Bahnhofsgebäude. Der wenige Platz, den die Bewohner zwischen Zaun und Haus haben, nutzen sie als Abstellraum für Gerümpel. Das Umfeld dominieren verfallende Gleisanlagen. Auf dem Vorplatz, wo die Linienbusse in Richtung Hofgeismar und Höxter starten, hatte die Stadt mit einem Wartehäuschen samt Toilette immerhin guten Willen gezeigt. Nach diversen Fällen von Vandalismus hat man allerdings resigniert - dem Wegweiser zum WC folgt der hoffnungsvolle Bahnreisende vergebens.

Er wird nur eine demolierte und verschlossene Tür finden. „Die Reparatur der Schäden stand nicht mehr im Verhältnis zum Nutzen“, erklärte Bürgermeister Ullrich Otto. Es scheint derzeit, als hätten sich Bahn, Stadt sowie Eigentümer und Mieter des Bahnhofsgebäudes der misslichen Situation in gemeinsamer Resignation ergeben. Im Jahr 2013 könnte sich aber einiges zum Positiven wenden.

Für 88 Jahre hatte Bad Karlshafen zwei Bahnhöfe:

Nachdem die Carlsbahn zwischen Hümme und Karlshafen im Jahr 1848 eröffnet wurde, änderte sich das Bahnhofsgelände am linken Weserufer mehrfach. Überdimensionierte Gleisanlagen und Gebäude wurden schon bald zurückgebaut, in den 1920er Jahren wurde das Bahnhofsgebäude einem Umbau samt Verkleinerung unterzogen. Ein Gleis des Bahnhofs linkes Ufer führte durch die Carlstraße zum Weserhafen.

Die Bahnstrecke wurde 1966 stillgelegt, seit 40 Jahren befindet sich auf dem früheren Bahnhofsgelände die Marie-Durand-Schule.

Der Bau der Sollingbahn vom ostwestfälischen Ottbergen ins südniedersächsische Northeim stellte ein wichtiges Verbindungsstück zwischen den Industriegebieten im Westen und Osten Deutschlands her. Sie wurde am 15. Januar 1878 eröffnet und wenig später zweigleisig ausgebaut. 1910 wurde die Oberweserbahn von Bodenfelde nach Göttingen angeschlossen. Zwischenzeitlich war die Strecke für den Güterverkehr eine der meistbefahrenen Ost-West-Verbindungen mit 100 Zügen täglich.

Mit einem Vergleich zeigt Robert Bohn in seinem Buch über die Wirtschafts- und Sozialgeschichte Bad Karlshafens, wie unterschiedlich sich die Bedeutung der beiden Bahnlinien in Karlshafen entwickelt hatte: wurden um 1930 auf der Strecke Karlshafen - Hümme nur noch 40 Tonnen Güter transportiert, waren es zwischen Northeim und Ottbergen im Schnitt 10 000 Tonnen pro Tag, von Kassel über Hümme nach Westfalen wurden 8000 Tonnen bewegt.

Völlige Stilllegung diskutiert

Der Güterverkehr auf der Sollingbahn wurde 1989 eingestellt, die Strecke in den Jahren darauf wieder auf ein Gleis zurückgebaut. Immer wieder war die völlige Stilllegung im Gespräch. Mit dem Rückbau verschwanden im Bereich des Karlshafener Bahnhofes rechtes Ufer zwei Gleise und ein Stellwerkshäuschen. Das Bahnhofsgebäude - von Anfang an kleiner, schlichter und funktionaler gehalten als der Bahnhof linkes Ufer - wurde nach den 1930er Jahren ausgebaut, so hatte es zunächst etwa kein durchgehendes zweites Geschoss. Nachdem es in den 1990er Jahren seine Funktion endgültig verloren hatte, wurde es verkauft und im Inneren zu Mietwohnungen umgebaut.

Am äußeren Erscheinungsbild änderte sich kaum etwas. Robert Bohn erinnert in seinem Buch an die Idee, Carlsbahn und Sollingbahn zu verbinden - entweder durch einen Tunnel unter dem Königsberg und einer Bahnbrücke über die Weser oberhalb Karlshafens. Oder durch den Ausbau des Gleises in der Carlstraße und eine Brücke in der Nähe der Diemelmündung. „Beide Varianten blieben Hirngespinste - glücklicherweise“, schreibt Bohn. (zlö)


Besserung in Sicht:

Der Gleiskörper der Sollingbahn ist frisch rundumerneuert und in diesem Jahr soll sich auch am Karlshafener Bahnhof etwas tun: mit 450 000 Euro aus dem Infrastrukturbeschleunigungsprogramm des Bundes werde der Bahnsteig barrierefrei ausgebaut, teilte Bahn-Pressesprecher Torsten Sälinger auf unsere Anfrage mit. „Der Bahnsteig wird für den höhengleichen Ein- und Ausstieg erhöht und mit einem taktilen Leitsystem für Sehbehinderte ausgestattet. Die Bahnsteigbeleuchtung wird erneuert, das Wegeleitsystem ergänzt und ein neues Wetterschutzhaus gebaut“, so Sälinger. Die Arbeiten sollen im zweiten Quartal beginnen. Auch für das Toilettenhäuschen der Stadt besteht Hoffnung: Bürgermeister Ullrich Otto verwies auf die Planung, alle öffentlichen Toilettenanlagen der Stadt in die neue Bad Karlshafen GmbH zu überführen. Das Unternehmen werde die Anlage dann womöglich wieder in Betrieb nehmen.

