Bad Zwesten

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Bad Zwesten
Kirche-Bad-Zwesten.jpg
Kirche in Bad Zwesten
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Schwalm-Eder-Kreis
Einwohner: 3.990 (31. Dezember 2011)
Postleitzahl: 34596
Vorwahlen: 05621, 05626, 06693
Kfz-Kennzeichen: HR
Gemeindeverwaltung: Ringstraße 1
34596 Bad Zwesten
Website: www.badzwesten.de
Bürgermeister: Michael Köhler (FDP)

Bad Zwesten ist ein Heilbad und Luftkurort im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Geografie

Lage

Die Gemeinde Bad Zwesten liegt am Schnittpunkt der Bundesstraßen B 3 und B 485, ca. 40 km südlich von Kassel.

Ortsteile

Zu Bad Zwesten gehören neben der Kerngemeinde 4 Ortsteile: Betzigerode, Niederurff, Oberurff-Schiffelborn und Wenzigerode.

Geschichte

Zwesten wurde erstmals im Jahr 817 in den Aufzeichnungen des Mönches Eberhard als "Tuwesten" erwähnt. Ebenfalls im 9. Jahrhundert werden von einem Graf Dietrich Güter in Zwesten an das Kloster Fulda geschenkt. Um das Jahr 1000 erfolgte der Bau einer ersten Kirche.

Im Jahr 1209 wird Zwesten als "Thuisten" erwähnt. Im gleichen Jahr hat das Stift Fritzlar Einkünfte in Zwesten. 1235 wird die Familie von Löwenstein als Besitzer eines freien Hofes in Zwesten genannt. Diese Familie hatte ihren Sitz auf der Anfang des 13. Jahrhunderts in Schiffelborn errichteten Burg Löwenstein. Sie gehörte zusammen mit der Familie von Urff in Oberurff zu den Adelsgeschlechtern, welche die Gegend um Zwesten beherrschten. Im Jahr 1254 wird der Ort als "Thuesten", 1259 als "Tuesten" und "Tvisten", 1297 als "Thuiste", 1310 als "Thwesten" und 1338 als "Twisten" genannt.

Die Zwestener Mühle wird erstmals im Jahr 1504 erwähnt. 1538 kam es anlässlich der Hochzeit von Otto von Löwenstein zu einem Aufstand der blutig niedergeschlagen wurde. Seither wird dieses Ereignis "Zwestener Bluthochzeit" genannt. Im Jahr 1575 und 1585 wird Zwesten als zum Amt Borken gehörig genannt. Es gehört zum "niederen und peinlichen" Gericht von Löwenstein. Der Ort hat in beiden Jahren 105 Hausgesesse.

Ab 1616 wird nur noch die Schreibweise "Zwesten" für den Ortsnamen genutzt. Im Dreißigjährigen Krieg werden die Dörfer Zwesten, Niederurff, Oberurff und Kerstenhausen von den Truppen des kaiserlichen Generals Lothar Dietrich von Bönninghausen zerstört. In den Jahren 1653 und 1654 wird die Kirche, als Wehrkirche, wieder aufgebaut. Im Jahr 1661 taucht erstmals die Bezeichnung "Schulmeister" in den alten Unterlagen auf.

Auch 1742 gehört Zwesten noch zu diesem Amt und Gericht. In diesem Jahr gibt es in Zwesten 122 Hausgesesse. Während des Siebenjährigen Krieges befindet sich Ende März 1761 das Hauptquartier der französischen und österreichischen Truppen in Zwesten. Im Jahr 1769 wird erstmals die jüdische Synagoge erwähnt. 1774 gibt es in Zwesten 694 Einwohner.

In der Zeit des Königreichs Westfalen gehört Zwesten ab 1807 zum Kanton und Justizamt Borken. Nach der Wiederherstellung des Kurfürstentums Hessen gehört Zwesten ab 1814 zum Amt Borken, nach der Reform des Jahres 1821 zum Kreis Fritzlar und zum Justizamt Jesberg. Ein Schulneubau wird 1832 fertiggestellt, in ihm befindet sich heute das Rathaus. 1834 leben in Zwesten 1.079 Menschen.

Zwesten gehört nach der Angliederung an Preußen weiterhin dem Kreis Fritzlar an und gehört ab 1867 zum Amtsgericht Jesberg. 1873 wird eine kaiserliche Postagentur eröffnet. Im Jahr 1885 gibt es 870 Einwohner. 1895 erfolgt die Gründung eines "Darlehnskassenvereins" (Raiffeisenverein).

Im Jahr 1903 wird in Zwesten mit dem Bau einer Wasserleitung begonnen. Im Ersten Weltkrieg hat Zwesten den Verlust von 42 gefallenen Soldaten zu beklagen. 1925 leben in Zwesten 912 Menschen. 1926 wird ein neues Schulhaus in der heutigen Schulstraße errichtet. Im strengen Winter von 1928 auf 1929 friert die Wasserleitung ein oder kaputt, so dass kein fließendes Wasser im Ort vorhanden ist.

Ab 1932 gehört Zwesten zum neu gebildeten Kreis Fritzlar-Homberg. Im Jahr 1933 kommt es zu Pogromen gegen die Juden. Daraufhin wandern von den 84 Zwestener Juden 38 aus. 1939 hat Zwesten 907 Einwohner, davon leider nur noch sechs Juden. Diese werden 1941 in Konzentrationslager deportiert, wovon lediglich einer überlebt.

Nach der Bombardierung der Edertalsperre im Mai und der Stadt Kassel im Oktober 1943 werden 334 Evakuierte in Zwesten untergebracht. Am 30. März 1945 wird Zwesten durch amerikanische Soldaten vom Nationalsozialismus befreit. Der Ort hat über 100 gefallene Soldaten im Zweiten Weltkrieg zu betrauern.

Im Jahr 1950 hat Zwesten 1.485 Einwohner. Von 1954 bis 1956 bekommt Zwesten eine Kanalisation. 1955 werden erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder Feriengäste in Zwesten begrüßt. 1961 leben in Zwesten 1.257 Menschen. 1963 wird der Grundstein für die neue "Altenburgschule" gelegt. 1968 wird das Gebäude der ehemaligen Synagoge im Rahmen der Dorfsanierung abgerissen. Eine Gedenktafel erinnert heute an den Standort der Synagoge in der Schulstraße.

1972 erfolgt im Rahmen der Gebietsreform der Zusammenschluss der ehemals selbständigen Gemeinden Betzigerode, Niederurff, Oberurff-Schiffelborn, Wenzigerode und Zwesten zur Großgemeinde "Zwesten". Oberurff und Schiffelborn hatten sich bereits im Jahr 1964 freiwillig zusammengeschlossen. Im gleichen Jahr eröffnet die "Hardtwaldklinik I". Die Kläranlage für Zwesten wird 1972 in Betrieb genommen, die für die Ortsteile Niederurff und Oberurff-Schiffelborn im Jahr 1973. In diesem Jahr überschreitet die Einwohnerzahl der Gemeinde Zwesten erstmalig die magische Grenze von 3.000. Am 1. Januar 1974 wird die neue Gemeinde Zwesten in den neu gebildeten Schwalm-Eder-Kreis eingegliedert. Im Jahr 1977 wird die "Hardtwaldklinik II" eröffnet.

1983 wird Zwesten an das Erdgasnetz, die Ortsteile Betzigerode und Wenzigerode an die Kläranlage in Zwesten angeschlossen. In den Jahren 1983 bis 1989 erfolgt die Dorferneuerung, in deren Rahmen auch der "Platz an der Sandkaute" und der "Rathausplatz" gestaltet werden. Im Jahr 1985 können "750 Jahre Oberurff" und "900 Jahre Niederurff" gefeiert werden. In 1989 folgt die Fertigstellung eines neuen Kindergartens mit 88 Plätzen.

Am 21. August 1992 wird Zwesten in "Bad Zwesten" umbenannt, nachdem es zuvor zum Heilbad geworden war. Im Jahr 1996 eröffnet das Heimatmuseum, der Ortsteil Betzigerode feiert sein 700-jähriges Jubiläum und der Kindergarten am "Betzigeröder Weg" wird eingeweiht. 1999 wird ein Jugendzentrum geschaffen, um das sich ein hauptamtlicher Jugendpfleger kümmert.

Im Jahr 2002 erhält Bad Zwesten die Auszeichnung "familienfreundliche Kommune". Der Ortsteil Wenzigerode feiert 2003 sein 675-jähriges Bestehen. Im März 2005 werden zahlreiche "Stolpersteine" (siehe Weblink) im Ort verlegt, die an die Wohnhäuser der Zwestener Juden erinnern.