Die Reiseverbindungen verbessern sich ab Dezember 2013. Die Strecke wird dann an einen neuen Betreiber - die NordWestBahn - vergeben. Diese plant eine stündliche umsteigefreie Verbindung Paderborn - Göttingen. Was bleibt ist das ehemalige Bahnhofsgebäude in seinem traurigen Zustand und die brach liegenden Flächen zwischen dem Bahngleis und der Gartenstraße. Ob auch hier etwas getan wird, um Reisenden die Ankunft zu verschönern ist ungewiss. (zlö)

Etwa 450.000 Euro werden nach einem Bericht in HNA-online vom 12.5.2013 in den Karlshafener Haltepunkt investiert - das Geld kommt aus dem Infrastrukturbeschleunigungsprogramm des Bundes. Bereits im Juli 2013 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 übernimmt dann die Nord-West-Bahn den Betrieb auf der Strecke zwischen Ottbergen und Göttingen / Northeim - dann werden mehr Züge fahren als heute.

Der ehemalige Bahnhof am linken Ufer

Bahnhof Carlshafen (linkes Ufer) im Jahre 1877

Die Carlsbahn, eine Stichbahn aus Richtung Hümme, endete einst am südlichen Weserufer in einem Kopfbahnhof, der als durchaus aufwendige Dreiflügelanlage beschrieben werden kann und seinerzeit nach einem Entwurf von Julius Eugen Ruhl im Jahre 1848 entstanden war.

Nach Stillegung und Abbau der Eisenbahn-Strecke bis Trendelburg wurde er abgebrochen – und teilte damit das Schicksal mit anderen von Ruhl entworfenen Stationsgebäuden.

Seir langer Zeit befindet sich auf dem früheren Bahnhofsgelände der Carlsbahn am linken Weserufer in Bad Karlshafen inzwischen die Marie-Durand-Schule.

Die ehemalige Carlsbahn

Gleisplan ehem. Bahnhof "Carlshafen linkes Ufer"

Der erste Zug auf der Eisenbahnstrecke Hümme - Karlshafen auf der ehemaligen Carlsbahn fuhr am 3. April 1848. Weit mehr als ein Jahrhundert später wurde im Jahre 1966 die Strecke für den Personenverkehr stillgelegt und der öffentliche Personenverkehr von Bussen übernommen, während der Güterverkehr noch einige Zeit fortgeführt wurde.

Sollingbahn

Die Sollingbahn verläuft von Ottbergen im Osten von Nordrhein-Westfalen nach Northeim im Süden Niedersachsens, südlich des Sollings.

Aus Richtung Ottbergen verläuft die Eisenbahnstrecke hinter Würgassen zwischen der Weser und den „Hannoverschen Klippen“ zur nordrhein-westfälisch-hessischen Landesgrenze am östlichen Ortsrand von Bad Karlshafen und von dort vorübergehend über das Gebiet des niedersächsischen Landkreis Northeim. Mit dem Wahmbecker Tunnel wird eine Weserschleife abgeschnitten.

Hinter Bodenfelde verlässt die Strecke das Wesertal und verläuft im Schwülmetal, wobei zwischen Bodenfelde und Vernawahlshausen die Sollingbahn und die Bahnstrecke Göttingen–Bodenfelde parallel verlaufen.

Literatur

Karlshafen - ehem. Triebwagen der Carlsbahn auf dem Gelände der Marie-Durand-Schule.
Streckenverlauf der Carlsbahn
  • Münzer, Lutz (Hrsg.): Mit der Eisenbahn von Hümme nach Carlshafen, Geschichte und Relikte von Kurhessens erster Eisenbahn, Werl 2001 (Aus dem Inhalt: Vorwort: Aus der Geschichte der Carlsbahn von Hümme nach Karlshafen - zum 150-jährigen Jubiläum der Eisenbahn in Nordhessen (Lutz Münzer) - unveränderter Nachdruck eines Aufsatzes aus dem Jahrbuch für Eisenbahngeschichte, Band 30, 1998, Relikte der Carlsbahn - Verbindungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit (Ulrike Taenzer), Zeittafel (Ulrike Taenzer).)

siehe auch

Weblinks