Kurbetrieb und Fremdenverkehr

Die Gemeinde Bad Zwesten verfügt über eine Mineralquelle die 1914 als "Löwensprudel" erstmals gefasst wird. Im Jahr 1922 erfolgte daraufhin die Gründung der Firma "Zwestener Löwensprudel". 1926 wird der Brunnentempel über der Quelle fertiggestellt und Mitte der 1920er Jahre kommen die ersten Feriengäste nach Zwesten.

Im Jahr 1929 gründet sich der Verkehrs- und Verschönerungsverein (heute Kur- und Verkehrsverein). 1931 wird der "Kurpark am Löwensprudel" angelegt und 1932 die Quelle "Löwensprudel" durch Erlass des Preußischen Ministers für Volkswohlfahrt als gemeinnützig anerkannt. 1955 kommen, nach dem Zweiten Weltkrieg, die ersten Feriengäste mit einem Reisebus an. In 1960 werden bereits wieder über 8.000 Übernachtungen jährlich gezählt und der "Löwensprudel" wird "staatlich anerkannte Heilquelle". 1962 wird der Campingplatz eröffnet. 1963 erfolgt der Bau des Aussichtsturms auf der Altenburg und Zwesten erhält das Prädikat "Staatlich anerkannter Erholungsort".

Im Jahr 1972 wird die Hardtwaldklinik I eröffnet. 1975 wird dem Ort das Prädikat "Staatlich anerkannter Luftkurort" verliehen und 1977 öffnet die Hardtwaldklinik II ihre Pforten. Das Kurzentrum mit Hallen-Bewegungsbad und Kurmittelpraxis wird 1978 eingeweiht. 1982 wird der erste Bauabschnitt des "neuen Kurparks" zwischen Ort und den Hardtwaldkliniken eingeweiht. 1986 erfolgt die Verleihung des Prädikates "Heilquellen-Kurbetrieb" und die Bestätigung des Prädikates "Luftkurort". Zwesten wird Mitglied im "Verband Hessischer Heilbäder" und im "Deutschen Bäderverband e.V.".

Bei der Einweihung eines weiteren Bauabschnittes im Kurpark am Kurhaus, erhält die Gemeinde Zwesten die Urkunde mit dem Prädikat "Heilbad" aus den Händen des Hessischen Wirtschafsministers. Anlässlich der Feierlichkeiten zu "1175 Jahre Zwesten", am 21. August 1992, überreicht der damalige Hessische Innnenminster Herbert Günther die Urkunde zur Namensänderung von "Zwesten" in "Bad Zwesten".

1997 wird das Hallen-Bewegungsbad um ein Rundbecken erweitert und ein neuer Abschnitt des Kurparks am Kurhaus, mit begehbarer Sonnenuhr und Rosengarten, kann eingeweiht werden. 1999 erfolgt die Erweiterung des Kurzentrums zum Kurhaus mit Veranstaltungssälen, Trinkkurbereich, Leseraum und Funktionsräumen.

In den Jahren 2001 und 2002 erfolgt der Umbau des Wehrturms der Burgruine Löwenstein zum Aussichtsturm und die Prädikate "Heilbad", "Luftkurort" und "Heilquellen-Kurbetrieb" werden überprüft und bestätigt. 2002 wird der Kurpark am Kurhaus um einen "Klangerlebnispfad" erweitert. Nachdem der Waldcampingplatz in 2002 sein 40-jähriges Bestehen gefeiert hat, kann die Erweiterung des Platzes im Jahr 2003 gefeiert werden.

Der Kunstwanderweg "ARS NATURA" und der Kellerwaldsteig werden 2004 zum Bestandteil des Bad Zwestener Wanderwegenetzes. Ebenso werden "Terrainkurwege", der "Planetenweg", der "Keltenweg - der archäologische Wanderweg auf der Altenburg" und ein Nordic-Walking-Park angelegt. 2006 folgen noch der "Landwirtschaftliche Lehrpfad" und der Rundwanderweg X 8a "ARS NATURA", der sich mit 12,5 km gut für eine Halbtagestour eignet. Somit verfügt Bad Zwesten über ein umfangreiches Netz an Themen- und Rundwanderwegen. 2005 wurden zwei Drittel aller Beherbergungsbetriebe nach den Richtlinien des "Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes" bzw. "Deuschen Tourismus Verbandes" zertifiziert. In 2007 folgt die Klassifizierung von 19 Betrieben als "Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland" nach den Richtlinien des Deutschen Wanderverbandes.

Kirche

Den Turm der ehemaligen Wehrkirche in Bad Zwesten (von 1509) ziert heute ein Barockhelm von 1791. Das ursprünglich gotische Langhaus wurde 1837 erweitert und im Innern klassizistisch ausgestaltet mit zweigeschossigen Emporen.

Literatur

Politik

Bürgermeister und Gemeindevorstand

WappenBadZwesten.jpg

Der Gemeindevorstand der Gemeinde Bad Zwesten besteht aus sechs ehrenamtlichen Beigeordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Den Vorsitz im Gemeindevorstand führt der Bürgermeister. Die ehrenamtlichen Beigeordneten werden auf die Dauer von fünf Jahren gewählt. Die Sitzungen des Gemeindevorstandes finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Dem Gemeindevorstand obliegt als Verwaltungsbehörde die laufende Verwaltung der Gemeinde. Er führt die Entscheidungen der Gemeindevertretung und die ihm von ihr übertragenen Aufgaben aus. Erster Beigeordneter und damit Stellvertreter des Bürgermeisters ist Stephan Lanzke (SPD). Seit der Kommunalwahl 2006 hat die SPD drei Sitze, die CDU zwei Sitze und die GRÜNEN, die FWG und die Bürgerliste jeweils einen Sitz im Gemeindevorstand.

Der Bürgermeister wird von der Bevölkerung der Gemeinde Bad Zwesten für die Dauer von sechs Jahren gewählt. Am 20. Februar 2005 ist Michael Köhler (FDP) mit 87,8 % der Wählerstimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden. Seine Amtszeit endet am 30. Juni 2011.

Gemeindevertretung

Ergebnis der Kommunalwahl 2006
Wahlbeteiligung 58,1 %
% Sitze
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 42,4 10
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 28,2 6
GRÜNE BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 11,6 3
Bürgerliste Bürgerliste Bad Zwesten 9,3 2
FWG Freie Wählergemeinschaft 8,5 2

Die Gemeindevertretung ist das höchste Organ der Gemeinde Bad Zwesten. Sie trifft alle wichtigen Entscheidungen und erlässt die Satzungen ("Gesetze") der Gemeinde. Zur Vorbereitung dieser Entscheidungen bildet die Gemeindevertretung verschiedene Ausschüsse in denen einzelne Themen vorbereitet werden, um sie dann in der Gemeindevertretung zur Abstimmung vorlegen zu können.

Die Bad Zwestener Gemeindevertretung hat 23 Mitglieder. Vorsitzender der Gemeindevertretung ist Manfred Paul (SPD)

Parteien in der Gemeindevertretung

Partnerschaften

Die Gemeinde Bad Zwesten unterhält zwei Partnerschaften:

Wahlkreise

Bundestag

Sehenswürdigkeiten

siehe auch

Wandern

Kellerwaldsteig - Zum Vergrößern anklicken

Barbarossaweg

Der Kunstpfad "ARS NATURA" führt unter anderem entlang des Fernwanderweg X 8, auch "Barbarossaweg" (von Korbach zum Kyffhäuser) und verläuft durch den Schwalm-Eder-Kreis. Die Grundidee ist, entlang der Fernwanderwege die Natur zu einem Galerieraum werden zu lassen, indem man entlang der Wege Kunstwerke errichtet.

Entlang des „Barbarossawegs“ sind im Schwalm-Eder-Kreis bis 2007 auf rund 75 km etwa 105 Kunstwerke entstanden. Bei Bad Zwesten wurde im Jahre 2005 der Rundwanderweg X 8a fertiggestellt, an dem 10 Kunstwerke installiert wurden.

Der Kellerwaldsteig in 12 Etappen

Der Kellerwaldsteig lässt sich in 12 Etappen auf sehr gut markierten, naturbelassenen Wegen und Pfaden erkunden:

Wussten Sie schon, dass ... ?

  • ... Hermann von Löwenstein und Gottfried Löwenstein-Westerburg 1536 eine Stiftung machten, nach der jährlich dem ärmsten volljährigen Mädchen des Ortes Zwesten acht Gulden als Aussteuer und Mitgift gegeben werden sollen. Außerdem erhält die Ärmste auch graues Tuch und ein Paar Schuhe im Werte von einem Gulden. Zur Unterhaltung der Stiftung wurden 300 rheinische Goldgulden bestimmt.
    August Bollerhey, Wehren

siehe dazu auch:

Weblinks


Ortsteile der Gemeinde Bad Zwesten
WappenBadZwesten.jpg

Bad Zwesten | Betzigerode | Niederurff | Oberurff-Schiffelborn | Wenzigerode


Städte und Gemeinden im Schwalm-Eder-Kreis
WappenSchwalmEderKreis.jpg

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